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Gefährliche Kurve: Tempolimit gefordert

Neuhof Gefährliche Kurve: Tempolimit gefordert

In Neuhof kam es zu mehreren Verkehrsunfällen / Landkreis will die Forderung von Anwohnern prüfen

Neuhof. Es war ein Sonntag, als sich Marlies Ernst draußen auf der Koppel um die Tiere kümmerte. Sie hörte einen Knall und plötzlich raste ein Auto über das Feld auf ihr Grundstück zu. Im Zaun des Hühnergeheges – nur wenige Meter neben der Frau – kam das schwarze Fahrzeug zum Stehen. „Seitdem hat meine Partnerin Angst, wenn sie Reifenquietschen oder ein Knallen hört“, sagt Uwe Bollhagen.

 

OZ-Bild

Uwe Bollhagen hat den jüngsten Verkehrsunfall fotografiert.

Quelle: Ann-Christin Schneider

Für die L 211 treffen dort die Kriterien eines Unfall-

schwerpunktes nicht zu.“Ilka Pflüger, Polizeiinspektion Stralsund

Drei Mal hat es vor dem Grundstück der Bollhagens in Neuhof bei Bartelshagen II seit dem Sommer gekracht. „Schuld ist die S-Kurve“, erklärt der 62-Jährige: „Sie ist durch die anliegenden Häuser schwer einsehbar, kaum beleuchtet und kann, da sie außerorts liegt, mit 100 km/h befahren werden. Gerade bei nasser Fahrbahn sehen wir ständig gefährliche Fahrmanöver.“

Zwei der Unfälle sind glücklicherweise ohne Verletzungen geblieben, wie auch Ilka Pflüger von der Polizeiinspektion in Stralsund bestätigt. Nur an den Fahrzeugen und an dem Zaun der Bollhagens entstand ein Schaden. Weniger glimpflich endete dagegen ein Vorfall im Juli dieses Jahres. Eine 37-jährige Ribnitz-Damgartenerin geriet bei nasser Fahrbahn in den Gegenverkehr und stieß mit dem Wagen einer 53-Jährigen zusammen. Die Frau starb, die entgegenkommende Zingsterin wurde leicht verletzt. „Das war schrecklich“, sagt der Anwohner in Gedanken an den Unfall. Noch heute erinnern Blumen und ein Bild an der Straße an die Verstorbene. „Ich verstehe nicht, warum hier keine Geschwindigkeitsbegrenzung angebracht wird“, sagt Uwe Bollhagen. Mit der Polizei hätten sie schon geredet, allerdings haben die Beamten keinen Einfluss auf die Beschilderung. Dafür sei das Straßenverkehrsamt des Landkreises zuständig.

„Generell muss es keine Geschwindigkeitsbegrenzung in solchen Kurven geben“, erklärt Kreissprecher Olaf Manzke: „Natürlich müssen aber die warnenden Verkehrszeichen ernst genommen werden.“ Raserei sei immer eine Hauptursache für Unfälle. Richtlinien zur Geschwindigkeit kommen aber erst zum Tragen, wenn die zweite Kurve für den Fahrer überraschend auftrete oder die Straße generell schlecht einsehbar sei. „Das ist aber in Neuhof nicht der Fall, obwohl ich zugeben muss, dass die Kurve durch die Bebauung etwas unglücklich ist“, so Manzke.

Auch die Polizei in Stralsund sieht in dem Abschnitt der Landesstraße L 211 keinen Unfallschwerpunkt. „2015 sind ebenfalls nur drei Unfälle mit insgesamt zwei Leicht- und einem Schwerverletzten registriert worden“, sagt Ilka Pflüger. „Für die gesamte L211 trifft ein Unfallhäufungspunkt nicht zu.“ Davon ist erst die Rede, wenn innerhalb von drei Jahren mindestens fünf Unfälle gleicher Art mit Personenschaden in einem Abschnitt von 300 Metern auftreten. Gleicher Art bezieht sich dabei beispielsweise auf Glätte oder Wild. Dass aber bislang nicht mehr passiert ist, sei nach Aussagen von Uwe Bollhagen reine Glückssache. „70 km/h wäre eine deutlich angemessenere Vorschrift“, sagt der Klempner, der seit 30 Jahren in Neuhof wohnt: „Denn viele halten sich nicht einmal an die erlaubten 100 km/h und ziehen dann auf die Gegenfahrbahn, weil sie hinausgetragen werden.“

Aufgrund der Unfälle ist das Thema auch in der jüngsten Hauptausschusssitzung der Gemeinde Saal Ende Oktober diskutiert worden. „Ich fahre selbst öfter durch die Kurve und sie ist gefährlich“, betont der stellvertretende Bürgermeister, Andreas Alms (WG Bauernverband). Die Gemeinde will ihre Stimme erheben, wüsste aber auch, dass sie nur wenig bewirken könne. „Es handelt sich um eine Landesstraße, aus unserer Erfahrung heraus haben wir da leider kein Mitspracherecht“, so Alms weiter.

Das beruhigt Sohn Olaf Bollhagen, der im Haus neben seinem Vater mit seiner Familie wohnt, wenig. „Wir haben drei kleine Kinder, die jeden Morgen die Bushaltestelle nutzen, die genau an der S-Kurve liegt“, beschreibt der 35-Jährige. Es sei zu gefährlich, sie dort alleine auf den Bus warten zu lassen.

Ilka Pflüger von der Polizei Stralsund betont, dass sich Autofahrer immer den gegebenen Verhältnissen anzupassen haben. „Das Verkehrszeichen warnt vor einer S-Kurve, also sollte prinzipiell das Tempo verringert werden“, sagt sie. Besonders gelte das, wenn die Sicht behindert oder die Fahrbahn nass sei.

Das Straßenverkehrsamt will nach Aussagen von Olaf Manzke den Streckenabschnitt über die Unfallkommission längerfristig beobachten lassen. Gegebenenfalls soll dann auch gehandelt werden.

Ann-Christin Schneider

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