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Geschwister im abgestellten Auto zurückgelassen

Stralsund Geschwister im abgestellten Auto zurückgelassen

Mit ihrem Job sorgen sie für Sicherheit und Ordnung in der Hansestadt. Hier geben Stralsunder Polizisten Einblick in ihre Arbeit.

Stralsund. Das Pärchen war froh, auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums in Grünhufe einen geeigneten Stellplatz entdeckt zu haben. Kaum ausgestiegen, bemerkten beide im Nachbarfahrzeug Bewegung in den Kindersitzen. Zwei Kleinkinder blinzelten in die Herbstsonne, die auf den Parkplatz schien. Clärchen war es auch, die dem Paar Sorgen machte, denn Scheiben und Autotüren waren verschlossen. Die Eltern der Lütten waren nirgends zu sehen.

„Der Mann und die Frau fürchtete um das Wohl der Kinder, weil die Gefahr bestand, dass sich der Wagen im Sonnenlicht aufheizen konnte“, sagt Kriminalhauptmeister Heiko Lutzke. Das Paar bat Sicherheitsleute des Marktes, ein Auge auf Auto und Kinder zu haben. Vom Einkauf zurück auf dem Parkplatz, entdeckten sie kurz darauf eine Frau, die auf den Wagen mit den Kindern zulief.

Erleichtert stieg das Paar ein, und beim Ausparken rief der Mann aus dem Autofenster, dass man Kinder nicht allein in heißen Fahrzeugen zurücklassen könne. Doch die Angesprochene reagierte offenbar etwas lapidar, was das Pärchen so ärgerte, dass es den Vorfall anzeigte.

Bei der Vernehmung dazu erlebte Heiko Lutzke eine aufgelöste Mutter. Sie habe sich vom Mann aus dem wegfahrenden Auto nicht angesprochen gefühlt, gab sie zu Protokoll. Sie wusste ihre Kinder gut aufgehoben. Beide hatten zu trinken dabei, als sie sich entschloss, schnell etwas Kuchen vom Bäcker im Markt zu holen. Dass das Innere des Autos sich in der kurzen Zeit hätte aufheizen können, hätte sie nicht vermutet. Schließlich habe sie das Fahrzeug auch teilweise im Schatten geparkt.

Dem besorgten Pärchen konnte die Frau dennoch nicht böse sein für dessen Reaktion. Den Eindruck gewann zumindest der Kriminalist im Gespräch. Sie fühle sich seit dem Vorfall wie traumatisiert, erzählte die Mutter. Jetzt hole sie ihre Kinder bei jedem Halt aus den Kindersitzen – und sei es beim Bezahlen nach dem Tankstopp unter überdachter Servicestation.

Heiko Lutzke gewann in der Vernehmung das Gefühl, dass sich der Verdacht einer Straftat nicht erhärten ließ. Damit ist der Ermittler nicht allein, denn auch ein Anruf beim Jugendamt bestätigte, dass die Frau dort noch nie auffällig geworden war. „Es gibt immer wieder Fälle, in denen wir wegen eingeschlossener Kinder oder Tiere in überhitzten Autos ermitteln müssen“, sagt Lutzke. „Oft sind sich die Betroffenen keiner Schuld bewusst.“ Er weiß auch, dass so mancher Bürger einfach drüber hinwegsieht, sich so Ärger ersparen will. Sein Fazit: „In diesem Fall hat auch das besorgte Pärchen alles richtig gemacht.“ Der Rest liegt nun in der Entscheidung des Staatsanwalts.

Jörg Mattern

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