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Giftmüll an der Ostsee: Justiz ermittelt gegen 30-Jährigen

Warnkenhagen Giftmüll an der Ostsee: Justiz ermittelt gegen 30-Jährigen

Zwei Tage nach dem Fund von mehreren Behältern mit gefährlichen Chemikalien rätseln die Ermittler noch immer über die Hintergründe des Vorfalls.

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Das Absperrband zeugt noch von den Aufräumarbeiten am Kolonnenweg bei Warnkenhagen.

Quelle: Fotos: Malte Behnk (1), Privat

Warnkenhagen. Zwei Tage nach dem Fund von mehreren Behältern mit gefährlichen Chemikalien rätseln die Ermittler noch immer über die Hintergründe des Vorfalls. Derzeit gehen Polizei und Staatsanwaltschaft davon aus, dass ein 30 Jahre alter Mann die Substanzen, darunter hochkonzentrierte Schwefelsäure, in einer Senke am Kolonnenweg bei Warnkenhagen entsorgen wollte.

 

OZ-Bild

Das Absperrband zeugt noch von den Aufräumarbeiten am Kolonnenweg bei Warnkenhagen.

Quelle: Fotos: Malte Behnk (1), Privat

Der Tatverdächtige war beim Abladen von einem Zeugen beobachtet worden, der die Polizei alarmiert hatte.

Inzwischen haben Experten der Firma Possehl Umweltschutz GmbH aus Lübeck die giftigen Flüssigkeiten entsorgt. Gegen 6 Uhr morgens rollte der Wagen am Dienstag wieder auf den Betriebshof. „Wir haben 1,2 Kubikmeter transportiert“, berichtet Bernd Wolkowski, Prokurist bei Possehl. Diese Substanzen sammelte die Spezialfirma in der Nacht im Kolonnenweg in Warnkenhagen, das zur Gemeinde Kalkhorst gehört, auf.

„Gegen 1 Uhr nachts haben wir eine Anfrage erhalten“, erzählt Wolkowski. Um 2 Uhr machte sich der Transporter auf den Weg zum knapp 40 Kilometer entfernten Tatort. Gefüllte Eimer, Kanister und sogar Einweckgläser wurden direkt an einem Wander- und Radweg abgestellt. Die Polizei fand Säuren, Pulver und auch Drähte. Für die Experten aus Lübeck nichts ungewöhnliches. „Zu solchen Einsätzen werden wir zwei, drei Mal im Jahr gerufen“, sagt Wolkowski. Zum Vorfall in Warnkenhagen meint er nur: „Wenn die vorgefundenen Stoffe in die falschen Hände geraten, können sie sehr gefährlich sein.“

Das kann Axel Schulz, Professor für anorganische Chemie und Direktor des Chemischen Instituts an der Universität Rostock, nur bestätigen: „Sollte es sich wirklich um hochkonzentrierte Schwefelsäure handeln, sprechen wir von einer hochgradig ätzenden Flüssigkeit.“ Sämtliche organischen Strukturen der Pflanzen seien bei Berührung in wenigen Sekunden vollständig zerstört. „Die Säure entzieht Wasser. Bäume und Pflanzen würden absterben“, so Schulz. Auch Menschen können schwere Verletzungen bei Berührung davontragen. Doch wie mehrere Einsatzkräfte unabhängig voneinander berichten, sei von den Chemikalien nichts ausgelaufen. Überprüfungen, ob der Boden belastet ist, sollen endgültige Entwarnung bringen.

Darüber, warum der Tatverdächtige im Besitz von so viel Schwefelsäure war, können die Experten im Moment nur mutmaßen. Dass es sich um Rückstände von Autobatterien handelt, schließt Axel Schulz allerdings aus. „Man könnte mit Säuren auch Sprengstoff herstellen oder Drogen kochen“, meint der Chemie-Professor. Die Substanz könne aber auch in einem Chemie-Betrieb zum Einsatz gekommen sein.

Die Chemikalien sind von der Lübecker Firma Possehl Umweltschutz aktuell zu Ermittlungszwecken sichergestellt worden. Sind diese abgeschlossen, kümmert sich das Unternehmen um die „ordnungsgemäße Entsorgung“, wie Bernd Wolkowski betont. Der Giftmüll wird dann verbrannt.

Kalkhorsts Bürgermeister Dietrich Neick war noch am Montagabend an den Kolonnenweg gerufen worden, wo er die Eimer und Kanister fotografierte. „Aus der Sache müssen wir lernen, dass der Kolonnenweg mehr kontrolliert werden muss“, sagt Neick. Es gebe an der betroffenen Stelle immer wieder Probleme mit wilden Campern oder illegal entsorgten Gartenabfällen.

Dass jetzt sogar Chemikalien in der Senke des Kolonnenwegs entsorgt werden sollten, ärgert den Bürgermeister besonders. Denn die Gemeinde hält sich nämlich in dem speziellen Gebiet an die Richtlinien des Naturschutzes und darf deshalb ein abgerutschtes Stück des Kolonnenwegs an der Steilküste nicht mehr sichern.

Das Ex-Rohr-Gelände bei Grevesmühlen

2003 ließ das Schweriner Umweltministerium das ehemalige Ex-Rohr-Areal westlich von Grevesmühlen räumen, nachdem ein Reporter dort zufällig auf mehrere Fässer mit Chemikalien gestoßen war. Zu diesem Zeitpunkt stand das Firmengelände längst leer, der damalige Ex-rohr-Geschäftsführer saß in Untersuchungshaft, so dass die aufwändige Entsorgung der Giftstoffe aus Steuermitteln bezahlt werden musste.

Geschäftsführer Peter Z. aus Luschendorf in Ostholstein wurden mehr als 200 Straftaten vorgeworfen. Er hatte mit einem Geflecht aus Firmen und Subunternehmen mehrere Millionen Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet und den Grevesmühlener Betrieb in den Ruin getrieben.

OZ

Von Daniel Heidmann und Malte Behnk

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