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Grillreiniger statt Honigwein: Zwei Frauen in Lokal vergiftet

Rostock/Lübeck Grillreiniger statt Honigwein: Zwei Frauen in Lokal vergiftet

Eine der Verletzten aus MV schwebt noch in Lebensgefahr

Rostock/Lübeck. Ätzender Grillreiniger statt Met: Zwei Frauen aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg sind bei einer Weihnachtsfeier in einem Lübecker Lokal schwer verletzt worden. Mitarbeiter der Gaststätte in der Straße „An der Obertrave“ hatten am vergangenen Wochenende versehentlich giftigen Grillreiniger in einen Becher gefüllt, aus dem die 49 und 40 Jahre alten Frauen getrunken hatten.

Mit verheerenden Folgen: Beide Frauen, die in einem Dorf an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein wohnen, erlitten durch das ätzende Mittel innere Verletzungen. Sie werden in Lübecker Kliniken behandelt. Die 49-Jährige war in ein künstliches Koma versetzt worden; sie schwebte gestern noch immer in Lebensgefahr. Der 40-Jährigen gehe es „minimal besser“, war aus ihrem Umfeld zu erfahren. Die Lübecker Polizei ermittelt jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Ursache des Unglücks war offenbar eine folgenschwere Verwechslung. Der Met (Honigwein), der im Lokal ausgeschenkt worden war, befand sich in einem weißen 10-Liter-Plastikkanister – ebenso wie die Grillreiniger-Flüssigkeit, teilte die Lübecker Stadtverwaltung mit. Beide Plastikbehälter sind von Form und Farbe fast identisch. Das Fatale: Der mit Warnhinweisen versehene Grillreiniger stand zwischen Getränkekisten. „Wer den Kanister dort abgestellt hat, konnte bislang nicht festgestellt werden“, hieß es. Die Behörde spricht von „menschlichem Versagen“.

„Backofen-, Grill- oder Rohrreiniger lösen durch ihre ätzend wirkenden Inhaltsstoffe rasch eine schwere Schädigung aus“, erklärte der Leiter des für Mecklenburg- Vorpommern zuständigen Giftnotrufs im thüringischen Erfurt, Helmut Hentschel. Etwa zehn Prozent aller Fälle, die beim Giftnotruf auflaufen, sind Vergiftungen durch Reinigungsmittel. In diesem Jahr gab es in MV bislang 156 entsprechende Fälle. Schwere Vergiftungen durch Reinigungsmittel seien allerdings selten. Einen Todesfall habe es im Nordosten zuletzt im Jahr 2011 gegeben.

Untersuchungen eines Lebensmitteltechnikers ergaben, dass die Gaststätte ordentlich geführt wird. Lebensmittel, Getränke und Reinigungsmittel würden, wie gesetzlich vorgeschrieben, in getrennten Räumen gelagert. „Die Gaststätte befindet sich in einem guten Zustand“, hieß es. Daher gebe es keine Veranlassung, das Lokal zu schließen. Die zehn Mitarbeiter, die auch gestern noch unter Schock standen, wurden von der Behörde „schriftlich belehrt“, Lebensmittel und Reinigungsmittel strikt zu trennen. Wie es zu der folgenschweren Panne kam, wird jetzt weiter untersucht.

Axel Meyer und Torsten Teichmann

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Backofen-, Grill- oder Rohrreiniger lösen durch ihre ätzend wirkenden Inhaltsstoffe rasch eine schwere Schädigung aus, warnt der Giftnotruf.

Beide Opfer - 49 und 40 Jahre alt - stammen aus Nordwestmecklenburg. Eine der Verletzten schwebt noch in Lebensgefahr.

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