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Groß Kiesow nach Horrorunfall geschockt

Groß Kiesow Groß Kiesow nach Horrorunfall geschockt

Pfarrer Andreas Schorlemmer, der in dem Dorf zu Hause ist, betreut die Familien

Groß Kiesow. Als ehemaliger Polizeiseelsorger hat Andreas Schorlemmer schon viele Unfälle gesehen. „Doch nur einmal war bisher ein solcher Horrorunfall mit vier Toten und zwei lebensgefährlich Verletzten wie der am Sonnabendmorgen dabei. Es ist Jahre her und war bei Gribow“, schildert er. Der Pfarrer, der ehrenamtlich in der Notfallseelsorge tätig ist, wirkt aufgewühlt und angespannt: Diesmal ist das Unglück direkt vor der Haustür passiert, denn Schorlemmer wohnt in Groß Kiesow. „Es ist eine ganz schwierige Situation.“ Das gesamte Dorf stehe unter Schock, die Opfer waren alle bekannt und beliebt. „Es ist eine unfassbare Tragödie“, weiß der Seelsorger, der seit Sonnabend unentwegt betroffenen Familienangehörigen, aber auch Einwohnern Trost spendet.

Ein mit sechs Personen besetzter Skoda Octavia ist am Sonnabendfrüh um 2.35 Uhr kurz vor dem Ortsausgangsschild von Groß Kiesow gegen eine alte Weide geprallt. Der riesige Baum ist von der Wucht des Aufpralls zerborsten. Ringsumher auf dem Acker und im Straßenbankett liegen Splitter des Fahrzeugs. Das Auto war nach Aussagen der Rettungskräfte von der Feuerwehr Hanshagen und der mit schwerer Technik angerückten Greifswalder Berufsfeuerwehr nur noch ein Schrottklumpen.

In einer leichten Linkskurve hat die 20-jährige Fahrerin aus den Niederlanden die Kontrolle über das Fahrzeug verloren, war ins Bankett geraten und dann gegen den Baum gerast. Nach Aussage von Axel Falkenberg, Sprecher der Polizeiinspektion Anklam, war das Auto mit ungeheurer Geschwindigkeit unterwegs: „Die Tachonadel ist bei 140 km/h stehengeblieben“, erklärt er. Eine solche Geschwindigkeit innerorts erkläre die Wucht des Aufpralls. Ob auch Alkohol im Spiel war, untersuche die Polizei noch. Die sechs Fahrzeuginsassen kamen von einer Feier mit 20 Personen der Tifla Agrarproduktionsgenossenschaft, die in Groß Kiesow eine Milchviehanlage betreibt. Jan N. (54), der frühere Besitzer aus den Niederlanden, wollte im Dorf geschäftliche Dinge erledigen. Er hatte seine 20-jährige Tochter mitgebracht, die den Unfallwagen fuhr. „Beide waren im Ort sehr beliebt. Sie gehörten dazu“, schildert Schorlemmer. Die Tochter hatte ein befreundetes Pärchen (20 und 27 Jahre) dabei. Die Niederländer wollten nach der Feier einen Mitarbeiter (49) der Milchviehanlage nach Hause bringen. Er wohnte nahe Groß Kiesow. Als sechste Person mit im Auto war der angehende Schwiegersohn des Mitarbeiters (25) aus Greifswald. Damit alle Personen im Wagen Platz fanden, hatte der 49-Jährige die Freundin der Fahrerin auf dem Schoß.

„Den Rettungskräften, die binnen kürzester Zeit vor Ort waren, bot sich ein furchtbares Bild. Die Opfer mussten erst freigeschnitten werden. Die Retter haben alles gegeben“, so Falkenberg. Aber dass vier Menschen nur noch tot geborgen werden konnten, mache jeden fassungslos. Um das Geschehen verarbeiten zu können – die Bilder hätten sich den Rettern tief eingebrannt – werden sie psychologisch und seelsorgerisch betreut. Überlebt hat den Unfall nur das befreundete niederländische Paar. Beide liegen in der Universitätsmedizin Greifswald im Koma. „Ob sie es schaffen werden, ist noch ungewiss. Ihr Zustand ist sehr kritisch“, berichtete gestern Andreas Schorlemmer nach Gesprächen mit den Familienangehörigen.

Unterdessen wurden an der Unfallstelle Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet. Weinend steht mancher Groß Kiesower davor. „Aus unserer Dorfgemeinschaft wurden vier Freunde gerissen. Wir werden uns deshalb am Montagabend in einer Gedenkfeier in der Kirche von Groß Kiesow liebevoll an sie erinnern“, sagt der Pfarrer.

Beginn: Heute Abend um 21 Uhr

Cornelia Meerkatz

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