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Gruselclown erschreckt Frau – Makaberer Trend erreicht MV

Greifswald Gruselclown erschreckt Frau – Makaberer Trend erreicht MV

Der Trend kommt aus den USA. Clowns erschrecken Passanten, indem sie überraschend aus Gebüschen oder Haustüren treten. Am Donnerstag gab es einen Fall in Greifswald.

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Ein Mann in einem Clownskostüm hat am Donnerstagmorgen eine 22-jährige Frau in Greifswald erschreckt. Bereits in den vergangenen Tagen bedrohten Grusel-Clowns Passanten in Deutschland. (Symbolfoto)

Quelle: Erik S. Lesser / Dpa

Greifswald. Ein Mann in einem gelben Clownskostüm mit roten Punkten hat am Donnerstagmorgen eine 22-jährige Frau in Greifswald erschreckt. Die rief daraufhin umgehend die Polizei.

 

Die Frau habe um 5.20 Uhr im Stadtteil Schönwalde II an einer Haltestelle auf einen Bus gewartet, als auf der gegenüberliegenden Seite der Gruselclown aus dem Gebüsch trat, sagte ein Polizeisprecher in Anklam. Der Mann habe ein grell weiß geschminktes Gesicht gehabt und eine rote Perücke getragen. Er habe nach Aussage der Frau einen Gegenstand mit einem langen Schaft bei sich getragen. Ob es sich dabei, wie Facebooknutzer und auch ein Radiosender berichteten, um eine Kettensäge handelte, wollte die Polizeiinspektion Anklam nicht bestätigen.

Der Clown verfolgte dann einen vorbeifahrenden Radfahrer und verschwand. Die Polizei in Greifswald wird nach diesem Vorfall verstärkt in den Morgenstunden Streife fahren.

Phänomen der Grusel-Clowns kommt aus den USA

Das eigenartige USA-Phänomen der Grusel-Clowns, auch „Clownsighting“ genannt, hat jetzt offenbar auch Deutschland erreicht. Seit etwa zwei Jahren machen unheimliche Clowns in den Vereinigten Staaten die Straßen unsicher. Die Maskierten machen sich einen schlechten Spaß daraus, anderen Menschen aufzulauern und sie zu erschrecken. Als Videos tauchen die unheimlichen Streiche dann oft im Internet auf.

Die Frau ist offenbar die erste, die nach einem solchen Vorfall in MV Anzeige erstattete. Nach Angaben der „Ostseewelle“ berichteten aber Hörer von ähnlichen Vorfällen im Stralsunder Stadtwald und in Rostock-Lichtenhagen. Den Polizeiinspektionen liegen bislang keine Anzeigen vor.

Bereits mehrere Attacken in Nordrhein-Westfalen

Aus anderen Bundesländern wurden in den vergangenen Tagen ähnliche Aktionen bekannt. Am Donnerstag haben zwei Maskierte in Gelsenkirchen einen 33-Jährigen mit einem Messer angegriffen und dabei leicht verletzt. Der Mann erlitt eine Schnittwunde an der Hand, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Die unbekannten Angreifer seien anschließend mit einem Motorroller geflohen. Den Angaben zufolge ist der 33-Jährige gehörlos. Er habe erst mit Hilfe eines Bekannten die Polizei verständigen können.

Am Montag verletzte sich eine 14-Jährige in Gelsenkirchen beim Weglaufen vor einem „Clown“ mit Baseballschläger. Ein bewaffneter Clown hat am Sonntag in Wesel am Niederrhein nachts am Bahnhof zwei junge Männer erschreckt. Der maskierte Verkleidete habe mit einer Pistole hantiert und ein Messer dabei gehabt, berichtete die Polizei am Wochenende.

Polizei: In jedem Fall melden

„Auch, wenn noch kein Straftatbestand durch ein Erschrecken besteht, rufen wir dazu auf, es der Polizei zu melden“, sagt Antja Unger von der Polizeiinspektion Stralsund. „Wir gucken dann, ob wir die Person zumindest auf ihr Verhalten ansprechen können“, sagt die Polizeisprecherin. Zudem sei es für die Beamten nicht unwichtig, zu wissen, wo in der Region derartige Fälle auftreten.

In Menschen, denen urplötzlich ein maskierter, bedrohlich wirkender Mann gegenübersteht, geht eine ganze Kaskade von Schutzreflexen los, wie der Greifswalder Psychologe und Angstforscher Prof. Alfons Hamm sagte. „Puls und Blutdruck steigen, Muskeln werden stark durchblutet, um die Beuger zu aktivieren.“ Der Mensch krümme sich in Zehntelsekunden in einem Schutzreflex zusammen.

Dagegen würden die Streckmuskeln deaktiviert, was sich in den berühmten „weichen Knien“ niederschlage. Im schlimmsten Falle breche der Betroffene zusammen. „Ein Herzinfarkt ist aber nicht zu erwarten“, so der Experte.

Psychologe: Erschrecken kann böse Folgen haben

Dennoch kann ein solches Erschrecken böse Folgen haben: Der Erschrockene könne in Panik reagieren, bekomme einen Tunnelblick, laufe womöglich ohne Wahrnehmung der Umwelt auf die Straße. Die Täter, vermutet der Forscher, wollen mit diesen Aktionen Macht ausüben. „Das Erschrecken anderer gibt den Menschen ein Gefühl der Überlegenheit.“

Die Polizei in Anklam und Stralsund ist sensibilisiert. Vorfälle sollten gemeldet werden, auch wenn sie vielleicht strafrechtlich noch nicht relevant sind. „Das Ganze kann ganz schnell über einen Dumme-Jungen-Streich hinausgehen“, sagte der Anklamer Polizeisprecher Helmut Walther.

Michaela Krohn, Dpa Cornelia Meerkatz

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