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Happy End für die Wildschweine am Autobahn-Kreuz Wismar

Wismar Happy End für die Wildschweine am Autobahn-Kreuz Wismar

Eine Rotte von etwa 25 Tieren wurde am Sonntag in einer groß angelegten Treib-Aktion dazu bewegt, ihren gefährlichen Wohnort zu verlassen

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Etwa ein Dutzend Treiber und fünf Hunde waren am Sonntag im Einsatz, um die Wildschweine von der A 20 zu vertreiben.

Quelle: Fotos: Bruno Lübbers

Wismar. Es ist ein kühler, aber sonniger Oktobermorgen an der Autobahnbrücke an der Anschlussstelle Wismar-Mitte. Perfekt für die Aufgabe des Tages. Seit gut zwei Wochen hat sich eine Rotte von etwa 25 Wildschweinen, darunter viele Frischlinge, in dem kleinen Waldstück zwischen den Autobahnauffahrten Kreuz Wismar und Wismar-Mitte eingenistet.

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Eine Rotte von etwa 25 Tieren wurde am Sonntag in einer groß angelegten Treib-Aktion dazu bewegt, ihren gefährlichen Wohnort zu verlassen

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Eine Gefahr für Autofahrer und Tiere gleichermaßen, weshalb die Polizei für den Bereich ein Tempolimit von 60 Kilometer pro Stunde eingerichtet hatte. „Das hohe Tempo auf der Autobahn macht die Sache besonders gefährlich“, sagt Einsatzleiter Michael Harnack von der Autobahnpolizei Metelsdorf. „So ein Wildschwein bringt eine beachtliche Masse mit. Bei Tempo 180 oder 200 sind mögliche Schäden bei einem Zusammenstoß wesentlich größer als auf einer Landstraße.“ Die Tiere hätten den Sommer in Maisfeldern in der Nähe verbracht. Die seien nun abgeerntet und die Rotte habe sich einen neuen Unterschlupf gesucht, erklärt der Einsatzleiter. Dass es ausgerechnet der Baumbestand in den Schleifen der Autobahnauf- und -abfahrten war, sei für alle Beteiligten ungünstig.

Während der Aktion hatte die Polizei sowohl die A 20 in beiden Richtungen als auch ein Teilstück der B 208 gesperrt. Die Autobahnmeisterei hatte entlang der Strecke und an den Auffahrten Bauzäune aufgestellt, um den Tieren ungewünschte Fluchtrichtungen zu versperren.

Statt Gewehren kamen neben rund einem Dutzend Helfern fünf Jagdhunde zum Einsatz, denn der Abschuss der Tiere war nicht vorgesehen, sagte Polizist und Jäger Bernd Kolz (49): „Wir wollen hier kein Massaker veranstalten, sondern die Tiere nur vertreiben. Das ist auch wichtig, weil sich immer mehr Schaulustige zum 'Wildschweine gucken' im Bereich der Autobahnbrücke aufgehalten haben. Noch eine Woche und wir hätten hier eine Wurstbude eröffnen können.“

In orangefarbenen Warnwesten bezog die Treibergesellschaft an der Autobahn Stellung und bewegte sich vorsichtig und laut rufend mit ihren Hunden ins dichte Unterholz. Aufgeregt kläffend und mit dem Schwanz wedelnd gingen die Jagdhunde ihrer Aufgabe nach. Für sie war das nicht ganz ungefährlich, weiß der Pächter des örtlichen Jagdgebietes Hans-Friedrich Hoffmann. „Menschen werden nur im absolutem Ausnahmefall von einem Wildschwein angegriffen, aber bei Hunden passiert das schon mal.“

An diesem Sonntag geht die Jagd jedoch für alle Beteiligten gut aus, auch für die Wildschweine: Polizisten und Presse beobachten das Geschehen von der Autobahnbrücke aus. „Der Baumbestand hier ist ein Paradies für die Schweine. Es ist trocken und geschützt“, beschreibt Kreisjagdmeister Ralf Siewert den Grund, aus dem sich Sauen und Frischlinge genau hier niedergelassen haben. Und genau das hört man auch dem Gebüsch: Lautes, aufgeregtes Quieken – zu Hause ist also jemand. Per Funk bleiben die Helfer in Kontakt um den Kreis immer enger zu ziehen.

Doch die Bewohner bleiben im Dickicht unsichtbar. Noch ein zweites Mal sammeln sich die Treiber und gehen in geschlossener Front an das kleine Wäldchen heran, dann sind sich alle sicher: die Wildschweine sind weg, wenn auch nicht in der gewünschten Richtung: Anstatt in Richtung Wallensteingraben zu laufen, ist die Rotte über einen Acker in Richtung Wismar entkommen.

Nach gut einer Stunde wurden Autobahn und Landstraße wieder für den Verkehr freigegeben. Ein paar Tage wird die Lage beobachtet. Sollten die Schweine nicht zurückkehren, wird das Tempolimit auf der A 20 laut Autobahnpolizei Mitte der Woche aufgehoben.

Bruno Lübbers

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