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Hells Angels ohne Bike und Führerschein

Stadtmitte Hells Angels ohne Bike und Führerschein

Rund 20 Mitglieder zählt die Rockergruppe in Rostock / Polizei hat Charter im Blick

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Bis vor einigen Jahren hatten die „Hells Angels“ ihr Domizil am Petridamm.

Stadtmitte. Sie fahren typischerweise Harley-Davidson-Motorräder und tragen Kutten mit dem geflügelten Totenkopf — doch von den etwa 20 Rostocker Hells Angels haben viele gar kein Bike, einige nicht mal den Führerschein. Das macht sie nicht ungefährlicher, das Landeskriminalamt rechnet die „Hells Angels“ der Hansestadt der organisierten Kriminalität zu. Und so stehen sie unter polizeilicher Beobachtung, denn die Rockergruppierung fällt durch kriminelle Aktivitäten auf, mit denen die Mitglieder ihr Leben finanzieren.

„Alle sind polizeibekannt, zum Teil vorbestraft“, sagt Jörg Schönfeld, der das zuständige Fachkommissariat bei der Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Rostock leitet. Ob Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung, Rauschgiftvergehen — die Liste der Straftaten, die den Mitgliedern des Rockerclubs angelastet wird, ist lang. „Sie sind im Rotlicht sehr aktiv, betreiben eigene Model-Wohnungen in der Stadt“, sagt der Erste Kriminalhauptkommissar. In Thulendorf bei Sanitz hätten die „Hells Angels“ 2014 versucht, ein Edelbordell aufzuziehen, das letztendlich am Widerstand der Gemeinde scheiterte.

„Rotlicht und Drogenhandel sind die Hauptgeschäftsfelder der Rostocker Gruppierung“, betont KPI-Chef Peter Mainka. Einige Mitglieder würden derzeit Haftstrafen in Bützow wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verbüßen, andere warten auf den Prozess. Nach einer großangelegten Razzia im Herbst vergangenen Jahres wurden gegen zwei Mitglieder des Rockerclubs Haftbefehle ausgestellt.

Ermittelt wurde gegen insgesamt 21 Personen zwischen 20 und 50 Jahren.

Bei Durchsuchungen in 19 Wohnungen, in Vereinsräumen sowie Zellen der JVA Bützow wurden 1,6 Kilogramm Amphetamine, weitere Drogen und 32000 Euro Bargeld sichergestellt. „Wir gehen davon aus, dass sich die Gruppe zum Zweck des illegalen Handels mit Drogen gebildet hat“, informierte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Harald Nowack, gleich nach der Razzia. Er bestätigt jetzt, dass der Abschluss des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft bevorstehe. Dann kann der Prozess beginnen.

Die Hells Angels hatten bis vor einigen Jahren ihr Clubhaus am Petridamm und sind nun in Toitenwinkel ansässig. Als Untergruppierung gebe es noch die „Red Devils“. „Unser Ziel ist es, die Leute nicht aus den Augen zu verlieren, genau zu beobachten, wie entwickelt sich die Szene, womit beschäftigt und wie finanziert sie sich“, erklärt Schönfeld. Dazu stünden den Ermittlern geschulte Sachbearbeiter, Observierungskräfte und andere Möglichkeiten der Aufklärung zur Verfügung. „Wir arbeiten eng mit Kollegen in anderen Bundesländern zusammen, tauschen uns regelmäßig zu Fällen aus“, sagt Schönfeld. Denn die Rockergruppen organisierten sich bundes-, ja, europa- und weltweit.

„Es gibt genug Bikerclubs in Rostock und Umgebung, die in Lederkluft einfach nur begeistert Motorrad fahren“, betont Kripo-Chef Mainka. Aber bei den Hells Angels, Bandidos oder Gremium MC, „da tun sich Leute zusammen, um kriminell Geld zu verdienen“.

 



Doris Kesselring

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Rostock
Bis vor einigen Jahren hatten die Rostocker Rocker ihr Domizil in diesem Gebäude am Petridamm. 2012 war der Schriftzug „Hells Angels“ entfernt worden.

Rund 20 Mitglieder zählt die Rockergruppe in Rostock - die Polizei hat alle im Blick.

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