Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 6 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Hirsch stirbt qualvollen Tod: Anzeige gegen Jäger

Marlow Hirsch stirbt qualvollen Tod: Anzeige gegen Jäger

19 Stunden lang rang das Tier mit dem Tod / Marlower Ehepaar erstattet Anzeige wegen Tierquälerei gegen den zuständigen Jäger

Marlow. Die Bilder lassen Dieter und Martina Schlange aus Marlow nicht mehr los. Sie benutzen Worte wie „barbarisch“ und „grausam“ wenn sie das Erlebnis vom vergangenen Sonnabend schildern, das schließlich mit einer Anzeige wegen Tierquälerei und dem grausamen Tod eines Hirsches endete. Zuvor hatten offenbar der zuständige Jäger und auch die Polizei keine gute Figur abgegeben.

Alles begann mit einem dumpfen Geräusch, das Martina Schlange in der Nacht zu Sonnabend gegen 1 Uhr geweckt hatte. Sie blickte aus dem Fenster und sah ein parkendes Auto vor ihrem Schlafzimmerfenster an der Landstraße 181 zwischen Marlow und Allerstorf. „Zwei Menschen leuchteten mit Taschenlampen, als suchten sie etwas. Dann fuhren sie mit ihrem Auto davon“, erinnert sich die Anwohnerin.

Gewundert habe sie sich, aber nichts Auffälliges entdecken können.

Am nächsten Morgen gegen 9.30 Uhr, als Dieter Schlange mit seinem Hund „Buddy“ Gassi ging, machte er einen grausigen Fund. Der Grund für den Knall in der Nacht: ein Wildunfall. „Der ausgewachsene Hirsch lag angefahren auf der Wiese nahe unseres Grundstücks. Seine Hinterläufe waren gebrochen, er robbte auf dem Boden entlang und muss schreckliche Schmerzen ausgestanden haben.“ Dieter Schlange rief umgehend einen Jäger an, schilderte die Situation und gab eine Wegbeschreibung durch. „Er sollte ihn mit einem tödlichen Schuss erlösen“, erklärt Schlange. Eine Dreiviertelstunde wartete das Ehepaar bei dem verendenden Tier auf den Jäger – doch niemand kam. „Es war schrecklich anzusehen. Man hätte ihm nicht mehr helfen können“, sagt auch Martina Schlange traurig. Doch noch war kein Ende der Quälerei abzusehen.

Familie Schlange verließ den Unfallort, weil sie einen Termin in Ribnitz wahrnehmen musste. „Wir dachten ja, dass der Jäger bald kommen müsse und konnten nichts tun“, sagt Martina Schlange. Der Schreck ereilte sie umso mehr, als sie gegen 17.30 Uhr an den Ort des Geschehens zurückkehrten.

„Der Hirsch lag noch immer da. Er lebte und seine Hinterläufe waren stark angeschwollen und blau verfärbt. Krähen hatten sich um ihn geschart.“ Martina Schlange ist auch Tage später der Schock anzumerken. Sie engagiert sich im Tierschutzverein und liebt Tiere. „Er hat sich so gequält“, sagt sie leise. „Ich habe zwei Nächte nicht geschlafen und noch immer diese Bilder vor Augen.“ Dem Ehepaar reichte es. Die Schlanges riefen die Polizei, die umgehend eintraf. Doch nach drei abgefeuerten Schüssen aus der Pistole eines Beamten lebte der Hirsch offenbar noch immer. Laut Polizeiprotokoll sei das Tier zwar tot gewesen. Doch trotzdem holten sich die Beamten Hilfe bei dem erfahrenen Jäger Werner Voss. Der sagt: „Ich habe ihn gegen 20 Uhr mit einem Schuss in den Hals von seinen Qualen befreit, obwohl es gar nicht mein Jagdrevier ist. Wahrscheinlich haben unsere Polizisten wenig Erfahrung, wie man einen so großen Hirsch erledigt.“

Auf den Widerspruch angesprochen sagt Matthias Peter vom Polizeirevier Ribnitz-Damgarten: „Nicht ungewöhnlich, wir erlegen zwar im Notfall auch angefahrenes Wild, aber ein Jäger weiß besser, wie das Tier einen schnellen Tod stirbt ohne leiden zu müssen.“

Werner Voss sei entsetzt, dass der zuständige Revierjäger Helmut Becker das Tier so lange leiden ließ, obwohl er bereits Samstagmorgen informiert worden war. Doch Becker, seit 1981 Jäger, möchte sich keine böse Absicht vorwerfen lassen. „Nachdem ich am Morgen des Sonnabends über den Wildunfall informiert wurde, habe ich mich sofort zusammen mit meinem Sohn auf den Weg gemacht“, sagt der zuständige Jäger mit brüchiger Stimme. Zwei Stunden lang hätten sie nach dem Tier gesucht. „Aber wir haben es nicht gefunden, weil es in seinem Schmerz anscheinend immer weiter durch das hohe Gras robbte. Es geht mir sehr nahe, dass der Hirsch sich so quälen musste. Doch es ist nicht ungewöhnlich – nicht jedes verletzte Stück Wild kann nach einem Unfall gefunden werden. In ihrem Schmerz legen die Tiere oft noch viele Meter zurück.“ Worte, die seinen Jagdkollegen Werner Voss nicht milde stimmen. „Es war nicht so schwer, das Tier zu finden. Ich habe es ja auch sofort entdeckt. Und wenn er solche Probleme beim Auffinden hat, muss er nachfragen. Das Tier hat gelitten und das ist nicht in Ordnung .“ Morgen will Voss sich Helmut Becker bei der Jagdversammlung „vorknöpfen“. „Denn hier steht der Ruf der Waidmänner auf dem Spiel“, erklärt er.

Auch Martina Schlange kann nicht verstehen, dass der erfahrene und ortskundige Jäger den Hirsch nicht fand. „Warum hat er uns nicht noch einmal angerufen und nachgefragt? Wir hatten absichtlich unsere Telefonnummer hinterlassen“, schimpft die Tierfreundin. Die Anzeige gegen ihn bei der Polizei bewirke hoffentlich, dass so etwas Grausames nicht wieder passiert.

Carolin Riemer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Stadtmitte

Ein junger Mann ist am Mittwochabend am Leibnizplatz von einer Gruppe beleidigt, getreten und ausgeraubt worden. Die Polizei sucht nun nach Zeugen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Aktuelle Beiträge