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„Hummelnest“ endlich frei von Schimmel

Kandelin „Hummelnest“ endlich frei von Schimmel

Die Kandeliner Kita kann im November in ihr Domizil zurück – nach jetziger Planung

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Jens Leischner aus Marlow baut die Vorwand im Sanitärbereich. „In Vorbereitung für den Klempner“, erklärt er.

Kandelin. Ab November ist wieder mehr Platz für alle da – für die Kandeliner Grundschüler und deren Lehrer, den integrierten Hort und vor allem für die Knirpse der Kita „Hummelnest“, betrieben werden Hort und Kita vom Verein Familiensozialprojekt. Sie alle mussten Ende vergangenen Jahres zusammenrücken, da die neue Kita entkernt werden musste. 1,3 Millionen Euro hatte sich die Gemeinde Süderholz den Neubau kosten lassen. Zum Zeitpunkt der Havarie war die Kita erst sechs Monate alt.

OZ-Bild

Die Kandeliner Kita kann im November in ihr Domizil zurück – nach jetziger Planung

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Kleine Ursache, große Wirkung – ein Dichtungsring an einem Waschbecken tat nicht seine Arbeit, sodass das Abwasser nicht durch das Abflussrohr, sondern ungehindert in die Zwischenwand und den Fußboden floss. „Zu sehen war da nicht sofort etwas von, da das alles hinter der Vorbauwand passierte“, erklärt Bauamtsleiter Siegmund Kunath. Ob sich der Dichtungsring bereits seit Einbau oder erst später in Arbeitsverweigerung übte, könne nicht gesagt werden. „Auf alle Fälle muss das Wasser aber eine ganze Weile ungehindert neben das Abflussrohr geflossen sein“, ist sich Kunath aufgrund des immensen Schadens sicher. Erste Stockflecke wurden im Oktober im Sanitärbereich entdeckt.

Zunächst ging die Gemeinde von einem Schaden im Waschraum aus, ließ die Firma Zinn & Jahns anrücken, die den Fußboden dort aufstemmte. Trocknungsgeräte wurden aufgestellt, verschimmelte Holzbretter entfernt. Da auch Trockner in zwei Gruppenräumen positioniert werden mussten, blieb den Kita-Knirpsen und deren Erziehern nichts anderes übrig, als in den Hort auf dem benachbarten Schulgrundstück umzuziehen. Der Hort nutzte fortan Räume der Grundschule.

Mittlerweile gleicht die Kita „Hummelnest“ einem Rohbau – zumindest innen. Der Fußboden musste schließlich komplett entfernt werden. Fußbodenheizung, Dämmung, Estrich – nackt bis auf den Rohbeton.

Auch Holzverkleidungen an den Wänden mussten ausgetauscht werden. „Immer wieder wurden bei den Messungen Schimmelsporen nachgewiesen“, erzählt Kunath. „Aber wir wollten, und so hat es uns auch das Umweltlabor geraten, wirklich erst mit dem Wiederaufbau beginnen, wenn wirklich keine Sporen mehr nachgewiesen werden“, berichtet Kunath vom Anspruch der Gemeinde Süderholz.

Dennoch sorgte die Gemeinde vor, schrieb die anstehenden Arbeiten frühzeitig aus. „Dadurch kann jetzt schon mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden“, berichtet Süderholz’ Bürgermeister Alexander Benkert (CDU). Erst am Donnerstag der vergangenen Woche sei das Ergebnis der letzten Messung gekommen. Am Montag konnte Jens Leuschner aus Marlow, er betreibt die Firma Holz- und Bautenschutz, mit den ersten Arbeiten beginnen, montierte die Vorwände im Sanitärbereich, damit der Klempner Waschbecken, Toilettenbecken und Spülungen anbauen kann.

Monatelang wollten sich Benkert und Kunath nicht festlegen, wann das „Hummelnest“ wieder bezugsfertig ist. Jetzt wagen sie es: „Wir hoffen, dass die Arbeiten im Oktober abgeschlossen sind und die Kinder im November dann wieder einziehen können“, informiert Benkert. „Nach jetzigem Stand“, betont Kunath zusätzlich. Denn jeder, der schon einmal gebaut hat, wisse, dass durchaus auch einige Faktoren den Termin beeinflussen können, wie beispielsweise die Auftragslage der ausführenden Firmen. Auf alle Fälle freue man sich, „dass für alle Beteiligten – für Hort-, Kita- und Schulmitarbeiter – ein Ende der Einschränkungen absehbar ist“, wie Benkert sagt. Ihm sei bewusst, dass es Nerven gekostet hat. „Um so dankbarer bin ich, dass alle mitgemacht und durchgehalten haben“, sagt Benkert.

Wie viele Euros die Sanierung nun verschlingt, kann Kunath derzeit noch nicht sagen. Einzelne Ausschreibungen würden noch laufen. Hängen bleiben würde das aber auch nicht an der Gemeinde, sondern würde von der Gebäudeversicherung übernommen werden, erklärt Kunath. Diese sei sehr kooperativ.

Insgesamt sei der Fall „Hummelnest“ aber eine Erfahrung, die man nicht machen muss, sind sich Gemeindeoberhaupt Alexander Benkert und Bauamtsleiter Siegmund Kunath einig.

Der erste Geburtstag fiel aus

1,3 Millionen Euro ließ sich die Gemeinde Süderholz den Bau kosten.

835 000 Euro kamen vom Land Mecklenburg-Vorpommern als Fördermittel. Den Rest trug die Gemeinde selbst – größtenteils kreditfinanziert.

Im April 2014 erfolgte die Grundsteinlegung für die neue Kita „Hummelnest“ in Kandelin.

Am 2. Februar 2015 bezogen die Knirpse – Platz ist dort für 54 – ihr neues Domizil. Im April begann der Abriss des ehemaligen Hummelnestes gleich nebenan.

Anfang Mai erfolgte schließlich die offizielle Eröffnung mit großem Bahnhof.

Ende Oktober – acht Monate nach dem Einzug – wurden Stockflecken im Sanitärbereich entdeckt.

Anfang Dezember 2015 mussten die Mädchen und Jungen schließlich in ihr Notquartier, den benachbarten Hort, umziehen.

Anja Krüger

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