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Immer mehr Rostocker belügen die Polizei

Stadtmitte Immer mehr Rostocker belügen die Polizei

Die Zahl der vorgetäuschten Straftaten steigt / Die vermeintlichen Opfer üben damit selbst eine Straftat aus / Es drohen bis zu drei Jahren Gefängnis

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Polizisten sind damit beschäftigt, zu fahnden und Tatorte nach Spuren zu untersuchen. Dies nimmt viel wertvolle Zeit in Anspruch.“Yvonne Hanske, Polizei

Stadtmitte. Schwerer Raub, Fahrerflucht, Erpressung, Vergewaltigung: Immer mehr Lügner beschäftigen die Rostocker Polizei. Beamte müssen häufiger Fälle bearbeiten, die sich später als vorgetäuschte Straftaten herausstellen. Im schlimmsten Fall drohen eine hohe Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Gefängnis.

Bundesweit macht derzeit der Fall Gina-Lisa Lohfink Schlagzeilen. Die ehemalige Teilnehmerin der Fernsehshow „Germanys next Topmodel“ wurde wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie hatte zwei Männer beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Aber auch in Rostock ist ein ähnlicher Fall bekannt. Im Februar rief eine 20-Jährige die Polizei, weil sie auf der Hundertmännerbrücke vergewaltigt worden sei. Ermittlungen hätten schnell ergeben, dass die junge Frau nicht den Tatsachen entsprechende Angaben gemacht hatte.

„Nur selten ist etwas so, wie es zunächst scheint. Diese Erfahrung machen alle Polizisten“, teilt Rostocks Polizeisprecherin Yvonne Hanske mit. Die Zahl der vorgetäuschten Straftaten steigt in den vergangenen Jahren rapide an. 2014 waren es noch 23 angezeigte Fälle bei der Polizei, 2015 schon 37. „Diese Zahl wird in diesem Jahr nicht geringer ausfallen, so der aktuelle Trend“, erklärt die Sprecherin. Und jeder Fall wirbele Staub auf und setze eine Maschinerie in Gang. „Polizisten sind damit beschäftigt, zu fahnden und die Tatorte nach Spuren zu untersuchen. Dies nimmt jedoch zu viel wertvolle Zeit und Manpower in Anspruch“, sagt Hanske.

Auch im Kreis Rostock häufen sich die Fälle von vorgetäuschten Straftaten. Im Bereich der Polizeiinspektion Güstrow tauchen sie fast wöchentlich auf. 2013 und 2015 waren es jeweils 43, teilt Sprecherin Kristin Hartfil mit. In diesem Jahr liegt die Zahl bis August bereits bei 24. Nur vor zwei Jahren war ein Abwärtstrend von 31 Fällen zu beobachten.

Yvonne Hanske gibt zu bedenken: „Wer eine Straftat vortäuscht, übt selbst eine Straftat aus.“ Im Fall von Gina-Lisa Lohfink wurde eine Geldstrafe von 20000 Euro verhängt. Laut Paragraf 145d Strafgesetzbuch sind aber auch Gefängnisstrafen bis zu drei Jahren möglich.

Erst kürzlich konnten Rostocker Beamte zwei Fälle aufklären, die sich als vorgetäuschte Straftat entpuppt haben. „Die vermeintlichen Opfer hatten die Taten vorgetäuscht. Das wird für sie auch ein ,Nachspiel’ haben. Gegen beide wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet“, so Yvonne Hanske. Im ersten Fall hatte eine Passantin einen 35-Jährigen auf offener Straße mit Schnittverletzungen am Bein aufgefunden. „Der Mann hatte seine Verletzungen damit erklärt, dass er überfallen und dabei mit einem Messer verletzt worden war. Die Fahndung nach den beschriebenen drei Tätern verlief ergebnislos“, so die Sprecherin. Es konnte auch niemand gefunden werden, denn den Raubüberfall hat es nie gegeben. Widersprüche zwischen den Schilderungen des Verletzten und den Ermittlungen vor Ort hätten die Kriminalisten misstrauisch gemacht. Mit den Ungereimtheiten konfrontiert, gab der 35-Jährige dann zu, den Überfall erfunden und sich die Verletzungen selbst beigebracht zu haben.

Auch ein 15-jähriger Rostocker hat bei der Schilderung einer Erpressung offenbar gelogen. Der Vater des Jungen hatte eine Differenz in seinem Geldbeutel festgestellt. Der 15-Jährige erfand daraufhin eine Erpressungsgeschichte. „Auch er verstrickte sich später bei der Zeugenvernehmung in Widersprüche und gab letztendlich gegenüber der Ermittlerin zu, sich die Erpressung nur ausgedacht zu haben“, sagt Yvonne Hanske.

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren

Wer wider besseres Wissen einer Behörde oder einer zur Entgegennahme von Anzeigen zuständigen Stelle vortäuscht, dass eine rechtswidrige Tat, etwa ein Raub oder ein Diebstahl, begangen worden sei oder bevorstünde, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft. Ebenso wird bestraft, wer eine solche Stelle über die Person, die an einer rechtswidrigen Tat beteiligt war, zu täuschen sucht.

Mathias Otto

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