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Jugendgewalt: Stadt muss Polizei helfen

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Jugendgewalt: Stadt muss Polizei helfen

Streifen werden verstärkt / Polizei-Chef: Jugendliche sollen nicht nur in den Heimen betreut werden

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Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Als vor gut zwei Wochen 15 junge Migranten vor dem Kröpeliner-Tor-Center auf andere Jugendliche einprügelten, reagierte die Polizei sofort: Polizei- Chef Michael Ebert verstärkte die Streifen in der Hansestadt, forderte von der Bereitschaftspolizei zusätzliche Kräfte an. Seit Donnerstagabend ist nun klar: Das war offenbar noch nicht genug. Denn erneut sind junge Migranten und andere Jugendliche auf offener Straße in Rostock auf einander losgegangen. Dieses Mal am Doberaner Platz, mit Scherben und abgebrochenen Flaschen „bewaffnet“. Ebert fordert nach der Massenschlägerei mit rund 30 Beteiligten, dass auch andere Behörden und Institutionen das Thema endlich ernst nehmen sollen – allen voran die Hansestadt und ihre Partner.

OZ-Bild

Streifen werden verstärkt / Polizei-Chef: Jugendliche sollen nicht nur in den Heimen betreut werden

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Rostock habe es mit einer neuen Form der Jugendgewalt zu tun, sagt der oberste Polizist der Stadt. Jugendgruppen – darunter auffällig viele Migranten – tragen ihre Konflikte nicht mehr nur mit Worten aus. Seit Wochen beobachten die Ermittler diese Entwicklung genau. Auch am Donnerstag hatten sie die späteren Schläger bereits im Visier: „Gegen 18 Uhr hatten unsere Beamten mehrere Jugendliche im Bereich der Wallanlage und am Kröpeliner Tor kontrolliert“, sagt Ebert. Gegen etliche der jungen Leute wurden Platzverweise ausgesprochen – weil es zwischen den unterschiedlichen Gruppen bereits zu verbalen Streitigkeiten gekommen war. Gut eineinhalb Stunden später folgte dann trotzdem der Gewaltexzess am Doberaner Platz.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Gruppen telefonisch zur Schlägerei verabredet hatten“, so Ebert. Das deckt sich mit den Aussagen von Augenzeugen, die der OZ vorliegen: Etliche Jugendliche sollen bereits auf dem „Dobi“ gewartet haben. Als dann die zweite Gruppe aus einer einfahrenden Straßenbahn stieg, flogen sofort die Fäuste. Unter den Beteiligten sollen Syrer und Afghanen, Osteuropäer und auch deutsche Jugendliche sein. „Es geht dabei nicht um bestimmte Nationalitäten“, sagt Ebert. Von einem Konflikt „Migranten contra Deutsche“ könne keine Rede sein.

Dennoch: Massenschlägereien wie die am Donnerstagabend – unter den Augen von Pendlern, Familien und auch kleinen Kindern – will Rostocks Polizei mit allen Mitteln verhindern. Ebert kündigte bereits gestern an, die Polizeipräsenz erneut zu verstärken. Und: Eine neue Ermittlungsgruppe der Kripo soll die Jugendgruppen stärker als bisher beobachten, Kriminalität verhindern. „Wir wollen unter anderem an die Rädelsführer ran. An diejenigen, die diesen Konflikt anheizen“, so Ebert. Die Staatsanwaltschaft Rostock hat er bereits im Boot: „Wir haben darum gebeten, dass bei der Anklagebehörde ein Staatsanwalt benannt wird, der sich auch tagesaktuell um diese Fälle kümmert. Wir brauchen einen festen Ansprechpartner“, so Ebert. Denn die Justiz soll künftig ebenso so schnell wie die Polizei auf die Jugendgewalt reagieren. Abschreckung ist die Devise.

Und: Die Polizei fordert mehr Unterstützung von den zivilen Behörden – unter anderem von der Hansestadt Rostock: Viele der mutmaßlichen Täter würden aus anderen Kulturkreisen stammen, seien in Sachen Gewalt anders sozialisiert. „Wir brauchen Streetworker auf der Straße, die auf die Jugendlichen zugehen – geschulte Sozialpädagogen. Und wir brauchen auch die Träger der Einrichtungen, in denen diese Jugendlichen untergebracht sind.“ Einige der mutmaßlichen Täter sollen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sein, die in Obhut der Hansestadt in Heimen betreut werden. „Aber es reicht nicht, wenn eine Betreuung der Jugendlichen durch die Träger ausschließlich in den Unterkünften stattfindet“, so Ebert.

Der zuständige Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) ist derzeit im Urlaub, reagierte nicht auf eine OZ-Anfrage. Vize-Oberbürgermeister Chris Müller (SPD) versichert der Polizei aber bereits die Unterstützung der Stadt: „Gewalt, egal von welcher Seite, kann nicht toleriert werden! Damit jedoch Gewaltprävention gerade unter Jugendlichen Erfolg hat, müssen wir zunächst die Ergebnisse der Ermittlungen durch die zuständigen Strafverfolgungsbehörden abwarten. Nur wenn wir wissen, was die Ursache für die Gewalt war, durch wen Provokationen erfolgten und wie sich die Spirale der Gewalt entwickelt hat, können wir gemeinsam mit allen beteiligten Trägern der Jugendhilfe wirksame Maßnahmen festlegen.“

INTERNET: Zu einem Video zu der Massenschlägerei auf dem Doberaner Platz gelangen Sie, in dem

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Andreas Meyer

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