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Kirch Baggendorf bald ohne Sirene?

Kirch Baggendorf Kirch Baggendorf bald ohne Sirene?

Anlage auf seinem Dach stört den Gutshaus-Besitzer / Gemeinde gestattet Abbau, will dafür aber nicht zahlen

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Ohrenbetäubender Lärm unterm Dach: Dr. Peter Treppner, Besitzer des Gutshauses in Kirch Baggendorf, möchte, dass die Gemeinde ihre Sirene von seinem Dach abbaut und woanders installiert. Die Gemeinde gestattet den Abbau, wenn der Hausbesitzer dafür bezahlt.

Quelle: Peter Franke

Kirch Baggendorf. Wird Kirch Baggendorf bald seine Sirene los? Seit Jahrzehnten steht das bei Feuergefahr oder im Test-Modus lärmende Teil auf dem Dach des Gutshauses. Zum Ärger des jetzigen Hausbesitzers Dr. Peter Treppner. Der hatte gegenüber der Gemeinde den Wunsch nach Demontage der Sirene auf seinem Dach geäußert. Wenn die Sirene Alarm gebe, sei das „ein ohrenbetäubender Lärm. Vor allem, wenn man sich zu dem Zeitpunkt im Obergeschoss aufhält, bekommt man Kopfschmerzen“, sagte Peter Treppner der OZ. Im Zuge der Sanierung des direkt nebenan gelegenen Schwimmbades und des Baus eines Info-Points könne die Sirene doch auf letzterem Gebäude installiert werden, meint Treppner. Doch daraus wird wohl so einfach nichts.

Dass ich die Kosten des Abbaus übernehmen soll, ist absurd.“Dr. Peter Treppner, Gutshausbesitzer

Die Gemeindevertretung der Gemeinde Gransebieth, zu der Kirch Baggendorf gehört, hat in ihrer jüngsten Zusammenkunft entschieden, dem Wunsch Peter Treppners zu entsprechen. Allerdings werde die Gemeinde die Demontage der Sirene weder beauftragen noch finanzieren. Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der künftigen Alarmierung – vor allem der Bevölkerung – müsse zu gegebener Zeit erneut nachgedacht werden. Einzige Möglichkeit, die Sirene später neu zu installieren, sei wohl ein Mast. „Die Höhe des Info-Pointes ist nicht ausreichend, das bringt nichts“, erklärt Renate Kuck, Leiterin der Ordnungsbehörde des Amtes Recknitz-Trebeltal. „Die unmittelbare Nähe des hohen Gutshauses und des gegenüber liegenden Gebäudes unterbinden die Ausbreitung des Schalls enorm.“ Das Neuinstallieren der Sirene auf einem Mast könne allerdings 7000 Euro oder mehr verschlingen, hatte Bürgermeisterin Ute Lachmann die Gemeindevertreter informiert. Geld, dass die Gemeinde aber nicht habe. Die Anlage könnte also vorerst nicht wieder neu aufgebaut werden. Es gebe aber in Zukunft eventuell die Möglichkeit, Fördermittel dafür zu bekommen. Das Innenministerium habe ein Förderprogramm aufgelegt, um in großen Städten wieder Sirenen installieren zu lassen, war von Renate Kuck zu erfahren. Ob die Gemeinde Gransebieth davon etwas abbekäme, sei allerdings fraglich.

In Fachkreisen sieht man den zunehmenden Abbau der alten Sirenen-Anlagen durchaus kritisch, nicht zuletzt mit Blick auf die aktuelle Zivilschutz-Offensive der Bundesregierung . „Seit etwa zehn Jahren sind solche Anlagen keine Pflicht mehr“, weiß Markus Zimmermann, Fachdienstleiter Ordnung bei der Kreisverwaltung Vorpommern-Rügens. Die meisten Feuerwehren würden im Ernstfall inzwischen auf digitalem Weg alarmiert. „Wir möchten die Sirenen im Landkreis aber möglichst flächendeckend erhalten für den Katastrophenschutz.“ Insgesamt gebe es in Vorpommern-Rügen noch 127 fest installierte Sirenen. Völlig sirenenlos seien bereits die Städte Stralsund und Ribnitz-Damgarten. Dabei sei die altherkömmliche Art des Warnens der Bevölkerung, etwa bei Hochwasser oder Sturm, durch die Sirenen – neben anderen Medien – von großer Bedeutung. „So ganz ohne Sirene, das ist nicht der richtige Weg“, ist Zimmermann überzeugt.

Den „Zivilschutzeffekt“ der Sirenen betont auch Kreiswehrführer Gerd Scharmberg. „Es geht nicht nur darum, die Feuerwehr zu alarmieren, sondern auch darum, die Bevölkerung zu warnen – etwa beim Unfall eines Chemikalientransporters auf der Autobahn“, konstruiert Scharmberg ein Beispiel. Ohne Sirene falle diese Alarmierungsmöglichkeit der Bevölkerung weg. Sicher, Sirenen müssen regelmäßig gewartet werden. Aber: „Als Feuerwehrmann finde ich es bedenklich, wenn wegen ein paar lächerlichen Euro die Sirenen weggespart werden“, sagt Scharmberg. Zudem hätten diese Alarmeinrichtungen noch einen anderen Effekt: „Die Bevölkerung erfährt, wenn die Feuerwehr gefordert wird.“

Gutshausbesitzer Peter Treppner kann die alte Sirene nicht einfach von seinem Dach runtersägen. Sie ist schließlich Eigentum der Gemeinde und „muss fachgerecht demontiert werden“, weiß Amtsfrau Renate Kuck.

„Allgemeine Anliegen unterstütze ich sonst gern“, erklärt Dr. Peter Treppner. Er wolle auch nicht, das die Gemeinde diese Anlage und damit die Möglichkeit einer Gefahren-Alarmierung verliere, sagte er der OZ. „Aber dass ich die Kosten des Abbaus übernehmen soll, ist absurd“, meint Treppner. Er werde jetzt erstmal einen Kostenvoranschlag dafür machen lassen und dann neu überlegen.

Peter Franke

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