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Mehr Einsätze für Kriminaldauerdienst

Stralsund Mehr Einsätze für Kriminaldauerdienst

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Einsatz für den KDD 2015 in Binz: Ein Mann wurde tot aufgefunden. Niemand hatte ihn vermisst. Kriminalisten und Feuerwehrleute konnten nur im Schutzanzug und mit Maske die Wohnung betreten. Die Untersuchung ergab: Der Mieter ist eines natürlichen Todes gestorben.

Quelle: KDD

Stralsund. /Grimmen. Der Kriminaldauerdienst (KDD) in Stralsund hat sich seit seiner Gründung 2012 als „schnelle Eingreiftruppe“ bewährt: 1419 Einsätze stehen in der Statistik für 2015 — das sind 55 mehr als im Jahr zuvor. Das Kriminalisten-Team fährt bei Polizeiaktionen den so genannten ersten Angriff. Das heißt, die Beamten sichern Spuren am Tatort, führen erste Zeugenbefragungen durch und untersuchen des Umfeld. Das Gros der Delikte sind Einbrüche.

OZ-Bild

/Grimmen. Der Kriminaldauerdienst (KDD) in Stralsund hat sich seit seiner Gründung 2012 als „schnelle Eingreiftruppe“ bewährt: 1419 Einsätze stehen in der ...

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20 Männer und vier Frauen sorgen in vier Schichten täglich rund um die Uhr dafür, dass alles gesichert und begutachtet wird. „Wir entscheiden auch, ob ein Brandsachverständiger, ein Spezialist für Missbrauch oder auch das Jugendamt eingeschaltet werden müssen“, sagt Olaf Knöpken, Erster Polizeihauptkommissar und seit 2013 Leiter des KDD. Kriminaloberkommissar Mirko Bruhn ergänzt, dass man dabei sehr gut mit der Staatsanwaltschaft Stralsund und der Rechtsmedizin in Greifswald zusammenarbeite. „Auch mit der Schutzpolizei haben wir enge Kontakte. Durch eine schnelle Übernahme von Tatorten durch den KDD sollen künftig Kapazitäten für den Streifendienst freigesetzt werden“, sagt KDD-Leiter Knöpken.

120 Einsätze im Monat — dahinter verbergen sich Tatorte in ganz Vorpommern: Tatorte von Bränden, Einbrüchen, Sexualstraftaten, Körperverletzungen und Todesfällen. Versteht sich der Kriminaldauerdienst mit dem „ersten Angriff“ als Schnittstelle zur Kripo, die die Fälle dann weiter bearbeitet, läuft das bei Todesermittlungen anders: Der KDD hat im letzten Jahr 294 Todesermittlungsverfahren selbst eingeleitet und bearbeitet.

„Wir werden immer dann zu einem Toten gerufen, wenn der Arzt eine nicht natürliche Todesursache vermutet und dies auf dem Totenschein ankreuzt. Aus unserer Erfahrung können wir sagen, dass sich viele Ärzte nicht sicher sind, weil sie für eine ordnungsgemäße Leichenschau nicht geschult sind. Also sind wir gefragt und bringen die Untersuchung ins Rollen“, erklärt Kommissar Timo Tolksdorf. Der 45-Jährige ist wie Kollege Mirko Bruhn Kriminaltechniker. Einer von ihnen gehört in jeder Schicht zum Team. „Wir legen aufgrund unserer Untersuchung die Ermittlungsrichtung fest. In den meisten Fällen können wir nach unserem Einsatz am Tatort sagen: Hier liegt kein Verbrechen vor. Sind wir im Zweifel, wird eine Obduktion angeordnet. Das entscheidet aber keiner allein, hier gilt das Vier-Augen-Prinzip.“

Gerade bei den Todesermittlungen wird den Beamten einiges abverlangt. „Da kommt man schon auch an seine psychische Belastungsgrenze. Wir sind froh, dass wir mit Pastor Hanns-Peter Neumann einen erfahrenen und kompetenten Polizei-Seelsorger an der Seite haben“, sagt KDD-Chef Olaf Knöpken.

Dass der Kriminaldauerdienst aus der Polizeiarbeit nicht mehr wegzudenken ist, sieht auch das Land so und hat die insgesamt fünf Standorte in Mecklenburg-Vorpommern jetzt mit moderner Technik versorgt. „Mit den neuen Fahrzeugen VW T6 können die Ermittler auf ein gut ausgestattetes Fahrzeug für die Tatortarbeit zurückgreifen. Dem KDD sollen im Land insgesamt 16 Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Das ist pro Standort ein Auto mehr“, erklärte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) bei der Übergabe. Allradantrieb und höher gelegtes Fahrwerk sorgen dafür, dass auch der entlegenste Tatort erreicht werden kann. Es gibt einen Vernehmungsbereich — mit drehbarem Fahrer- und Beifahrersitz, Tisch und Sitzbank. „So können wir im Auto mit Opfern oder Zeugen von Straftaten sprechen. Der Computerarbeitsplatz bietet die Möglichkeit, alles gleich zu notieren“, sagt Kriminaltechniker Mirko Bruhn. Der 38-Jährige zeigt auch die neue Ausstattung im Heck. Im Regalsystem sind Spurensicherungsmaterialien, Schutzanzüge, Folien für Fingerabdrücke und das Zelt für eine wetterunabhängige Tatortarbeit verstaut. „Das neue Fahrzeug ist mehr auf die Anforderungen des KDD zugeschnitten. Da hat man mal auf unsere Anregungen gehört“, freut sich sein Kollege Timo Tolksdorf.

Mehr als 3400 Stunden Tatortarbeit im Jahr

24 Polizisten — 20 Männer und vier Frauen — arbeiten rund um die Uhr in vier Schichten beim Kriminaldauerdienst in Stralsund. Je Schicht gehen fünf Beamte, davon immer ein Kriminaltechniker sowie ein Schichtleiter, auf Suche nach der heißen Spur.

Zum KDD gehören auch zwei Fahnder. Die 26 Beamten sind in dem DDR-Bau in der Barther Straße untergebracht, der aber saniert werden soll.

5 Kriminaldauerdienste gibt es im Land: in Schwerin, Rostock, Neubrandenburg, Anklam und Stralsund. Für jeden Standort gab es jetzt einen neuen VW-Transporter. Mit dem starten die Polizisten zu ihren Einsätzen zwischen Darß und äußerster Rügenspitze.

230 000 Einwohner auf 3185 Quadratkilometern fallen in die Zuständigkeit des Stralsunder Kriminaldauerdienstes, der als eigenständige Abteilung im Kriminalkommissariat geführt wird. Der KDD arbeitet eng mit den Außenstellen der Kriminalkommissariate in Grimmen, Ribnitz, Barth, Bergen und Sassnitz zusammen. Unterstellt sind alle der Polizei-Inspektion Stralsund.

120 Tatorte nimmt der KDD durchschnittlich im Monat unter die Lupe. Dabei legen die Kriminalisten mehr als 3000 Kilometer zurück.

Insgesamt waren letztes Jahr über 1400 Fälle im Einsatzbuch notiert, die höchste Zahl seit Gründung des KDD im Jahr 2012. Hinter den Fällen stehen mehr als 3400 Stunden Tatortarbeit.

Von Ines Sommer

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