Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Messer-Attacke in Zug: Ermittler prüfen islamistischen Hintergrund

Heidingsfeld/Würzburg Messer-Attacke in Zug: Ermittler prüfen islamistischen Hintergrund

In der Nähe von Würzburg hat ein 17-Jähriger in einer Regionalbahn mehrere Reisende angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Der Täter wurde von der Polizei erschossen.

Heidingsfeld 49.7643503 9.9489103
Google Map of 49.7643503,9.9489103
Heidingsfeld Mehr Infos
Nächster Artikel
Feuer an der Kröpeliner Straße

Polizisten stehen bei Würzburg neben dem Regionalzug, in dem ein Reisende angegriffen und mehrere Menschen lebensgefährlich verletzt hat.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Heidingsfeld/Würzburg. Nach der Axt- und Messerattacke in einem Zug in Würzburg haben die Ermittler bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) bei dem 17-jährigen Angreifer einen Hinweis auf die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefunden. Bei der Durchsuchung seines Zimmers sei „eine handgemalte IS-Flagge gefunden worden“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Zudem gebe es Aussagen von Zeugen, dass er, kurz bevor er von der Polizei erschossen wurde, einen islamischen Ausruf gemacht habe. 

Bei dem Täter handelt es sich nach ersten Erkenntnissen um einen Flüchtling aus Afghanistan, der ohne Eltern nach Deutschland gekommen war. Der 17-Jährige war am Montagabend mit Axt und Messer auf Fahrgäste in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld losgegangen.

Opfer stammen aus Hongkong

Vier Menschen wurden nach Angaben der Behörden schwer verletzt, ein weiterer leicht. Zwei von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Die vier schwer verletzten Opfer waren Touristen aus Hongkong. Nach Angaben amtlicher Quellen handele sich um eine Familie, die aus dem Vater (62), der Mutter (58), einer Tochter (26) und deren Freund (30) bestand. Ein fünfter Mitreisender, der 17-jährige Sohn, sei unverletzt davon gekommen.

14 Menschen erlitten einen Schock. Der Angreifer wurde von der Polizei auf der Flucht erschossen.

Nach Angaben der Bundespolizei hatten etwa 25 bis 30 Menschen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg gesessen. Er war kurz vor dem Ziel, als der Angreifer losschlug. Als der Zug per Notbremse stoppte, sprang er aus dem Zug und flüchtete.

Polizei geht von Einzeltäter aus

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei, das zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe gewesen sei, habe die Verfolgung aufgenommen, berichtete Herrmann. Als der Jugendliche dann auch auf die Einsatzkräfte losgegangen sei, hätten diese das Feuer eröffnet. Der Angreifer wurde mit mehreren Schüssen getötet.

Die Polizei gehe von einem Einzeltäter aus, sagte Herrmann. Der 17-Jährige, der nach ersten Erkenntnissen als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen sei, habe seit einiger Zeit im Landkreis Würzburg gelebt, in einer Einrichtung in Ochsenfurt. Zuletzt habe er bei einer Pflegefamilie gewohnt.

Innenminister lobt Einsatz des SEK

Man wisse nicht, welche Pläne der Täter auf seiner Flucht noch verfolgt habe. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er noch weitere Menschen attackiert hätte. Deshalb sei es „gut und richtig“, dass die Polizei mit ihrem Vorgehen „weitere schreckliche Taten“ ausgeschlossen habe, sagte Herrmann.

Wegen des Polizeieinsatzes sperrte die Deutsche Bahn am Montagabend die Strecke zwischen Ochsenfurt und Würzburg. Auf die Frage nach weiteren Gefahren in der Region sagte Herrmann, er gehe davon aus, dass die Gefahr vorbei sei. Die Menschen in Bayern könnten Dienstagfrüh sicher Züge besteigen.

Der Fall erinnert an eine Messerattacke vor gut zwei Monaten in einer S-Bahn in Grafing nahe München, als ein Mann einen 56 Jahre alten Fahrgast getötet hatte. Drei weitere wurden teils lebensgefährlich verletzt. Der 27-jährige mutmaßliche Täter hatte nach seiner Festnahme wirre Angaben gemacht und war deswegen vorläufig in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Nach einer ersten Einschätzung war der Mann aus dem hessischen Grünberg bei Gießen schuldunfähig oder zumindest vermindert schuldfähig.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Aktuelle Beiträge