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Mit Taube und Rabe gegen Mobbing und Vorurteile

Greifswald Mit Taube und Rabe gegen Mobbing und Vorurteile

Polizei lässt von Greifswaldern Unterrichtsmaterial zum Thema Kriminalität erneuern

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Anne Wende, Mariya Karmazyna, Anna Schmitz, Maiken Albert, Joanna Schulz, Anna Gusenwski, Alina Sander und Aline Laaser (v.l.) haben das Lehrmaterial erarbeitert. Das Bild im Hintergrund von Anne Wende gehört zum Thema „Mobbing“.

Quelle: Kai Lachmann

Greifswald. Zwölf Jahre ist der Ordner nun schon alt und mehrere Kilogramm schwer. In ihm befinden sich hunderte Aufgabenzettel und -folien zu Themen wie „Sexueller Missbrauch“, „Diebstahl“ oder „Mobbing“. Er soll Lehrern helfen, Grundschüler auf anschauliche Weise über Kriminalität aufzuklären und sie davor zu schützen. Herausgeberin ist die Polizei.

Vier von fünf Schulen nutzen das Material regelmäßig.“ Anne Lindner,

Kriminalprävention

Doch die darin enthaltenen Zeichnungen sehen altbacken aus, mit dem Polylux arbeitet heutzutage auch kaum noch jemand, zudem sind neue Kriminalitätsphänomene hinzugekommen. Kurzum: Der Ordner musste mal überarbeitet werden. Dafür holte sich die Polizei von dort Hilfe, wo man sie nicht unbedingt als Erstes sucht: nämlich von den angehenden Kunstlehrern des Greifswalder Caspar-David- Friedrich-Instituts.

„Die Studenten haben Bilder und Comics gemalt, Illustrationen und Collagen erstellt“, berichtet Dozent Jo Zynda, der den Kurs geleitet hat. „Auf diese Weise lernten sie auch mit einer bestimmten Gestaltungssoftware umzugehen, die sie später gebrauchen können, etwa um Plakate anzufertigen.“

„Wir haben 86 Beiträge gesichtet“, sagt Anne Lindner, Sachbearbeiterin bei der Polizei im Bereich Kriminalprävention. Zusammen mit ihrem Kollegen Olaf Henzsch wählte sie 25 aus. „Am liebsten hätten wir alle genommen.“ Zum Dank bekamen die Studenten gestern Einkaufsgutscheine im Wert von je 100 Euro.

Ausgewählt wurde beispielsweise der Comic von Joanna Schulz, die gleich zwei aktuelle Themen in den Mittelpunkt rückt: Mobbing und Fremdenfeindlichkeit. „In meinem Comic erzählt ein bunter Tukan die Geschichte von einer weißen Taube, einem schwarzen Raben und einem kleinen Rotkehlchen“, erzählt sie. Taube und Rabe mögen weder einander noch andere Vogelarten. „Bis sie sehen, wie das Rotkehlchen massiv gemobbt wird und die Situation eskaliert“, so die 25-Jährige. „So greifen sie ein und verteidigen den kleinen Vogel.“ Taube und Rabe merken dabei, dass das Rotkehlchen ganz nett ist, spielen am Ende sogar mit ihm und überwinden so ihre Vorbehalte. „Von der Bildergeschichte lassen sich viele Aufgaben ableiten“, sagt Schulz. „Zum Beispiel können die Kinder überlegen, wie Vorurteile abgebaut werden können und sie dürfen selbst ein Ende finden.“

Auch Maiken Albert transportiert ihre Inhalte über Tiere. „Eine Aufgabe lautete, tauschen, schenken, leihen und stehlen in einem Bild darzustellen“, so die 20-Jährige. Sie malte eine Straßenszene, in der Hasen und Igel genau das tun. Kinder sollen künftig die Unterschiede erkennen und herausarbeiten.

Und wann genau? „Der neu gestaltete Ordner wird im Oktober dieses Jahres auf einer Elternversammlung vorgestellt“, kündigt der Polizeibeamte Henzsch an. „Im Anschluss soll es wie der Vorgänger in Schulen in ganz MV zum Einsatz kommen.“ Möglicherweise werden die Kunstlehrer also später ihre eigenen Werken im Unterricht behandeln. Wenn, ja wenn sich denn jemand entschließen könnte, nach der Ausbildung im Nordosten zu bleiben. Auf die Frage, wer denn nach dem Studium in MV arbeiten möchte, blieben alle Finger unten.

Kai Lachmann

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