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Mit bloßen Händen gegen den Keiler

Lübeck Mit bloßen Händen gegen den Keiler

Christoph Benett ist immer noch gezeichnet von dem kräfteraubenden Kampf mit dem schweren Keiler.

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Christoph Benett und Hündin „Hermine“ am Ort des Geschehens: Tief im Schilf des Schellbruchs hatte der Stadtjäger den vermeintlich toten Keiler entdeckt, als das Wildschwein zum Angriff überging.

Quelle: Peer Hellerling

Lübeck. Christoph Benett ist immer noch gezeichnet von dem kräfteraubenden Kampf mit dem schweren Keiler. „Ich habe blaue Flecken an den Oberschenkeln, Schürfwunden an den Händen und Muskelkater“, sagt der 42-jährige Stadtjäger. Seine Hündin „Hermine“ sei ebenfalls noch etwas durch den Wind. „Sie träumt etwas schlecht.“ Beide verdauen momentan noch die Eindrücke von Sonntagmorgen, als sie von dem Wildschwein im Israelsdorfer Schellbruch angegriffen wurden.

Diese Situation will ich kein zweites Mal erleben.“ Christoph Benett

Benett hielt in einem Garten Ausschau, direkt an der Kante zum Schilf. Am Übergang schauen häufig Wildschweine vorbei und wühlen den Rasen um. In der Regel müssen die Anwohner damit leben, immerhin beginnt an ihren Grundstücksgrenzen unmittelbar die freie Natur. Benett: „Wir sind schließlich nur Gast.“ Von seinem Posten aus sah er unter anderem eine Bache mit mehreren Frischlingen im Garten, die ließ der Stadtjäger ziehen. „Die Tiere haben im Schellbruch optimale Bedingungen“, sagt der 42-Jährige.

Um allerdings das Gesamtpaket Schellbruch erhalten zu können, „müssen wir dennoch mit großer Bedachtheit den Bestand regulieren“. Benett entdeckte dann morgens von seinem Posten aus den etwa einen bis eineinhalb Jahre alter Keiler, als er in den Garten kam. Der 42-Jährige schoss und traf das Wildschwein. Gegen 6 Uhr machte er sich gemeinsam mit Hündin „Hermine“ auf die Suche nach dem erlegten Tier, sie entdeckten den Keiler liegend tief im Schilf — vermeintlich tot.

„Plötzlich hat der Hund reagiert“, sagt Benett, „und wie aus dem Nichts kam der Keiler schon auf uns zu.“ Sie standen etwa zehn Meter entfernt, mit seinen kräftigen Hauern traf das Wildschwein „Hermine“ und schleuderte die Hündin zur Seite weg. Dank ihrer Teflon-Spezialweste blieb das fünfjährige Tier unverletzt. Benett versuchte noch zu schießen, „aber das war in dem Durcheinander sehr problematisch“.

So riss das 50 Kilogramm schwere Wildschwein den 42-Jährigen um, während des Sturzes verlor Benett Gewehr und Messer. „Alles geschah in Bruchteilen von Sekunden“, erinnert er sich. Mit den bloßen Händen versuchte der Stadtjäger irgendwie, das verletzte Tier abzuwehren. Seine „Hermine“ hatte sich inzwischen schon wieder berappelt und versuchte ebenfalls von hinten, den Keiler von ihrem Herrchen zu ziehen — so hat es die Jagdhündin in ihrer Ausbildung gelernt.

Nach langem Kampf gelang es dem 42-Jährigen dann, an sein Handy zu gelangen und auf die Notruf-Schnelltaste zu drücken. Die Polizei nahm Benetts Anruf entgegen, sofort fuhren zwei Beamte zum Privatgarten im Erlenkamp. „Sie waren wirklich innerhalb kürzester Zeit da“, sagt der Stadtjäger, „so langsam ließen auch meine Kräfte nach.“ Die Polizisten bahnten sich ihren Weg durch das matschige Schilf, die Beamtin zog „Hermine“ in Sicherheit und ihr Kollege erlegte den verletzten Keiler. „Durch einen gezielten Schuss wurde das Wildschwein getötet“, sagt Polizeisprecher Stefan Muhtz. „Diese Situation will ich kein zweites Mal erleben“, sagt Christoph Benett als Bilanz des Angriffs.

Dennoch will der Stadtjäger allen die Angst nehmen. „Niemand muss vor Wildschweinen Panik haben“, sagt der 42-Jährige. Jedoch — gerade jetzt mit Nachwuchs — sei ein gesunder Abstand ratsam.

Gleichzeitig freut sich Benett, dass seine „Hermine“ so tapfer reagiert hat. „Das hat uns noch mehr zusammengeschweißt.“

Von Peer Hellerling

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