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Mit einem Kuhfuß auf den Nachbarn eingeschlagen

Stralsund Mit einem Kuhfuß auf den Nachbarn eingeschlagen

Mit ihrem Job sorgen sie für Sicherheit und Ordnung in der Hansestadt / Hier geben Stralsunder Polizisten Einblick in ihre Arbeit

Stralsund. Da müsse schnell jemand kommen, hatte die Frau ins Telefon gerufen. Zwei Männer prügeln sich. Einer habe einen Kuhfuß in der Hand.

„Als die Kollegen an der Adresse ankamen, saß das 29-jährige Opfer zusammengekauert bei der Anruferin“, berichtet Dietmar Grotzky. Der Leiter des Polizeihauptreviers in Stralsund weiß, dass der Mann zahlreiche Verletzungen davongetragen hatte, so dass er später noch ins Krankenhaus musste. Von dem Kontrahenten, der mit einem etwa einen Meter langen Kuhfuß zugeschlagen haben soll, fehlte erst einmal jede Spur.

Die Geschichte, die der Verprügelte den Beamten dann berichtete, klang schauerlich. Er habe in seinem Bett gelegen und schon geschlafen, als er plötzlich lautes Gebrüll im Treppenhaus des Plattenbaus hörte und lautes Hämmern an seine Wohnungstür. Noch bevor er zur Tür eilen konnte, stand der Nachbar von oben schon in der Wohnung und schlug sofort wie von Sinnen mit dem Nageleisen zu.

Der Gepeinigte wollte flüchten. Doch das gestaltete sich schwierig. Der Wüterich war schnell und blieb prügelnd dran. „Es war wohl das Glück des Opfers, dass eine Nachbarin sich ein Herz fasste und den Verwundeten zu sich in die Wohnung zog“, sagt der Revierleiter.

Wo der Verdächtige wohnte, war bekannt. Dort fand man zwar nicht den Mann, aber die Tatwaffe. Der Schläger selbst wurde später am Grünhufer Bogen mit 1,88 Promille aufgegriffen. „Der

40-Jährige hatte einen Rucksack dabei, in dem sich auch ein Löffel und eine Spritze fanden – klassisches Drogenbesteck“, so Grotzky.

Die Wohnungstür des Opfers musste komplett erneuert werden. Selbst aus den massiven Betonstufen im Treppenhaus waren mit dem Kuhfuß ganze Stücke herausgeschlagen worden. Es folgten zwei Anzeigen wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung. Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende.

Etwas später am Tag ging auf dem Revier ein Anruf ein – von der bereits bekannten Adresse. Diesmal war jedoch der mutmaßliche Schläger am Telefon. „Der Verdächtige wollte seinerseits Anzeige erstatten“, erzählt Dietmar Grotzky.

Allerdings klang die Begründung ziemlich seltsam. Der Mann beschuldigte den 29-jährigen Nachbarn, ihn mit angeblichen Hochfrequenzwellen aus einem Stethoskop ganz krank im Kopf gemacht und damit seine Mutter und die Katzen beleidigt zu haben. Was folgte, klang jedoch wie bitterer Ernst. Wenn die Polizei den Mann mit dem Stethoskop nicht abholte, würde er ihn töten.

Das war dann aber auch für die eingesetzten Beamten allzu starker Tobak. Sie holten den Anrufer ab und brachten ihn ins Klinikum, wo er untersucht werden sollte. Dazu gab's eine weitere Anzeige – diesmal wegen Androhung von Straftaten.

Jörg Mattern

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