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NPD nutzt toten Hund für Hetze gegen Flüchtlinge

Stralsund NPD nutzt toten Hund für Hetze gegen Flüchtlinge

Der Raubüberfall auf einen Stralsunder war laut Polizei ausgedacht. Sein Tier wurde nicht bei einem Angriff, sondern bei einem Saufgelage erstochen

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So hetzte der NPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern auf der eigenen Homepage gegen Ausländer. Mittlerweile ist der Artikel von den Seiten-Betreibern gelöscht worden.

Quelle: oz

Stralsund. Der Raubüberfall auf einen Stralsunder, mit dem die rechtsextreme NPD im Internet Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht hatte, hat nie stattgefunden. Das ergaben jetzt Ermittlungen der Stralsunder Polizei. Die NPD hatte Mitte November im Netz das Bild eines toten Schäferhunds verbreitet. Dazu stellte sie die Geschichte, dass das Tier bei einem Überfall von drei Ausländern auf einen Stralsunder in Grünhufe abgestochen worden sein soll. Das Foto wurde in den sozialen Netzwerken etliche Male geteilt, verbunden mit Beschimpfungen gegenüber Asylbewerbern. Mittlerweile sind die Einträge gelöscht worden. Laut Polizeisprecherin Antje Unger hat sich das Geschehen dazu anders ereignet als dargestellt.

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Die Polizei geht dem Verdacht auf Vortäuschung einer Strafttat nach.

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Ein 33-jähriger Mann hatte am 17. November bei der Polizei angegeben, dass er am Abend zuvor in der Vogelsangstraße spazieren gewesen sei. Auf Höhe einer Bushaltestelle hätten ihn drei Männer in einer fremden Sprache angesprochen und seine Kleidung durchsucht. Er habe sich gewehrt und sein Hund habe einen Angreifer ins Bein gebissen. Daraufhin habe der Gebissene einem Messer auf den Hund eingestochen, der den dabei erlitteten Verletzungen erlag. Anschließend seien die Unbekannten ohne Beute in Richtung Lindencenter davongelaufen. Zu den vermeintlichen Angreifern hatte der Mann erklärt, dass sie zwischen 30 und 40 Jahre alt seien und in einer fremden Sprache gesprochen haben.

Wie sich jetzt herausstellt, ergaben Ermittlungen der Kriminalisten Zweifel an den Darstellungen. So wollte der Mann zunächst nicht sagen, wo er die Hündin begraben habe. Später tat er es doch. Die Polizei fand den Kadaver, ließ ihn von Veterinärmedizinern untersuchen. Nach OZ-Informationen ergaben Zeugenaufrufe einen wichtigen Hinweis. Ein Zeuge hatte um die fragliche Zeit in der Vogelsangstraße von einer Auseinandersetzung nichts bemerkt. Auch die Suche nach einen Mann, der sich wegen eines Hundebisses ärztlich behandeln lassen wollte, ergab keinen Treffer.

In einem Gespräch mit der Polizei habe der Mann schließlich eingeräumt, mit zwei weiteren Männern in seiner Wohnung Alkohol getrunken zu haben. Dabei sei er mit einem seiner Gäste in einen Streit geraten, der in einer Schlägerei endete. Die Hündin, die sich in der Wohnung befand, fing an zu bellen. Daraufhin habe sich der Kontrahent ein Messer vom Tisch gegriffen und nach dem Tier gestochen. Dann verließ er die Wohnung. Der andere Gast entfernte sich ebenfalls, während der 33-Jährige vergeblich versuchte, die Wunden der Hündin zu versorgen.

Als Grund für die falsche Anzeige habe der Hundebesitzer Angst angegeben. Das Geschehen habe er sich ausgedacht, weil er gegenüber Bekannten eine Erklärung zum Tod des Tieres brauchte.

Jetzt ermittelt die Polizei gegen den Mann, wegen Vortäuschung einer Straftat. Zum Tod der Hündin wird wegen Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ermittelt.

Der Tatverdächtige ist der Polizei bislang noch nicht bekannt, da der Hundebesitzer seinen Gast nicht kannte.

 



Mattern, Jörg

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So stellte die NPD den Überfall dar. Screenshot NPD-MV-Homepage, Stand 23. November

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