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Nach 31 Jahren die Polizeimütze an den Nagel gehängt

Stralsund Nach 31 Jahren die Polizeimütze an den Nagel gehängt

Mit ihrem Job sorgen sie für Sicherheit und Ordnung in der Hansestadt / Hier geben Stralsunder Polizisten Einblick in ihre Arbeit

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Polizeiobermeister Rainer Witt (60).

Quelle: Jörg Mattern

Stralsund. Gerne wäre Rainer Witt zur Wasserschutzpolizei gegangen. „Doch da kam man damals nicht so ohne weiteres hin“, sagt der heute 60-Jährige. Aber Polizeidienst, das konnte er sich trotzdem vorstellen. Der Grund dafür war ganz praktischer Natur. Nach Facharbeiter und Unteroffizier bei der Nationalen Volksarmee begann er als Kraftfahrer zu arbeiten. Dann wuchs die Familie um das dritte Kind, und das Geld als Lkw-Kutscher war dann einfach ein bisschen knapp. „Bei der Volkspolizei wurde besser bezahlt“, sagt der heutige Polizeiobermeister.

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Polizeigespräch

In seinem neuen Job musste Rainer Witt zunächst gut zu Fuß sein – Streife laufen gehörte damals einfach dazu. Das hat mich nicht gestört“, sagt er. „Im Gegenteil, ich hatte viel Kontakt zu den Leuten. Man kannte sich und der Respekt untereinander war anders als heute.“ Heute sieht er das Verhältnis des Bürgers zur Polizei differenzierter. Der Kontakt ist förmlicher, und Witt wird im Job auch schon mal beschimpft. „Doch das ist eher die Ausnahme“, versucht der Obermeister zu relativieren.

Mit der Zeit wurde im Revier an der Böttcherstraße das Streifelaufen zum Streifefahren. Zwei Toniwagen vom Typ Lada machten die Polizisten schneller. Im Rückblick scheint Rainer Witt der Arbeitsaufwand einst allerdings überschaubarer als heute zu sein. „Als Schutzpolizisten haben wir Streitigkeiten geschlichtet oder den Verkehr überwacht, für Straftaten oder für die Unfallaufnahme waren Spezialisten da.

Zur Wende gehörte Rainer Witt zu den Volkspolizisten, die in den Dienst der Landespolizei übernommen wurden. „Für mich ging damals beruflich alles noch einmal von vorne los“, sagt er. Es galt nicht nur ein neues Rechts- und Wertesystem zu verinnerlichen. „Ich habe Anfang der 90er-Jahre einen Lehrgang zur Verkehrsunfallaufnahme in Hamburg mitgemacht“, erzählt er und vergisst nicht zu erwähnen, dass er bei all den Umstellungen viel Hilfe erfahren hat. „Wenn wir Fragen hatten, war auch immer jemand da, der eine Antwort für uns hatte.“ Danach gehörte er zur Verkehrsüberwachungsgruppe der Polizei in Stralsund, bis diese nach der letzten Polizeireform nicht mehr gebraucht wurde.

Das Berufsleben mit Schichtdienst hat so manche Furche ins braungebrannte Gesicht des Polizeiobermeisters gezogen. „Man gewöhnt sich eigentlich nie an die Wechselschichten, aber man kann damit klar kommen“, so sein Fazit. Dennoch möchte er die Zeit im Polizeidienst nicht missen. „Die Kollegialität auf dem Revier ist groß“, sagt er. Das half immer dann, wenn Hürden zu überwinden waren. Dazu kommt: „Der Beruf ist vielfältig, kein Tag ist wie der andere.“

Ab heute jedoch werden die Tage für Rainer Witt anders aussehen. Nach 31 Dienstjahren hängt er die Polizeimütze an den Nagel und geht in Pension. Bange ist ihm nicht davor: „Es gibt auch ein Leben ohne Polizei“, ist er überzeugt. Auch wenn er damals nicht zur Wasserschutzpolizei genommen wurde. Die Liebe zum Wasser hat er sich bewahrt. Er hat ein kleines Boot, fährt gerne zum Angeln raus. Und dann sind da auch noch die Enkelkinder. Die jüngsten sind Zwillinge, sieben Monate alt. Die werden den Opa auf Trab halten.

Jörg Mattern

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