Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
Ohrfeige mit tödlichen Folgen

Stadtmitte Ohrfeige mit tödlichen Folgen

Manfred H. (65) aus Rostock wird vor dem Landgericht der Prozess gemacht.

Voriger Artikel
Leiche eines 22-jährigen Marokkaners im Hafen gefunden
Nächster Artikel
Feuerwehr bekommt Kleinbus

Der Angeklagte Manfred H. (65) mit seinem Verteidiger Detlef Horstmann vor Prozessbeginn.

Quelle: Katarina Sass

Stadtmitte. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge muss sich seit gestern ein 65-Jähriger vor dem Landgericht Rostock verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Manfred H. vor, im Mai 2013 im Rostocker Stadtteil Lütten Klein einen 84-jährigen Mann nach einer Auseinandersetzung eine Ohrfeige gegeben zu haben. Das Opfer fiel hin und starb wenige Tage später in einer Klinik an den Folgen eines Schädelbruchs.

Richter Goebels konfrontierte den Angeklagten, der vor Gericht gefasst wirkte, mit Zeugenaussagen und dem Polizei-Protokoll.

Manfred H. schildert den Tathergang wie folgt: Am 21. Mai 2013 sei er mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause gewesen. Es habe geregnet, er habe ein Basecap getragen. An einer Straßenbahnhaltestelle sei plötzlich ein Mann auf ihn zugekommen und habe ihm in den Lenker gegriffen. Ob er daraufhin gestürzt ist oder nicht, darüber machte er vor Gericht andere Angaben als unmittelbar nach der Tat bei der Polizei. Das spätere Opfer soll gegrinst haben. „Ich habe den Mann angeschrien, ob er verrückt geworden ist, und ihm sofort eine Ohrfeige verpasst“, erzählt Manfred H. Laut Polizeibericht soll der Mann nach dem Schlag „steif wie ein Brett“ umgefallen sein. So haben es auch mehrere Zeugen ausgesagt.

„Ich ging davon aus, dass nichts passiert ist.“

Anschließend sei er aufs Fahrrad gestiegen und weggefahren. Ein Mann habe ihm noch zugerufen: „Du Mörder, du hast ihn umgebracht.“ Das habe ihn in Panik versetzt, er sei wie verrückt geradelt. „Ich habe dann erst mal eine geraucht und bin nach 20 Minuten wieder zurückgefahren“, sagt Manfred H. Doch habe er niemanden mehr angetroffen, auch kein Blut gesehen. Ein Pärchen, das er befragte, will nichts Auffälliges bemerkt haben. „Ich ging davon aus, dass nichts weiter passiert ist.“ Als Polizisten ihn wenig später stellten und mit dem Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge konfrontierten, habe er geantwortet: „Kann nicht sein.“

Ob ihm denn nicht bewusst gewesen sei, dass er mit der Ohrfeige bereits eine Straftat begangen habe, wollte der Richter wissen. Manfred H. wusste darauf keine Antwort. Unklar blieb auch, warum der Angeklagte mit seinem Fahrrad dem ihm entgegenkommenden Mann nicht ausgewichen ist. „Sie müssen doch gesehen haben, dass er auf Sie zukommt“, so Goebels. Das verneinte der 65-Jährige jedoch.

Richter: H. hätte dem Opfer helfen müssen

Weitere Ungereimtheiten stellte der Richter bei der Schilderung des Tathergangs fest. So blieb offen, ob der Angeklagte gesehen hat, wie das spätere Opfer umgefallen ist. Wenn ja, wäre er es seine Pflicht gewesen, ihm zu helfen.

Auch nicht geklärt werden konnte, ob der Sturz des Opfers zu hören war. Zeugen hätten ausgesagt, dass sie erst ein Klatschen und dann eine Art Knall gehört hätten. Er habe nichts gehört, gab H. an.

„Ich war nur erschrocken und sauer.“ Mehrfach war die Rede von „Frustablassen“. Heute tue ihm die Tat sehr leid, sagte er. Das 84-jährige Opfer ist nach dem Eintreffen des Notdienstes auf die Intensivstation gebracht worden. Es starb zwei Tage später an den Folgen eines Schädelbruchs.

Die Verhandlung vor dem Landgericht Rostock geht heute weiter.

Körperverletzung

3 Jahre Haft — das ist die Mindeststrafe bei einer Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge. 15 Jahre sind das Maximum. Handelt es sich um einen minderschweren Fall, muss der Angeklagte laut Strafgesetzbuch mit
einer Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und zehn Jahren rechnen.
Auf Körperverletzung steht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Anders sieht es bei Totschlag aus. Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger zu einer Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren verurteilt. In besonders schweren Fällen wird eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verhängt.

 



Katarina Sass

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelle Beiträge