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Pärchen prügelt sich auf offener Straße

Grevesmühlen Pärchen prügelt sich auf offener Straße

Ein Beziehungsstreit in Grevesmühlen endet vor dem Amtsgericht Wismar / Richtig erinnern kann sich jedoch niemand mehr an die Tat

Grevesmühlen. /Wismar. Es ist der 10. Juni 2015: Der Angeklagte Max N. und seine Freundin Sandra L. streiten sich in Grevesmühlen auf offener Straße. Beide sind stark alkoholisiert. Die Auseinandersetzung eskaliert. Nachdem die 32-jährige Frau ihrem Partner das Mobiltelefon aus der Hand schlägt und dadurch beschädigt sowie dessen Wohnungsschlüssel wegwirft, greift dieser sie von hinten an. Sandra L. geht zu Boden. Bevor Schlimmeres passiert, schreitet Bruno M. ein, der den Streit von einem Supermarkt-Parkplatz aus mitbekommt. Als die Situation beruhigt zu sein scheint, nähert sich Max N. wieder seiner Freundin. Daraufhin ruft der Zeuge die Polizei. Die Beamten stellen bei der Geschädigten später blutige Unterarme und Verletzungen im Gesicht fest. Die Folge: Max N. wird wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Der 35-Jährige musste sich nun vor dem Amtsgericht in Wismar verantworten. Der Mann, der mittlerweile in Schönberg lebt, gestand den Angriff. „Nachdem sie mein Handy kaputt gemacht hat, ist mir der Kragen geplatzt. Ich habe ihr eine gehämmert. Das war nicht in Ordnung“, sagte N. Aber für die beschriebenen Verletzungen sei er nicht verantwortlich. Die blutigen Arme habe sich die Geschädigte selbst zugeführt, denn sie weise ein Borderline-Syndrom auf. Auch die Gesichtsverletzungen würden nicht aus der Auseinandersetzung stammen. Zudem beschuldigte er Sandra L., sie sei zuvor mit einer zerbrochenen Bierflasche auf ihn losgegangen. Er hätte sich nur wehren wollen.

Es blieben Zweifel, denn der Angeklagte hatte zur Tatzeit 1,68 Promille im Blut. „Ich habe mich an diesem Tag verleiten lassen, Schnaps zu trinken. Meine Erinnerungen sind auch etwas lückenhaft“, räumte der Gebäudereiniger ein. Zudem ist der Beschuldigte bereits mehrfach vorbestraft. Doch seit 2003 hätte es keine Einträge mehr gegeben.

Der Zeuge Bruno M. konnte die Aussagen des Angeklagten auch nicht bekräftigen. „Ob da eine zerbrochene Bierflasche im Spiel war, kann ich nicht sagen. Die Frau hat sich von ihm abgewendet und wollte gehen. Dann hat er vermutlich zugetreten, denn sie fiel ruckartig vorn über zu Boden.“ Daraufhin habe er sich entschieden, einzugreifen. Die zweite Zeugin Katja W., die das Geschehen durch ihr Fenster mitbekommen hatte, konnte den Tathergang auch nicht komplett wiedergeben. „Ich habe jemanden brüllen hören und kurz darauf eine weibliche Person blutüberströmt auf dem Spielplatz erkannt.

Doch was genau passiert war, habe ich nicht gesehen.“ Probleme mit dem Erinnerungsvermögen hatte auch die Geschädigte. Sie hatte zum Tatzeitpunkt 2,1 Promille. Sie räumte ein, auf ihren Freund losgegangen zu sein. Ob sie dabei eine Bierflasche in der Hand hatte, wusste sie nicht mehr. Sie sei wütend gewesen, wie sie sagte. „Weil er Schnaps getrunken hatte.“ Später gab Sandra L. auch zu, sich selbst an den Armen verletzt zu haben. Die Verletzungen im Gesicht seien auch nicht im Streit entstanden.

Richter Hinrich Dimpker konnte mehrfach nur mit dem Kopf schütteln. Auch zum Schluss, als Angeklagter und Geschädigte als Paar den Verhandlungssaal verließen. Dimpker beließ es bei einem Verwarngeld von 15 Tagessätzen zu je 30 Euro auf Bewährung.

dh

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