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Prerower unterstützen Rettungseinsatz im Mittelmeer

Prerow Prerower unterstützen Rettungseinsatz im Mittelmeer

Zwischen der türkischen Küste und der griechischen Insel Lesbos helfen Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft bei der Bergung von Flüchtlingen

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Ab 30. April wird Christian Hoschek von der DLRG-Ortsgruppe Prerow den Rettungseinsatz in Griechenland unterstützen.

Quelle: Robert Niemeyer

Prerow. Täglich spielen sich in der Ägäis zwischen türkischer und griechischer Küste Dramen ab. Täglich versuchen Hunderte Flüchtlinge die griechische Insel Lesbos zu erreichen. Viele sterben dabei. Die Bilder und Nachrichten, die Deutschland erreichen, bilden nur einen Bruchteil dessen ab, was tatsächlich in dem Abschnitt des Mittelmeeres geschieht. Von überforderten Hilfskräften war zuletzt häufig zu lesen, so überfordert, dass die griechischen Einsatzkräfte nun Ende 2015 um internationale Unterstützung gebeten haben. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) haben darauf reagiert und schicken jetzt ehrenamtliche Helfer nach Südeuropa. Unter ihnen vier Rettungsschwimmer der DLRG-Ortsgruppe Prerow.

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Ab 30. April wird Christian Hoschek von der DLRG-Ortsgruppe Prerow den Rettungseinsatz in Griechenland unterstützen.

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„Man macht sich schon so seine Gedanken. Aber nichts tun ist keine Option“, sagt Christian Hoschek, technischer Leiter der Prerower Ortsgruppe. Er hat sich, wie auch sein Vater Gerd Hoschek, Anke Tuschhoff und Carsten Rosenberg, freiwillig für die Rettungsmission gemeldet. „Wenn ich etwas tun kann, auch wenn es vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, dann will ich es tun“, so Christian Hoschek.

Vier bis sechs Monate soll der Einsatz laut DGzRS dauern. Zwei Wochen wird jeder Freiwillige auf der griechischen Insel eingesetzt. Der eigentlich ausrangierte Seenotrettungskreuzer „Minden“ wurde dafür flott gemacht und nach Griechenland verschifft. Am Montag erreichte die „Minden“ Mytilini, die Hauptstadt der Insel Lesbos.

Theoretisch und praktisch sind die Lebensretter — aus der gesamten Bundesrepublik haben sich Freiwillige gemeldet — bestens ausgebildet, inklusive eines speziellen Lehrgangs für Auslandseinsätze und psychologischer Schulung. Klar ist aber auch: „Wir können eventuell nicht alle lebend retten. Darauf kann man Menschen nicht vorbereiten“, sagt Christian Hoschek.

Dem Hilferuf der für den griechischen Seenotrettungsdienst zuständigen Hellenic Coast Guard und der Freiwilligen-Organisation Hellenic Rescue Team sind auch andere nordeuropäische Seenotrettungsgesellschaften gefolgt. Schweden und Norweger sind beispielsweise bereits vor Ort.

Zwölf Stunden dauert die Schicht der deutschen Einsatzkräfte pro Tag, immer in Zweierteams auf dem Rettungskreuzer, der im Hafen von Mytilini ankert und bei Alarmierung ausrückt, was häufig der Fall sein dürfte. Allein seit Anfang Januar sollen mehr als 30000 Menschen auf Lesbos angekommen sein. Im Januar 2015 waren es gerade einmal 720.

Die politische Debatte in der Flüchtlingsfrage spiele für Christian Hoschek nur eine Nebenrolle. Er verfolge die Nachrichten und tausche sich auch mit seinen Mitstreitern darüber aus. Aber für ihn stehen die Menschen im Vordergrund. „Ich möchte einfach nicht, dass sie ertrinken.“

Zum Einsatz der Deutschen gehört aber nicht nur die Rettung von Menschenleben. Entsprechend mit Material ausgestattet sollen auch die griechischen Einsatzkräfte geschult werden, deshalb auch das Motto der Mission: „Retter helfen Rettern“.

In diesen Tagen werden die ersten Deutschen Griechenland erreichen. Christian Hoschek ist ab 30. April für zwei Wochen vor Ort. Hoschek, der heute 31 wird, dankt vor allem seiner Familie und seinem Arbeitgeber für das Verständnis. Er habe Sonderurlaub bekommen — Hoschek arbeitet im Rostocker Seehafen als Elektroingenieur. „Meine Frau musste zwei Nächte drüber schlafen. Aber sie versteht, dass ich das möchte.“ Täglicher Kontakt, auch um sich mal etwas von der Seele reden zu können, sei dann notwendig. Seine Frau hofft natürlich, dass ihr Mann wieder gesund nach Hause kommt.

Schließlich erwarten beide im August ihr erstes gemeinsames Kind.

DGzRS hofft auf Spenden

Der ehemalige deutsche Seenotrettungskreuzer „Minden“ ist das Einsatzschiff der DGzRS in Griechenland, gefahren von sechs Seenotrettern der DGzRS, die sich freiwillig gemeldet haben. Zwei Rettungsschwimmer der DLRG ergänzen jeweils den Einsatz.

Die DGzRS hatte die ehemals in List auf Sylt stationierte „Minden“ Anfang 2014 außer Dienst gestellt und an einen Privatmann verkauft. Dieser stellt das Schiff nun für den Ägäis-Einsatz unentgeltlich zur Verfügung.

Um den griechischen Seenotrettungsdienst langfristig zu stärken, hat die DGzRS außerdem auf einer finnischen Werft zwei 8,5 Meter lange Neubauten in Auftrag gegeben. Sie werden voraussichtlich im Verlauf des Sommers die „Minden“ in Griechenland ablösen und sind für die speziellen Rettungsaufgaben in diesem Seegebiet besonders geeignet. Ihre Anschaffung wird durch projektbezogene Spenden ermöglicht.

Daneben werden laufende Kosten für Seenotretter, Brennstoff und Logistik entstehen. Die DGzRS ist jedoch sehr zuversichtlich, diese Kosten in den kommenden Wochen und Monaten ebenfalls über Projektspenden decken zu können.

Das Sonderkonto bei der Commerzbank Bremen: Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

IBAN DE30 2908 0010 0100 2338 01

BIC DRESDEFF290



Robert Niemeyer

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