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Rechter Angriff auf Bus: Opfer kritisiert Polizei

Stadtmitte Rechter Angriff auf Bus: Opfer kritisiert Polizei

Mareike Jane Eckhard hatte große Ängste in ihrem Kleinbus ausgestanden, als sie am Stadthafen übernachten wollte.

Stadtmitte. Rechte Parolen, Sachbeschädigung, Bedrohung: Was Mareike Jane Eckhardt (33) am 18. Juni im Stadthafen passierte, lässt ihr keine Ruhe. Ihr VW-Bus wurde von Rechtsgesinnten angegriffen, während sie darin schlief. Angstzustände habe sie gehabt und wie erstarrt auf ihrer Pritsche gelegen. Einen Vorwurf macht sie nun der Polizei, die schlecht mit der akuten Bedrohung umgegangen sei.

 

OZ-Bild

Es gab keine Hinweise auf das Vor- liegen irgend- einer strafba- ren Handlung.“Dörte Lembke, Polizei Rostock

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Sie hatte sich auf diesen Tag gefreut, weil ihr Freund mit seiner Band einen Auftritt im „Ursprung“ hatte. Abgestellt hatte sie den Transporter nach dem Auftritt auf dem Wohnmobilstellplatz am Stadthafen. „Gegen 2.30 Uhr wurde ich wach. Draußen war lautes Gegröle von sechs bis sieben betrunkenen Männern zu hören. Rauszugucken hatte ich mich nicht getraut. In sächsischem Dialekt haben sie das Lied der Deutschen angestimmt“, schildert sie ihre Erinnerung dieser Nacht. Die Männer hätten anschließend „White Power“ – ein oft verwendeter Schlüsselbegriff in der Neonaziszene – gerufen.

Anschließend habe sie vernommen, dass die Betrunkenen ihren „Hippie-Bus“ in der Warnow versenken wollten. Danach folgten metallische Geräusche, als wenn Gegenstände gegen die Heckklappe geflogen sind. Mit leiser Stimme habe sie der Polizei die Situation geschildert. Fast 30 Minuten später sollen zwei Beamte am Stadthafen eingetroffen sein. „Erst dann bin ich aus dem Bus gestiegen und habe die Polizisten auf die geworfenen Stühle und Tische hingewiesen. Das alles hat die Beamten nicht besonders interessiert. Sie ließen sich meinen Ausweis nicht zeigen, nahmen keine Aussage von mir auf“, beschreibt sie. Da die Männer im angetrunkenen Zustand nicht mehr fahren konnten, wurde Mareike Jane Eckhardt von den Polizisten gebeten wegzufahren.

Torsten Sohn, Sprecher des Bündnisses „Rostock nazifrei“, ist enttäuscht über das Verhalten der Polizei. „Wenn es so stimmt, wie geschildert, hat die Polizei ein fragwürdiges Verhalten gezeigt und ihren Job nicht richtig gemacht. Dem Opfer wurde nicht zur Seite gestanden und der Sachverhalt nicht gründlich genug aufgenommen“, mahnt er an. „Die Frage bleibt: Welches Signal sendet die Tourismusstadt damit aus – vor allem in der Urlaubszeit und kurz bevor die Hanse Sail startet?“

Die Polizei wehrt sich gegen die Vorwürfe. Es seien deshalb so viele Minuten bis zum Eintreffen verstrichen, da sich niemand bemerkbar gemacht habe. Erst nach 20 Minuten hätten die Beamten den Bus entdeckt. „Das Fahrzeug der Hinweisgeberin wies keine Beschädigungen auf, des Weiteren gab es keine Hinweise auf das Vorliegen irgendeiner strafbaren Handlung, weder eine Sachbeschädigung noch eine Bedrohung der Anruferin lagen in diesem Fall vor“, teilt Polizeisprecherin Dörte Lembke mit. Die Frau sollte noch in dieser Nacht den Stadthafen verlassen. „Diese Maßnahme stellte in dieser Situation das mildeste Mittel dar und war für alle Beteiligten nach unserer Einschätzung geeignet und auch angemessen“, so Dörte Lembke. Trotz Aussagen der Polizei fühlt sich Mareike Jane Eckhardt im Stich gelassen: „Ich fuhr los mit der Gewissheit, dass die Polizei in dieser Nacht an diesem Ort kläglich versagt hat.“

Mathias Otto

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