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„Reichsbürger“ besprüht Polizisten mit Reizgas

Greifswald „Reichsbürger“ besprüht Polizisten mit Reizgas

29-Jähriger attackiert bei einer Verkehrskontrolle Beamte mit Reizgas / Auch die Mutter und der ältere Bruder greifen die Polizisten tätlich an

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Ein Reisepass der sogenannten Reichsbürger.

Quelle: Patrick Seeger/dpa

Greifswald. Erstmals haben sogenannte Reichsbürger aus Greifswald Polizeibeamte verletzt. Bei einer Verkehrskontrolle am Dienstagnachmittag um 15.20 Uhr in der Ostrowskistraße haben eine 64-Jährige und ihre beiden Söhne (29 und 34 Jahre alt) zwei Polizisten körperlich angegriffen und ihnen Reizgas in die Augen gesprüht. Wie das Polizeipräsidium in Neubrandenburg mitteilte, sollte das Fahrzeug der Drei, ein Opel Corsa, wegen einer vorangegangenen Verkehrsordnungswidrigkeit kontrolliert werden. Am Steuer saß der 29-Jährige. Während der Überprüfung stellten die beiden eingesetzten Polizeibeamten fest, dass der Mann dem Staatsschutz als sogenannter Reichsbürger bekannt ist und gegen ihn ein Haftbefehl des Amtsgerichtes Greifswald vorlag. Als ihn die Beamten damit konfrontierten, ergriff der Mann die Flucht, konnte jedoch nach wenigen Metern durch einen Polizisten ergriffen werden. „Der Beschuldigte leistete aktiv und vehement Widerstand, sodass der Beamte gegen ihn Reizgas einsetzen musste“, sagt Nicole Buchfink, Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg. Der 34-Jährige versuchte daraufhin, ebenfalls unter Anwendung von Gewalt, den Bruder zu befreien. Dies konnte durch den zweiten eingesetzten Polizeibeamten verhindert werden, allerdings auch nur mithilfe von Reizgas.

Während die Männer immer weiter die Polizisten attackierten, holte die Mutter aus dem abgestellten Fahrzeug ein großes Reizgassprühgerät und zielte damit ins Gesicht des Beamten, der den 29-Jährigen versuchte zu fixieren. Daraufhin konnte sich der Beschuldigte befreien, nahm seiner Mutter das Reizgas ab und richtete es noch einmal gegen den Beamten. Anschließend flüchtete er. Der älterer Sohn konnte bis zum Eintreffen der Polizeiverstärkung fixiert werden.

Die 64-Jährige wurde vorläufig festgenommen. Gegen sie lag ein Haftbefehl zur Vollstreckung einer Ersatzfreiheitsstrafe vor. Nachdem die verhängte Geldstrafe am Abend beglichen worden war, wurde sie freigelassen. Bei dem 34-Jährigen wurden verschiedene Betäubungsmittel gefunden und Anzeige nach dem Betäubungsmittelgesetz erstattet. Der Beschuldigte musste aufgrund des Reizgaseinsatzes durch die Polizei ärztlich versorgt werden.

Die beiden 25 und 27 Jahre alten Polizeibeamten wurden durch den Einsatz des Reizgases leicht verletzt, der jüngere auch ärztlich versorgt. Beide Beamte konnten jedoch ihren Dienst fortsetzen.

Nach dem 29-jährigen Beschuldigten wurde gefahndet. Auch ein Fährtenhund kam zum Einsatz. Der Mann ist nach wie vor untergetaucht. Nach ihm wird gesucht. Gegen alle drei Greifswalder wurden Anzeigen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung erstattet.

Nach Aussage des Staatsschutzes der Kriminalpolizeiinspektion Anklam kann bisher nur der 29-Jährige hundertprozentig den sogenannten Reichsbürgern zugeordnet werden. Ob Bruder und Mutter ebenfalls dieser staatsfeindlichen Bewegung angehören, wird noch überprüft.

Für Eric Wallis, Leiter des Regionalzentrums für demokratische Kultur Vorpommern-Greifswald, ist die körperliche Gewalt gegenüber Polizisten durch Reichsbürger eine neue Dimension, die man hinterfragen muss. „Ich sehe diese Entwicklung mit Sorge“, betont er.

„Königreich Deutschland“

Reichsbürger geben vor zu glauben, noch im Deutschen Reich in den Grenzen von 1937 zu leben. Das befinde sich noch im Kriegszustand und ist

seit 1945 von den Alliierten besetzt. Die Bundesrepublik sei dagegen eine Firma („BRD GmbH“).

Ihre Anhänger haben sich zu Organisationen wie „Königreich Deutschland“ zusammengeschlossen. Sie stellen eigene Ausweise aus und erkennen den Staat nicht an, viele äußern sich

antisemitisch und rechtsextrem.

Cornelia Meerkatz

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