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Rettungskräfte mit Böllern beworfen

Ribnitz-Damgarten Rettungskräfte mit Böllern beworfen

Angriffe auf Einsatzkräfte deutlich gestiegen / Polizei sucht Zeugen für Vorfall in Danziger Straße

Ribnitz-Damgarten. Angriff auf Rettungskräfte: In Ribnitz sind zwei Sanitäter und ein Notarzt bei einem Einsatz am Sonntagabend mit Feuerwerkskörpern beworfen worden. Wie die Polizei mitteilte, fuhren Rettungs- und Notarztwagen gegen 19 Uhr zu einem Patienten in der Danziger Straße. Als sie das Wohnhaus betreten wollten, wurden sie aus einem Fenster mit Böllern beworfen. Laut Polizei verhinderte nur ein Baum, dass die Sanitäter und der Notarzt durch die Feuerwerkskörper getroffen wurden. Um weitere Angriffe auf sich zu verhindern, riefen die Rettungskräfte die Polizei zur Hilfe.

Angriffe sind keine Seltenheit

Die herbeigeeilten Beamten fanden unter dem Baum noch Reste von „Comet-Böllern“. Nach Angaben eines Rettungssanitäters wurden die Feuerwerkskörper aus einem Fenster im dritten Stock geworfen. In der Wohnung hielt sich ein 18-jähriger Mann auf, der laut Polizei aber bestritt, Feuerwerkskörper geworfen zu haben. Die Beamten fanden auch keine Hinweise in den Räumen. Die Polizei bittet nun mögliche Zeugen, sich zu melden.Angriffe auf Einsatzkräfte sind inzwischen keine Seltenheit mehr. „Wir haben in den letzten drei Jahren im gesamten Bereich der Polizeiinspektion Stralsund eine deutlich steigende Zahl bei den Angriffen auf Rettungskräfte wie Polizei, Feuerwehr, Rettungssanitäter oder Ärzte zu verzeichnen“, sagt Ilka Pflüger, Sprecherin der zuständigen Polizeiinspektion Stralsund. Genaue Zahlen wollte sie noch nicht nennen, aber man bewege sich im dreistelligen Bereich.

Auch in der Danziger Straße in Ribnitz gibt es immer wieder Probleme, sagen Anwohner. Eine Frau, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, geht täglich mehrere Male mit ihrem Hund hier spazieren. Sie berichtet: „Ich war gerade mit einer Bekannten zusammen und wir haben einen lauten Knall gehört und uns noch gewundert, was das war.“ Erst später hätte sie erfahren, was passiert war.

„So etwas ist unmöglich. Man kann doch den Notarzt nicht mit Böllern bewerfen. Seit mehr als 20 Jahren lebe ich hier. Es war früher eine richtige Gemeinschaft“, erinnert sie sich zurück. Seit einiger Zeit sei das anders: „Man sieht nur noch Polizei, Krankenwagen oder Leichenwagen“, so ihre drastischen Worte.

Es knallt täglich Was sie damit meint, lässt sich an dem Block von außen erahnen. Vor der Danziger Straße 8, wo die Feuerwerkskörper aus einem Fenster flogen, türmen sich trotz Verbotsschildern des Vermieters Berge von Sperrmüll neben den Mülltonnen. Beide Türen des Hausaufgangs stehen für jedermann offen. Die Hintertür hat eine gesplitterte Glasscheibe.

Umherfliegende Böller, das bestätigen einige ältere Anwohner in der benachbarten Minsker Straße, seien auch außerhalb von Silvester keine Seltenheit. „Eigentlich knallt es hier jeden Abend. Mich hebt es manchmal fast aus dem Sessel, so laut ist das“, ärgert sich ein Rentner, der seit vielen Jahrzehnten in seinem Block lebt. Auch seine Nachbarin, die bereits seit 1979 dort wohnt, spricht von einem „sozialen Brennpunkt“. Vieles sei dort früher anders gewesen. Heute würden die Kinder weder grüßen noch hören.

Der am Sonntag nach Ribnitz gerufene Krankenwagen gehört zum Eigenbetrieb Rettungsdienst des Kreises Vorpommern-Rügen. Szenen wie die vom Sonntagabend in Ribnitz-Damgarten kämen normalerweise nicht vor, sagt Olaf Manzke, Sprecher im Landkreis Vorpommern-Rügen, gestern auf OZ-Anfrage. „Glücklicherweise gibt es sonst keine Angriffe. Unser Rettungsdienst hat sich in der Situation auch nicht gezielt bedroht gefühlt. Sie sagen, es hätte auch andere treffen können“, betont der Kreissprecher.

Zeugen gesucht:

Hinweise werden im Polizeirevier Ribnitz-Damgarten unter ☎ 03821-8750 entgegengenommen.

Virginie Wolfram und Michaela Krohn

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