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Ribnitzer Polizeichef als Berater in Afghanistan im Einsatz

Ribnitz-Damgarten/Masar-i-Sharif Ribnitzer Polizeichef als Berater in Afghanistan im Einsatz

Revierleiter Marco Stoll (49) ist zwei Monate lang in Masar-i-Sharif / Dort gab es am 10. November einen Anschlag auf das Deutsche Generalkonsulat

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Als Polizeiberater im Ausland: der Ribnitz-Damgartener Revierleiter Marco Stoll (49) am Funkstreifenwagen der afghanischen Polizei.

Quelle: Foto: Privat

Ribnitz-Damgarten/Masar-i-Sharif. Polizeidienst im Ausland: Der Ribnitz-Damgartener Polizeirevierleiter Marco Stoll ist für zwei Monate im besonderen Einsatz in Masar-i-Sharif, der viertgrößten Stadt Afghanistans. Der 49-Jährige arbeitet seit November vergangenen Jahres als Polizeiberater bei einem bilateralen deutsch-afghanischen Polizeiprojekt.

„Fernab der Heimat, in einem anderen kulturellen Umfeld zu arbeiten, ist für mich eine persönliche Herausforderung. Hier bietet sich die Möglichkeit, am Aufbau polizeilicher Strukturen mitzuarbeiten.

Es ist ein gutes Gefühl, Menschen zu helfen“, sagt Stoll im OZ-Interview. Die Afghanen wollen eine moderne Polizei aufbauen, deutsche Beamte sollen dabei helfen. Ein sehr langwieriger Prozess, sagt der Rostocker. „Die Probleme durch den jahrzehntelangen Bürgerkrieg können nicht über Nacht behoben werden. Aber wir dürfen die Leute nicht alleinlassen, denn wenn in Afghanistan kein einigermaßen sicheres Leben möglich ist, werden die Leute gehen . . .“, betont er.

Wie gefährlich so ein Einsatz in Masar-i-Sharif sein kann, musste Stoll bereits in den ersten Tagen feststellen. Am 10. November 2016 gab es in der Stadt einen Anschlag auf das Deutsche Generalkonsulat. Die traurige Bilanz: sechs Tote, Hunderte Verletzte. Marco Stoll beschreibt die Tage danach als die eindrücklichste Zeit seiner Mission. „Polizeiarbeit, wie wir sie in Deutschland kennen, ist hier erst in Grundzügen möglich. Die Bewaffnung der Kollegen mit Kalaschnikows zeigt, dass auch im eigentlich ruhigen Norden noch mit Anschlägen zu rechnen ist.“ Einen Feierabend gebe es dort nicht, die Polizei sei in ständiger Bereitschaft. Deutsche Polizisten genießen am Hindukusch einen guten Ruf, hat er festgestellt.

Der Familienvater war bereits 2014 für ein Jahr in Kabul. Es sind vor allem die Menschen, die ihn faszinieren. „Man kann vielen Afghanen die schwere Zeit aus den Gesichtern lesen. Trotz der oft bitteren Armut tragen die Leute ihr Schicksal hier mit Würde“, sagt der 49-Jährige. Die Fähigkeit, mit den härtesten Umständen umzugehen, habe ihn tief beeindruckt. Legendär sei die afghanische Gastfreundlichkeit.

Diese Erfahrungen verändern die Sicht auf Probleme zu Hause. So manche „Aufgeregtheit“ sehe er in anderem Licht. „Wir sollten uns an die Vorzüge unserer Heimat erinnern. Beispielsweise sind eine intakte Umwelt mit sauberer Luft und Trinkwasser für alle keineswegs selbstverständlich.“ In diesen Tagen wird der Polizist in Deutschland zurückerwartet. Virginie Wolfram

Mehr: www.ostsee-zeitung.de/stoll

OZ

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