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Rostock im Visier der Autoknacker

Reutershage Rostock im Visier der Autoknacker

Polizei stellt Kriminalitätsstatistik vor / Diebstähle und Computer-Verbrechen nehmen deutlich zu

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In Rostock können die Bürger nach wie vor sicher leben.“Michael Ebert, Leiter Polizeiinspektion

Reutershage. n Die gute Nachricht vorweg: Rostock trotzt in einem Punkt dem Bundestrend. Erst am Montag hatte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) verkündet, dass Wohnungseinbrüche in Deutschland zunehmen. In der Hansestadt geht die Zahl hingegen zurück. Doch auch die Rostocker müssen sich um Hab und Gut sorgen – vor allem um ihre Autos: Die Polizei verzeichnet 2015 einen drastischen Anstieg der Fahrzeug- aufbrüche an der Warnow. Das geht aus der neuesten Kriminalitätsstatistik für die Hansestadt hervor, die Polizeichef Michael Ebert gestern vorstellte.

 

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Einen echten Schwerpunkt bei Autoaufbrüchen können wir nicht ausmachen.“Sebastian Schütt, Leiter Kriminalkommissariat

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Einen echten Schwerpunkt bei Autoaufbrüchen können wir nicht ausmachen.“Sebastian Schütt, Leiter Kriminalkommissariat

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„Während wir in vielen anderen Deliktsbereichen einen deutlichen Rückgang haben, steigt die Zahl der Diebstähle in Rostock leider an“, so Ebert. Und ein Großteil dieses Plus’ an Fällen geht auf das Konto von Autoknackern: Genau 812 Diebstähle „an und aus Kraftfahrzeugen“ (so heißt es im Beamtendeutsch) gab es im Jahr 2014. Zwölf Monate später zählte die Polizei bereits 1133 Fälle. „Das ist eine Zunahme von mehr als einem Drittel“, erklärt Polizeirat Sebastian Schütt, Leiter des Kriminalkommissariats in der Hansestadt.

Die meisten Aufbrüche gab es in der Stadtmitte. Dort hat sich die Fallzahl binnen eines Jahres mehr als verdoppelt – auf 148. Auch in der Südstadt wurden mehr als 100 Autos geknackt. Ebenfalls weit oben in der Statistik: die KTV (98 Fälle), Lütten Klein (84) und Schmarl (70). „Einen echten Schwerpunkt können wir aber nicht ausmachen. Die Täter sind meist auf Großparkplätzen unterwegs“, so Schütt. Vor allem abgelegene Stellflächen seien für Kriminelle ideal. „Wir warnen seit Jahren davor, Einkaufstüten, Rucksäcke oder Wertgegenstände in Autos liegen zu lassen. Genau darauf haben es die Täter abgesehen“, so der Kriminalist. Die Kriminellen würden nicht lange zögern, die Scheiben der Fahrzeuge einzuschlagen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Autoknacker geschnappt werden, ist verschwindend gering: Im Jahr 2015 lag die Aufklärungsquote bei diesen Delikten bei gerade mal 5,5 Prozent. Etwas besser sieht dieser Wert bei Diebstählen von Motorrädern und Mopeds aus: Immerhin jeder vierte der insgesamt 276 Fälle im vergangenen Jahr wurde von den Ermittlern erfolgreich aufgeklärt. „Auch diese Diebstähle nehmen aber deutlich zu“, sagt Schütt – um 43,8 Prozent innerhalb von nur zwölf Monaten.

Die Wohnungseinbrüche sind hingegen auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gesunken, heißt es von den Ermittlern. „In Rostock sind das meist sogenannte Milieu-Taten.“ Im Umland sehe das anders aus: Dort steigen die Zahlen und es seien, so Michael Ebert, oft organisierte Banden aus dem Ausland am Werk.

Doch nicht nur Einbrüche, sondern noch ein zweiter Bereich beschäftigt die Ermittler in der Hansestadt: „Die Computer-Kriminalität in Rostock nimmt ebenfalls deutlich zu“, berichtet Gisbert Prestel, der amtierende Leiter der Kriminalpolizeiinspektion.

Die Fahnder mussten gestern ein Plus von 107,3 Prozent in diesem Bereich vermelden. Die Zahl der Betrugsfälle über das Internet hat sich sogar fast verdreifacht – von 28 Fällen im Jahr 2014 auf 78 in 2015. Auch das illegale Ausspähen privater und gewerblicher Rechner durch Dritte nimmt zu: 118 solcher Fälle wurden der Kripo gemeldet. „Wir haben auf diesem Gebiet als Polizei Nachholbedarf“, so Prestel. Die Täter seien häufig den Ermittlern technisch einen Schritt voraus. Das wollen die Sicherheitskräfte ändern: Das Dezernat „Cyber-Verbrechen“ der Rostocker Polizei wird aufgerüstet, zwei ausgewiesene Computer- und Internet-Fachleute sollen die Ermittler künftig unterstützen.

Insgesamt zog Michael Ebert ein zufriedenes Fazit: Die Zahl der Straftaten sank in Rostock unter dem Strich um 33 Fälle. Mit 9718 Straftaten je 100000 Einwohner liege die Hansestadt deutlich unter den Werten vergleichbar großer Städte wie Lübeck (10471), Kassel (10439) und Chemnitz (11412). „In Rostock können die Bürger sicher leben“, so Eberts Botschaft.

Aus der Kriminalitätsstatistik der Hansestadt

20022 Fälle wurden im Jahr 2015 insgesamt von den Ermittlern in Rostock erfasst und bearbeitet – 33 weniger als noch im Vorjahr.

28 Prozent beträgt das Minus bei den Fällen von „Tankbetrug“ im Vergleich zu 2014. Über die Gründe kann der Chef des Rostocker Kriminalkommissariats, Sebastian Schütt, nur spekulieren: „Wir vermuten, dass dies mit den gesunkenen Spritpreisen im Vorjahr zusammenhängen könnte.“

7410 Diebstähle zählte die Polizei im Jahr 2015 in der Hansestadt – darunter aber 156 Wohnungseinbrüche.

3/4 aller Straftaten werden von Männern begangen. Insgesamt konnte die Polizei 7700

Tatverdächtige ermitteln – darunter „nur“ 1570 ohne deutschen Pass.

82,5 Prozent der Fälle im Bereich Schwerstkriminalität werden aufgeklärt. 1 Mord wurde 2015 in Rostock verübt. 2014 waren es noch sechs Fälle. Alle Taten wurden inzwischen aufgeklärt.

35 Vergewaltigungen und 55 Fälle von sexuellem Missbrauch wurden 2015 angezeigt. 36 Mal ermittelten die Fachleute nach sexuellem Missbrauch von Kindern.

Andreas Meyer

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Rostock
Es geht so schnell: Die Autoknacker gehen bei ihren Taten meist rabiat vor - und schlagen die Scheiben einfach ein (nachgestellte Szene).

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