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„Schick das weiter, sonst wirst Du morgen nicht mehr leben!“

Neuenkirchen „Schick das weiter, sonst wirst Du morgen nicht mehr leben!“

Präventionsprojekt an Schulen in Vorpommern klärt Jugendliche über Gefahr von Kettenbriefen auf

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Bianca Loth (vorn) hatte die Idee zum Film und war Regisseurin. Stefan Koeck (r.) begleitete das Projekt. FOTOS (3): PETER BINDER

Neuenkirchen. Am Ende steht der Selbstmord – als letzte von 50 Aufgaben der so genannten Blue Whale Challenge. Kinder und Jugendliche in Vorpommern werden derzeit in Schulen davor gewarnt – genau wie vor dubiosen Kettenbriefen, in denen ihnen über den Messengerdienst WhatsApp Gewalt angedroht wird, wenn sie gewisse Aufgaben nicht lösen. Doch während viele Schüler sagen, dass sie „Quatsch“ wie diesen „einfach löschen“, gibt es welche, die sehr ernst nehmen, was dort steht.

OZ-Bild

Präventionsprojekt an Schulen in Vorpommern klärt Jugendliche über Gefahr von Kettenbriefen auf

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„Die Empfänger der zumeist über WhatsApp versendeten Kettenbriefe sind häufig Kinder zwischen 10 und 14 Jahren. Das Problem: Je jünger die Kinder sind, desto weniger können sie einschätzen, ob die erhaltenen Nachrichten wahr sind“, sagt Mario Tschirn, Präventionsbeauftragter bei der Polizeiinspektion Anklam. Oft stehe am Ende der Kettenbriefe, dass man sie unbedingt weiterleiten soll. Wenn es nicht geschehe, passiere irgendein Unglück. „Schick das weiter, sonst wirst Du morgen nicht mehr leben“ zum Beispiel. „Das geht wirklich bis zu Todesdrohungen und wahnwitzigen Mutproben“, betont der Polizist.

Tschirn weiß von Fällen aus Vorpommern, wo junge Mädchen heimlich bis nach Süddeutschland gefahren sind, um mit einem Wildfremden Geschlechtsverkehr zu haben, weil ihnen Gewalt angedroht wurde. In ihrer Angst würden die Kinder oft genau das tun, was in den Kettenbriefen verlangt wird.

Ein besonders drastischer Fall sorgte vor drei Jahren in Stralsund für Aufruhr. Auf dem Handy eines 13-jährigen Schülers kam per WhatsApp eine Sprachnachricht an. Eine weibliche Computerstimme sagte:

„Hi, ich bin Nico und bin neun Jahre alt und habe keine Hände mehr und mein Gesicht ist voller Narben und Blut. Wenn Du diese Nachricht nicht an 20 Leute schickst, komme ich um 0 Uhr zu Dir...“ Es folgten 56 Sekunden voller Drohungen bis hin zum Tode: „Wenn Du es nicht weiter schickst, wirst Du morgen nicht mehr leben. Wenn Du es nicht tust, wird Deine Mutter in fünf Jahren ermordet.“

Um Schüler, Lehrer und Eltern im Umgang mit solchen Nachrichten zu schulen, bietet die Polizei nun konkrete Hilfe an. Zusammen mit Stefan Koeck von der Medienwerkstatt Identy Films aus Stralsund hat die Polizei drei Tage lang mit der 10. Klasse der „Schule am Bodden“ in Neuenkirchen bei Greifswald ein Videoprojekt zum Thema „Kettenbriefe“ durchgeführt. Die Schüler produzieren unter medienpädagogischer Anleitung ein Kurzvideo, das sich mit Kettenbriefen und den damit einhergehenden Problemen auseinandersetzt. Im Projekt haben die Schüler nicht nur den Umgang mit Kettenbriefen gelernt und wie wichtig es ist, sie zu ignorieren und sofort zu löschen. Sie haben auch einen Videoclip dazu erstellt, der ab Ende November an den Schulen in Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald für Präventionszwecke eingesetzt werden soll.

„Das war total spannend“, berichtet Bianca Loth. Die Zehntklässlerin hat sich nicht nur die Geschichte für „Kettenbriefe – Alles nur ein Fake!“ ausgedacht, sondern war auch die Regisseurin. Die Geschichte beginnt mit dem neuen Handy eines Mädchens. Dann bekommt sie einen Kettenbrief zu tollen neuen Haartönungen. „Was sie nicht weiß: Der Link ist ein Virus, der sich mit der Kamera ihres Handys verbindet und sie filmt, ohne dass sie etwas mitbekommt. Das Video des Mädchens landet dann auf einer öffentlichen Internetseite“, erläutern die Schülerinnen Maike Zepik und Jette Franz, die für das Projekt eine Pressemitteilung erarbeitet haben.

Zusammen mit Mario Tschirn haben die 16-Jährigen auch Tipps für Eltern erarbeitet, damit die sich in dieser bizarren Welt besser zurechtfinden. „Wir ermuntern die Eltern, die Initiative zu ergreifen und mit ihren Kindern nicht nur über Kettenbriefe zu sprechen, sondern sie auch zu enttarnen“, sagen Jette und Maike. „Eltern sollten immer die Ängste der Kinder ernst nehmen. Wichtig ist auch, über eigene Erfahrungen mit Kettenbriefen zu sprechen und gemeinsam Regeln zu vereinbaren“, ergänzt Tschirn. Anderen Schülern wollen die Zehntklässler aus Neuenkirchen sagen: „Passt auf, was ihr von euch im Netz preisgebt. Egal, was ihr schreibt – es bleibt im Netz und kann leicht manipuliert werden.“

Cornelia Meerkatz

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