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Schockbilder sollen tödliche Unfälle verhindern

Stralsund Schockbilder sollen tödliche Unfälle verhindern

Polizei, Notarzt und Seelsorger schildern Berufsschülern ihre Erlebnisse und wollen damit auf Gefahren im Verkehr aufmerksam machen

Stralsund. Mit schockierenden Bildern von Unfällen und emotionalen Geschichten wollen sie aufrütteln und sensibilisieren. Beim „CrashKurs MV“ schildern erfahrene Polizisten, Feuerwehrleute und Seelsorger ihre Erfahrungen im Berufsalltag. Sie wollen jungen Fahranfängern deutlich machen, wie schnell Unglücke passieren und welche Folgen diese haben können.

 

OZ-Bild

Torsten Dowe schildert seine Erfahrungen.

Quelle: Manuela Wilk

Gestern kamen sie ins Nachbarschaftszentrum Grünhufe und redeteten mit etwa 200 Schülern der Beruflichen Schule Stralsund. „Wenn es uns mit dem Projekt gelingt, nur einer Familie Leid zu ersparen, haben wir gewonnen“, sagt Christine Stein. Die 65-Jährige verlor bei einem Verkehrsunfall einen Sohn und erzählte den Jugendlichen davon. „Er war mit einem Kumpel auf dem Rückweg von der Disco. Zwei Kilometer vor dem Ziel passierte es.“ Der Verlust habe das Leben der Familie für immer verändert. „Es kamen viele zur Beerdigung. Aber für die ging danach das Leben einfach weiter.“ Während sie spricht, stockt ihr der Atem.

Die Jungen und Mädchen im Publikum lauschen. Sie sind ganz still. „Das ging alles schon sehr unter die Haut und man konnte alles mitfühlen“, sagt der 18 Jahre alte Max aus Stralsund. Auch sein Freund Marko ist ergriffen. „Die Schilderungen sind schon ziemlich erschreckend gewesen“, meint der 18-Jährige aus Garz auf Rügen.

Besonders die Geschichte von Thomas Hanff vom Rettungsdienst ist bei ihnen hängen geblieben. Er erinnerte sich an einen Motorradunfall – zwei junge Männer starben. „Es war im Mai. Die Sonne schien und in einer S-Kurve ereignete sich der Unfall.“ Das Zweirad prallte gegen einen Baum. Durch die Wucht sei einem der Männer der Kopf von den Schultern gerissen worden, der andere wurde schwer verletzt. „Sein ganzer Körper war aufgerissen“, schildert Hanff in drastischen Worten. Danach legt er zwei weiße Kreuze nieder – als Symbol.

Fabian wird der gestrige Tag noch lange im Gedächtnis bleiben. Er würde sich wünschen, dass jeder Fahranfänger den CrashKurs mitmacht. „Das sollte eine Pflicht sein“, sagt er.

Jedes Jahr sterben junge Menschen bei Verkehrsunfällen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Ursachen sind vielfältig. Sie reichen von Unachtsamkeit und Handynutzung bis zum Alkoholeinfluss. „Mit unserem Projekt wollen wir die Zahl reduzieren“, sagt Polizeihauptkommissar Torsten Dowe. Noch 2009 kamen 33 junge Fahrer, zwischen 18 und 25 Jahre, im Straßenverkehr ums Leben. Im vergangenen Jahr waren es noch zehn. „Wir glauben, dass der CrashKurs seinen Teil dazu beiträgt“, erklärt Dowe.

Manuela Wilk

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