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Schüsse nach Streit am Steuer: Ein Autofahrer sieht Rot

Rövershagen/Stadtmitte Schüsse nach Streit am Steuer: Ein Autofahrer sieht Rot

In Rövershagen hat ein 58-Jähriger mit einer Schreckschusswaffe auf ein anderes Auto gefeuert / Verkehrspsychologe spricht von „Ausnahmefall“ / Immer mehr Waffen in Rostock

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Waffe am Steuer: In Rövershagen drehte ein Autofahrer durch (nachgestellte Szene).

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rövershagen/Stadtmitte. An einer Ampel in Rövershagen sah der Mann plötzlich Rot: Nach einem Streit mit einem anderen Fahrer hat ein 58-Jähriger in dem Ort bei Rostock eine Waffe gezogen und auf das Auto des „Widersachers“ gefeuert. Verletzt wurde zum Glück niemand. Dem Schützen am Steuer drohen nun bis zu drei Jahre Haft. Die Ermittler und Verkehrspsychologen sprechen von einem außergewöhnlichen Ausraster am Auto-Lenkrad. Bisher jedenfalls. Denn die Behörden fürchten, dass in Zukunft häufiger Autofahrer mit Pistole im Handschuhfach unterwegs sein könnten. Die Zahl derjenigen, die einen Waffenschein beantragen, steigt jedenfalls in Rostock deutlich.

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In Rövershagen hat ein 58-Jähriger mit einer Schreckschusswaffe auf ein anderes Auto gefeuert / Verkehrspsychologe spricht von „Ausnahmefall“ / Immer mehr Waffen in Rostock

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Schreckschusswaffen erst ab 18 Jahren

Der Kauf von Schreckschusswaffen ist in Deutschland nach wie vor erlaubt. Wer die Waffe allerdings außerhalb der eigenen Wohnung oder des eigenen Grundstücks führen will, braucht seit 2003 einen „Kleinen Waffenschein“. Die Waffen dürfen nur im Notfall oder zur Notwehr genutzt werden.

Die Schüsse in Rövershagen sind, so Güstrows Polizeisprecher Gert Frahm, bereits am Mittwochnachmittag gefallen. Auslöser soll ein an sich harmloser Vorgang gewesen sein, der sich täglich Hunderte Male auf den Straßen in und um Rostock abspielt: Das Opfer, der 41 Jahre alte Fahrer eines schwarzen Renault Megane, soll den Schützen kurz hinter dem Ortseingang von Rövershagen überholt haben. „Der Mann hat ausgesagt, dass der Golf vor ihm sehr langsam fuhr“, so Frahm. An der nächsten Ampel – der Kreuzung zwischen Graal-Müritzer Straße und „Schwager sin Grund“ – kam es dann zur Auseinandersetzung: „Der Renault wollte dort rechts abbiegen, der Golf stand auf der anderen Fahrspur“, beschreibt Frahm die Szene. Beide Fahrer sollen sich gegenseitig mit Gesten beleidigt haben.

Dann platzt dem 58 jährigen Golf-Fahrer offenbar der sprichwörtliche Kragen: Er zieht die Pistole – wie sich später herausstellt nur eine Schreckschusswaffe – und feuert durch das offene Beifahrerfenster auf den Renault.

„Dass Autofahrer ihren Streit auch auf der Straße austragen – das ist für uns nicht ungewöhnlich“, sagt Polizeisprecher Frahm. Allein im Juli gingen bei den Ermittlern im Landkreis zehn Anzeigen wegen Nötigung im Straßenverkehr ein. „Doch dass jemand eine Waffe zieht, ist einmalig.“ Das bestätigt auch Andreas Dillmann, Diplom-Psychologe bei der Dekra in Rostock: „Die Sicherheit im Straßenverkehr ist bei uns hoch. Der Vorfall in Rövershagen ist eine absolute Ausnahme“, sagt der Experte. Dillmann ist Gutachter und beurteilt unter anderem, ob Autofahrer, die mehrfach auffällig geworden sind, je wieder ein Fahrzeug führen dürfen. „Die Zahl der Fahrer, bei denen Behörden eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung anordnen, ist aber rückläufig.“ Nur 0,17 Prozent aller Autofahrer in Deutschland mussten den „Idiotentest“ (so die Bezeichnung im Volksmund) bereits machen. Der Ampel- Schütze aus Rövershagen wird sich, so Dillmann, aller Wahrscheinlichkeit nach einem solchen Test unterziehen müssen.

Und auch vor Gericht droht ihm Ärger: „Wir konnten den Mann noch am Abend stellen. Die Waffe wurde beschlagnahmt“, sagt Polizeisprecher Frahm. Die Beamten ermitteln gegen den 58-Jährigen nicht nur wegen Bedrohung: Er wird sich zudem auch wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten müssen. „Allein für die Bedrohung droht im Fall einer Verurteilung ein Jahr Haft“, so Frahm.

Das Thema „Waffen“ allerdings gewinnt für die Polizei an Bedeutung: 79 kleine Waffenscheine wurden laut Rostocker Stadtverwaltung im gesamten Jahr 2015 beantragt. Allein im Januar 2016 waren es bereits 34. Tendenz steigend. Neuere Zahlen gibt es nicht.

Andreas Meyer

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