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Schwere Verkehrsunfälle: Rettungskräfte warnen Schüler

Bad Doberan Schwere Verkehrsunfälle: Rettungskräfte warnen Schüler

Doberaner Berufsschüler nehmen am Präventionsprojekt „Crashkurs MV“ teil / Polizei, Feuerwehr, Seelsorger und Angehörige appellieren an junge Leute, achtsam zu fahren

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Immer wieder kommt es im Landkreis Rostock zu Verkehrsunfällen, wie hier im Februar auf der B105 bei Gelbensande. Nicht immer bleibt es beim Blechschaden. Das Präventionsprojekt „Crashkurs MV“ klärt junge Fahranfänger auf — gestern im Doberaner Gymnasium.

Quelle: Stefan Tretropp

Bad Doberan. 92 Menschen starben 2014 auf den Straßen Mecklenburg-Vorpommerns. Neun von ihnen waren Fahranfänger. Ihr Tod hätte vermieden werden können, ist sich ein Team aus Polizei, Feuerwehr, Seelsorger und Angehörigen sicher. Im „Crashkurs MV“ sorgten sie gestern in der Aula des Gymnasiums in Bad Doberan mit erschreckenden Unfallbildern für schockierendes Schweigen. Der Kurs sollte junge Fahranfänger aufrütteln und sie zur Achtsamkeit aufrufen.

OZ-Bild

Doberaner Berufsschüler nehmen am Präventionsprojekt „Crashkurs MV“ teil / Polizei, Feuerwehr, Seelsorger und Angehörige appellieren an junge Leute, achtsam zu fahren

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Schüler der Beruflichen Schule in Doberan hörten, wie Retter und Angehörige Unfälle mit Toten erleben und verarbeiten. Dazu originale Bilder von Opfern, die nichts für zarte Gemüter waren. Marcus Eichwitz von der Feuerwehr Schwerin erinnert sich an einen besonders schweren Unfall vor zwei Jahren: Fünf Jugendliche auf dem Weg vom Billardspielen nach Hause. Auch der Fahrer hatte Alkohol im Blut. Zu schnell auf der Landstraße, Kollision mit einem Baum. Zwei Insassen starben. Es sind Unfälle wie diese, die ihn und seine Kameraden, schwer schlucken lassen. „Niemand kann sich vorstellen, wie furchtbar kaltes Blut riecht“, sagt er. Die Schreie der jungen Männer, die bei vollem Bewusstsein aus dem Auto geschleudert worden seien — unfassbar. Eichwitz blickt bei seinen Schilderungen in betretene Gesichter. Einige blicken nach unten, andere starr geradeaus. „Ich freue mich leben zu dürfen“, sagt er. Die neun jugendlichen Verkehrstoten aus dem vergangenen Jahr haben das Glück nicht mehr.

Am eigenen Leib spürte Polizistin Nicol Engel die Folgen eines Unfalles und überlebte nur, weil sie angegurtet gewesen sei. „Wenn wir als Erstes am Unfallort ankommen, offenbart sich meistens ein riesiges Trümmerfeld“, erzählt sie von ihrer Arbeit. Dann heiße es nur noch: funktionieren. Man freue sich über jedes Lebenszeichen, wende Erste-Hilfe-Maßnahmen an, sichere die Unfallstelle ab. Dann übernimmt der Notarzt. Dr. Gernot Rücker gehört zum Notärzte-Team und fliegt mit dem Hubschrauber zu den Einsatzorten. Manchmal dauere es bis zu 20 Minuten bis er eintreffe. 20 Minuten, die Unfallopfer manchmal mit quälenden Schmerzen verbringen müssen, bis er sie vor Ort in Narkose versetzen kann. Nicki, so ein Beispiel aus dem Jahr 2009, hatte 19 Frakturen und andere Verletzungen und musste mehr als elf Operationen über sich ergehen lassen. „Wer rasen will, soll das auf der Autobahn tun“, so sein Appell. Die Todesnachricht den Eltern zu überbringen, ist die Aufgabe von Pastor Christopherus Baumert. „Wie sie die Nachricht aufnehmen, lässt sich nicht mit Worten beschreiben.“ Für sie beginne dann eine neue Zeitrechnung. Das musste auch Ottmar Saffer 2009 erfahren, als sein Sohn einen tödlichen Unfall erlitt. Noch sichtlich um Fassung ringend schilderte er die letzten Stunden, als aus der schlimmen Befürchtung Gewissheit wurde. „Es lässt sich nicht ändern, er ist tot.“

Die Berufsschüler sind sichtlich bestürzt. „Ziemlich krass“, empfand Stella Storm (17) die Veranstaltung. Es sei wichtig, dass es so einen Kurs gebe. „Aber eigentlich ist es ja klar, wie man sich beim Autofahren verhalten muss.“ Viviane Deil haben die Schilderungen nachdenklich gemacht. „Ich mache auch bald den Führerschein.“

Präventionsprojekt „Crashkurs MV“

92 Verkehrstote — das ist die traurige Bilanz aus dem Jahr 2014. Davon starben neun Fahranfänger auf den Straßen in MV. Die häufigsten Unfallursachen mit schweren Personenschaden sind Geschwindigkeit, gefolgt von Vorfahrt, Alkohol, Überholen und Abstand. Die Zahl der Unfälle, in denen 18 bis 25-Jährige verwickelt waren, sank von 23 Prozent (2010) auf 13,6 Prozent (2014). Der Crashkurs MV ist ein Präventionsprojekt der Polizei und der Verkehrssicherheitskommission mit dem Ziel, die Zahl der Unfälle mit jungen Menschen zu verringern.

Von Katarina Sass

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