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Ski Heil – Knochen kaputt: Chef kann Lohn streichen

Rostock Ski Heil – Knochen kaputt: Chef kann Lohn streichen

Tausende Menschen aus MV sind derzeit auf den Pisten / Dort droht Gefahr

Rostock. Zehntausende Skifahrer aus MV sind jetzt in den Winterferien wieder auf den Pisten unterwegs. Nicht alle kommen heil wieder zurück: Rein rechnerisch verletzt sich pro Saison etwa jeder Hundertste. Für viele bedeutet das neben den Schmerzen auch, dass sie wochenlang nicht arbeiten können. Doch zumindest in MV müssen sich die meisten keine Sorgen machen, kein Geld zu bekommen: Die Arbeitgeber zahlen meist ohne Murren weiter.

Laut Gesetz ist es möglich, Risikosportlern die Lohnfortzahlung zu verweigern – sofern sie die Verletzung verschuldet haben. „Das trifft etwa zu, wenn man eine besonders gefährliche Sportart betreibt, etwas macht, was die eigenen Kräfte übersteigt oder grob gegen die Regeln des Sports verstößt“, sagt Verina Speckin, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Rostock. Verbieten kann ein Arbeitgeber das Ausüben bestimmter Sportarten nicht.

Von einem Gericht ist bisher nur Kickboxen als Risikosportart eingestuft worden. In allen anderen gilt die Einzelfallentscheidung. „Ich hatte noch keinen Fall, in dem ein Skifahrer kein Geld mehr bekommen sollte“, sagt Speckin. „Man darf seinem Arbeitgeber nicht jedes Risiko zumuten, aber Skifahren zählt nicht dazu.“

Das sieht auch Merten Berckemeyer vom Landesskiverband MV so: „90 Prozent fahren vorschriftsmäßig auf den regulären Pisten. Das ist etwa so riskant wie Radfahren.“ Anders sei es, wenn jemand auf gesperrten Pisten unterwegs sei und sich so fahrlässig in Gefahr begebe. „Da hätte ich Verständnis, wenn ein Arbeitgeber nicht zahlen will“, so Berckemeyer.

Auch im Landesverband komme es immer wieder vor, dass sich jemand verletze. „Bei jeder Gruppenreise trifft es meistens einen, der sich das Knie verdreht oder das Handgelenk verstaucht. Aber schwere Verletzungen habe ich noch nie erlebt“.

„Schwere Unfälle sind eher die Ausnahme“, meint auch Sven Müller, Sprecher der Vereinigung der Unternehmensverbände MV. „Die Betriebe freuen sich, wenn ihre Mitarbeiter regelmäßig Sport treiben und sich dadurch fit halten.“ Anstatt auf restriktive Maßnahmen zu setzen, unterstützten Arbeitgeber ihre Beschäftigten eher darin, wieder gesund zu werden. „Viel mehr Sorgen macht uns derzeit die Grippewelle“, betont Müller.

Auch Thomas Lambusch, Geschäftsführer des Rostocker Elektronikunternehmens SEAR und Präsident des Arbeitgeberverbandes Nordmetall, meint: „Sport gehört zur Freizeit.“ Aber: „Wenn jemand sich grob fahrlässig verhält, setzt er die Lohnfortzahlung aufs Spiel.“ Etwa, indem er betrunken auf die Piste gehe und sich dadurch verletze. Das stehe auch im Manteltarifvertrag von Nordmetall.

In Deutschland gibt es etwa 4,3 Millionen Skifahrer. In der letzten Saison wurden rund 40000 auf der Piste verletzt.

Axel Büssem

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