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Stasi-Verdacht zum Korruptionsprozess zurückgewiesen

Schwerin Stasi-Verdacht zum Korruptionsprozess zurückgewiesen

Im Schweriner Korruptionsprozess hat die angeklagte Unternehmensberaterin über ihre DDR-Vergangenheit als Filmemacherin berichtet. Nach einem Deal von Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung zur Abkürzung des Prozesses sieht es derzeit nicht aus.

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Kein Deal im Korruptionsprozess um LKA-Beamten in Sicht. 

Quelle: Jens Büttner/archiv

Schwerin. Die im Korruptionsprozess um einen ehemaligen Beamten des Landeskriminalamtes (LKA) in Schwerin angeklagte Unternehmensberaterin hat den Verdacht einer Stasi-Mitarbeit zurückgewiesen. Sie sei vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) „abgeschöpft“ worden, hieß es in einer Erklärung zu ihrer Person, die ihr Verteidiger am Donnerstag in der Verhandlung am Landgericht verlas. Darin hieß es, die Angeklagte habe nach dem Studium der Filmwissenschaft beim DDR-Fernsehen als Regisseurin und Autorin gearbeitet.

In dieser Zeit habe sie während der Leipziger Buchmesse Kontakt mit Verlegern aus dem westlichen Ausland gehabt. Außerdem habe sie westdeutsche Filmteams begleitet, die in der DDR drehten. Berichte über diese Arbeit habe sie ans Internationale Pressezentrum der DDR liefern müssen. Die Berichte, die sie mit den westdeutschen Kollegen abgestimmt habe, seien dann auch an das MfS gelangt.

Ein weiterer Kontakt zur Stasi habe bestanden, als der Kunsthistoriker Diether Schmidt nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns inhaftiert war. Sie sei von dem Bildhauer Fritz Cremer und der Schriftstellerin Christa Wolf gebeten worden, ihre Beziehungen zu nutzen. Diese bestanden offensichtlich darin, dass ihr Schwiegervater Hauptdirektor der Defa war, für die der Regisseur Konrad Wolf arbeitete, Bruder des Chefs des Auslandsgeheimdienstes der DDR, Markus Wolf. Der Kunsthistoriker sei nach 14 Tagen aus der Haft in den Westen entlassen worden, sagte die 69-Jährige. Ihre Stasi-Akte kenne sie nicht.

Die Frau, die 2004 das berufliche Metier wechselte und eine Firma für Unternehmensberatung gründete, ist in Schwerin wegen Bestechung und Anstiftung zur Verletzung von Dienstgeheimnissen angeklagt. Sie soll dem ehemaligen Kriminalbeamten knapp 300 000 Euro für Informationen unter anderem zu Personen aus der Wirtschaft gezahlt haben. Der 60-jährige ehemalige Kriminalhauptkommissar ist wegen Bestechlichkeit, Verletzung von Dienstgeheimnissen und Steuerhinterziehung angeklagt.

Der erwartete Deal zur Abkürzung des Prozesses ist bisher nicht zustande gekommen. Gericht, Rechtsanwälte und Verteidiger hätten sich nicht über den Fortgang und die Ergebnisse des weiteren Verfahrens verständigen können, sagte der Vorsitzende Richter.  

dpa/mv

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