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Stille auf dem Weihnachtsmarkt

Wismar Stille auf dem Weihnachtsmarkt

Polizei zeigte mehr Präsenz in diesem Jahr / Markt öffnet heute zum letzten Mal

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Die Kontaktbeamten zeigten auf dem Wismarer Weihnachtsmarkt in diesem Jahr besondere Präsenz (v.l.): Polizeihauptmeister Jürgen Leonhardt, Polizeihauptmeister Jens Brügmann, Polizeirat Dr. Andreas Walus, Polizeihauptmeister Lothar Kufahl, Polizeihauptkommissarin Cornelia Schulz. FOTO: POLIZEI WISMAR

Wismar. /Grevesmühlen. Es ist still auf dem Wismarer Weihnachtsmarkt. Die Karussells drehen sich nicht, die blinkenden Lichter sind aus. Vor dem großen Weihnachtsbaum liegen rote Rosen, zusammengehalten von einem schwarzen Trauerflor. Davor ein weißes Papier mit dem Schriftzug „In stillen Gedenken“, umrahmt von brennenden Grabkerzen. Trauerflore auch an den Fahnen, die am Wismarer Rathaus wehen. Die Kirchenglocken schlagen 12 Uhr. Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) steht gemeinsam mit rund 70 Mitarbeitern der Stadtverwaltung vor dem Rathaus, zahlreiche Weihnachtsmarktbesucher versammeln sich auf der Mitte des Marktplatzes. „Wir sind in Gedanken bei den Trauernden und den Opfern der schrecklichen Ereignisse am Montagabend in Berlin“, läutet Bürgermeister Beyer die folgende Schweigeminute ein. „Ein Staat soll für Sicherheit sorgen, doch das kann er nicht zu 100 Prozent. Ich hoffe, dass der oder die Täter eine gerechte Strafe für ihre schreckliche und unfassbare Tat erhalten .“ Er ruft alle Bürger dazu auf, besonnen zu reagieren.

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Polizei zeigte mehr Präsenz in diesem Jahr / Markt öffnet heute zum letzten Mal

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Zu Besonnenheit rät auch Miro Zahra. Die Leiterin des Künstlerhauses Plüschow hat am Montagabend am Telefon vom Anschlag in Berlin erfahren. „Das ist einfach nur schlimm, gerade in der Vorweihnachtszeit, in der die christliche Botschaft in die Welt getragen wird“, sagt sie. Zahra und ihre Familie haben einen besonderen Bezug zur Hauptstadt. „Mein Mann und ich haben dort studiert, unsere Tochter wohnt dort und wir haben jede Menge Kontakte dorthin“, erzählt die Künstlerin. Für sie sei Berlin fast so etwas wie Heimat. „Ich bin sehr betroffen. Ziel des vermeintlichen Anschlags war eine Stadt, die sonst für ihre Offenheit und Vielfalt bekannt ist“, so Zahra.

Auch die Grevesmühlener Pastorin Maria Harder ist nach den Geschehnissen zutiefst bewegt. „Ich bin erschrocken und traurig und in Gedanken bei den betroffenen Menschen.“ Doch Angst dürfe jetzt nicht die Kontrolle übernehmen. Das sei genau das Ziel, das solche Anschläge haben, sagt sie. „Wir sollten mutig und lebensbejahend auftreten. Abgrenzung ist nicht der richtige Weg“, betont die Geistliche der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Nikolai. Gleichzeitig müsse die Gesellschaft aber auch wach und offen sein.

Sicherheit war in diesem Jahr auf dem Wismarer Weihnachtsmarkt ein großes Thema – jedoch nicht aus Angst vor Terrorismus. „Der Weihnachtsmarkt ist kein kriminalistischer Brennpunkt“, versichert Andreas Walus, Leiter des Polizeihauptreviers in Wismar. „Wir wollten Präsenz zeigen und Bürgernähe vermitteln.“ Alle zwei Stunden, von Montag bis Sonntag, drehte in den vergangenen Wochen Kontaktbeamte eine Kontrollrunde über den Marktplatz.

Doch Walus weiß auch: „Das ist nur ein kleiner Baustein. Wir von der Polizei müssen immer wieder solche Aktionen starten. Jedoch wohl überlegt und nicht nach dem Gießkannenprinzip.“ Der 33-Jährige ist seit Oktober in Wismar tätig. Wie er mit den weiteren Großveranstaltungen in der Hansestadt umgehen wird, steht noch nicht fest. „Je nachdem, wo die Brennpunkte sind und bei welchen Veranstaltungen eine erhöhte Präsenz Sinn macht.“ Beim Schwedenfest im August wurde die Anzahl der Einsatzkräfte den – wie es im Vorfeld des viertägigen Volksfestes hieß – Faktoren angepasst. Gemeint waren damit die Terroranschläge in Nizza und München.

Die Uhr zeigt zehn nach zwölf. Aus der Pyramide trällert Weihnachtsmusik, die Schlange am Bratwurststand wächst, dampfende Glühweine werden gereicht. Die Karussells drehen sich wieder.

Vanessa Kopp und Daniel Heidmann

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