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Studenten klettern nachts aus Abenteuerlust auf den Dom

Greifswald Studenten klettern nachts aus Abenteuerlust auf den Dom

Nach Rettungseinsatz erwartet sie Anzeige wegen Hausfriedensbruch

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Die Männer erhalten von uns eine Kostenmit- teilung.Axel Falkenberg, Polizeisprecher

Greifswald. Leichtsinn kommt vor dem Fall: Abenteuerlust veranlasste drei Studenten gestern kurz nach Mitternacht, den Greifswalder Dom zu erklettern. Zum Glück geschah ihnen nichts.

OZ-Bild

Nach Rettungseinsatz erwartet sie Anzeige wegen Hausfriedensbruch

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Rettungskräfte brachten die jungen Männer aus 70 Metern Höhe wieder wohlbehalten zur Erde. Ihre Tat hat jedoch ein Nachspiel: Die Domgemeinde erstattete Anzeige wegen Hausfriedensbruch, die Polizei nahm deshalb Ermittlungen auf.

Das Trio wurde am Donnerstag gegen 1.30 Uhr von Passanten auf dem Dom St. Nikolai entdeckt, teilt Hauptkommissar Holger Bahls vom Polizeipräsidium Neubrandenburg mit. Der Notruf wurde gewählt und die Berufsfeuerwehr Greifswald rückte neben Polizeibeamten sowie einem Rettungsdienst aus. Nach ersten Ermittlungen waren die drei Männer im Alter von 20, 20 und 22 Jahren über eine Umzäunung des Gebäudes geklettert und am Baugerüst bis in etwa 70 Meter Höhe auf die Nikolaikirche gestiegen. Der Greifswalder Dom wird derzeit saniert. Ob es sich bei dem waghalsigen Unternehmen um eine Mutprobe handelte oder ob es andere Beweggründe gab, sei noch nicht geklärt, so Polizeisprecher Axel Falkenberg. „Die Studenten verweigerten die Aussage“, sagt er. Die drei Männer seien in Hamburg, Schleswig-Holstein und Greifswald zu Hause.

Domküster Bernd Meinzer berichtet indes, dass dieser nächtliche Einsatz kein Einzelfall sei: „Seit das Baugerüst steht, kletterten junge Leute schon drei- oder viermal den Dom hinauf. Das wird langsam zur Gewohnheit und für uns zur Dauerbeschäftigung, nachts aus dem Bett zu springen“, sagt Meinzer. Er selbst wurde gestern nicht alarmiert. Aber sein Kollege, Domhandwerker Michael Berger, hatte Bereitschaftsdienst und eilte zum Gotteshaus. Dort warnen zwar Schilder vor dem Betreten der Baustelle. Doch offenbar kümmert das wenig. „Es muss sehr verlockend sein, bei Nacht den Dom zu erklimmen und von oben auf die Stadt zu schauen“, sagt Meinzer. Die große Gefahr würde verkannt, erst recht, wenn Alkohol im Spiel sei. Einmal abrutschen reiche. „Ich habe in der Vergangenheit schon zwei Personen unten liegen sehen. Das vergisst man nicht“, sagt der Küster betroffen. Bei diesen Todesfällen 2007/8 handelte es sich jedoch um Suizide. Die Gemeinde reagierte mit einer Sicherheitsvorkehrung. Ein Gitter schirmt seither Gäste der Aussichtsplattform in 60 Metern Höhe ab.

Die drei abenteuerlustigen Studenten werden übrigens nicht nur die Ermittlungen über sich ergehen lassen müssen. Sie dürfen auch tief ins Portmonee greifen. „Da von uns zwei Funkstreifenwagen und vier Beamte in der Nacht zum Einsatz kamen, schreiben wir eine Kostenmitteilung“, sagt Polizeisprecher Falkenberg. Dabei werde es sich wohl um eine dreistellige Summe handeln. Und auch die Stadt prüfe derzeit, den Studenten eine Rechnung zu schicken. „Wer vorsätzlich oder grob fahrlässig einen Einsatz verursacht, der kann laut Brandschutzgesetz zur Übernahme der Kosten herangezogen werden“, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann. Im Einsatz seien acht Männer und zwei Fahrzeuge, darunter die Drehleiter, gewesen.

Frühere Delinquenten, so Küster Meinzer, seien bereits des Öfteren reumütig ins Dombüro gekommen, baten um das Zurückziehen der Anzeige und um eine Gelegenheit der Wiedergutmachung. Bernd Meinzer:

„Zwei, drei Studenten streichen gerade die Galerie im Dom.“

St. Nikolai – Kulturdenkmal nationaler Bedeutung

Der Dom St. Nikolai wird seit 2013 umfassend rekonstruiert. Nachdem in das Hauptschiff der im 13. Jahrhundert erbauten Backsteinkirche stabilisierende Zuganker eingezogen worden waren, hat im Sommer vorigen Jahres die Sanierung des Turmes begonnen. Die Arbeiten an dem knapp 100 Meter hohen Turm dauern bis mindestens Ende Oktober 2017 an. Die Kosten wurden zuletzt auf rund 2,3 Millionen Euro geschätzt. Erst mit dem Aufbau des Gerüsts im März 2016 hatte sich der gesamte Umfang der Schäden offenbart.

Petra Hase

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