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Telefonbetrüger setzen Rentner mit neuer Masche unter Druck

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Telefonbetrüger setzen Rentner mit neuer Masche unter Druck

Enkeltrick wurde modifiziert: Täter geben sich als Polizist oder Staatsanwalt aus / 26 Betrugsversuche allein im September in Rostock / Polizei warnt vor dubiosen Anrufen

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Seit mehr als 20 Jahren versuchen Betrüger mit dem sogenannten „Enkeltrick“, an das Ersparte alter Menschen zu kommen. Und trotz aller Warnungen vor dieser Masche gelingt es ihnen auch immer wieder. Allein in Rostock wurden seit Anfang September 26 solcher Betrugsversuche angezeigt. In einem Fall waren die Telefonbetrüger erfolgreich. Eine 83-Jährige aus der Südstadt hat 25000 Euro verloren. „Und die Dunkelziffer ist garantiert höher“, sagt Kriminaloberkommissarin Kerstin Bethke. „Viele alte Menschen schämen sich, auf den Trick hereingefallen zu sein und melden die Vorfälle nicht.“

 

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Die Rostocker Rentnerin Hildegard Räther (86) ist vorsichtig – sie will sich nicht am Telefon hereinlegen lassen.

Quelle: Ove Arscholl

Bei dem geglückten Betrug am 23. September war die betagte Südstädterin von einer angeblichen Schwiegertochter angerufen worden, die sich Geld borgen wollte. Die Rentnerin war anfangs misstrauisch, legte auf. Dann aber meldete sich eine weitere Person, die gab sich als Beamte der Kriminalpolizei aus. „Und das ist die neue, modifizierte Form des Enkeltricks. Die Betrüger geben sich als Polizisten, Staatsanwälte, Notare aus und schüren so weiter die Ängste der alten Menschen“, erläutert Bethke.

Der 83-jährigen Dame wurde „bühnenreif“, wie es die Geschädigte später selbst schildert, vorgegaukelt, dass das Telefonat von der Polizei abgehört worden sei und sie sich auf die Geldübergabe einlassen soll, damit die Polizei zugreifen kann. „Mit 14 Anrufen wurde die Seniorin zweieinhalb Stunden lang am Telefon unter Druck gesetzt“, berichtet Bethke.

Erst als die Frau das Geld nicht, wie versprochen, gleich zurückbekam, hat sie die Polizei informiert. „Eine äußerst miese Tour“, bemerkt die Kommissarin, die sich in der Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Rostock seit Jahren mit diesen Betrugsfällen beschäftigt.

2014 wurden 72 solcher Betrugsversuche im Einzugsbereich der KPI registriert, 2015 waren es 148 Straftaten – in sechs Fällen hat es geklappt, am Ende waren 80000 Euro weg. In diesem Jahr kommen die Betrüger zumindest in Rostock nicht so zum Beutezug. „Doch sie sind aggressiver geworden, weichen ab vom klassischen Enkeltrick und drohen mit Behörden“, sagt Polizeisprecherin Sophie Pawelke. Landesweit sei die Zahl der Betrugsversuche 2016 angestiegen. „Bisher entstand ein Schaden von 200000 Euro“, so Pawelke.

Die Polizei vermutet die Drahtzieher in Polen, von wo aus Menschen mit altklingenden Namen angerufen werden. „Oft zeitgleich in zwei Orten“, erklärt Kerstin Bethke. Sobald jemand „angebissen“ habe, hörten die Anrufe in der anderen Stadt auf. „Die Täter merken, ob das Opfer mitspielt, kitzeln Schwachstellen der Person am Telefon heraus und setzen sie psychisch unter Druck“, sagt Bethke. Die Opfer werden oft in der Telefonschleife gehalten, damit sie keine Anrufe tätigen. „Sobald der Anschluss besetzt ist, endet der Versuch“, berichtet die Kommissarin aus ihrer Praxis. Sie rät den Rostockern, stets misstrauisch zu sein und in jedem Fall den Notruf 110 zu wählen.

Das empfiehlt auch Hartmut Olthoff, ehemaliger Kriminalist und Mitarbeiter im Präventionsrat, in seinen Vorträgen vor Senioren. In vielen Veranstaltungen klärt er die Bürger auf über die breite Palette des Betruges. „Der Informationsbedarf ist groß“, sagt Olthoff. „Bei den Vorträgen berichten mir einige von Trickversuchen.“

Die Polizei rät

Seien Sie misstrauisch und kontaktieren Sie in jedem Fall den Notruf 110. Geben Sie keine Details zu familiären und finanziellen Verhältnissen telefonisch preis. Lassen Sie Unbekannte vor Ihrer Wohnungstür. Lassen Sie sich Dienstausweise zeigen und kontaktieren Sie im Zweifel den Notruf 110, um nach dem jeweiligen Beamten zu fragen. Übergeben Sie niemals Geld. Die Polizei würde sich nie mit der Notrufnummer 111 im Telefon-Display bei Ihnen melden. Sie würde telefonisch keine persönlichen Daten erfragen und Sie nie zu Übergaben von Geld oder Wertgegenständen auffordern.

Doris Kesselring

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