Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Tipps vom Kriminalisten

Tipps vom Kriminalisten

Kriminalhauptkommissar Andreas Hamann zu Gast beim Sozialverband

Grimmen Rede und Antwort stand der 52-jährige Kriminalhauptkommissar Andreas Hamann gestern 30 Frauen und Männern, die der Einladung des Sozialverbandes zu ihrem traditionellen Frühstück gefolgt waren.

Frage: Die vielen Laubenbrände in Grimmen – das kann doch nicht normal sein? Ist hier ein Brandstifter am Werk?

Hamann schüttelt den Kopf. Er selbst habe bereits als Brandermittler gearbeitet und wisse daher, dass Brandorte am schwersten zu untersuchen seien. Bei Bränden von Gartenlauben gebe es fast nie Zeugen. „Lauben brennen meist zu Tages- und Jahreszeiten, in denen niemand in Gartenanlagen anzutreffen ist“, so Hamann. Zwar deuteten 50 Prozent solcher Brände auf Brandstiftung hin, aber auch technische Gründe könnten oft nicht ausgeschlossen werden. „Ratten und andere Nager knabbern schon mal Stromleitungen an, dann gibt es einen Kurzschluss und schon entsteht ein Brand“, zeichnet der Kriminalist ein Szenario auf. Die Aufklärungsquote sei bei Bränden nicht so hoch wie bei anderen Delikten, schätzt er. In Grimmen sind in diesem Jahr bereits fünf Gartenlauben den Flammen zum Opfer gefallen. „Ich kann Sie allerdings beruhigen: Hier gibt es keinen Feuerteufel, der massiv Lauben anzündet“, sagt Hamann. Die Brandermittlung sei für ihn ein Hobby und er verspreche, dass er genau hinschaue, wenn seine Abteilung nach einem Brand zu den Ermittlungen hinzugezogen wird.

Frage: Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich nach Hause komme und feststelle, dass eingebrochen wurde?

Wenn einem bereits an der Wohnungstür auffalle, dass etwas nicht stimmt, sei es am besten, wenn der Betroffene sofort die 110 anruft und die Wohnung nicht betritt. So würden Spuren nicht zerstört.

„Allerdings geht Personenrettung immer vor“, sagt Hamann. Befindet sich also womöglich eine verletzte Person in der Wohnung, sollte ungeachtet der Spuren natürlich Erste Hilfe geleistet werden und ebenfalls der Notruf gewählt werden.

Frage: Diebstahl von Diesel, Solaranlagen, Tieren, ja sogar Stadtwappen – wird in Grimmen mehr gestohlen als in anderen Regionen?

„Das kann ich nicht bestätigen“, sagt Hamann. In der Grimmener Region bekomme es Hamanns Abteilung eher mit kleineren Diebstahldelikten zu tun. „Ich nenne sie Jäger und Sammler“, sagt der Kriminalist augenzwinkernd. Darunter zähle er „Liebhaber“ bestimmter Dinge und spielt auf den Diebstahl des Stadtwappens an. Hin und wieder spiele auch Geld eine Rolle. „Da sieht jemand auf Ebay, was für eine Kupferpfanne geboten wird und dann wird so etwas eben auch gern mal gestohlen, um es zu Geld zu machen“, weiß Hamann.

Definitiv bestätigen kann er, dass Ladendiebstähle massiv zunehmen. In Grimmen seien der Rewe-Markt sowie der Discounter Netto Schwerpunkte in Sachen Ladendiebstahl.

Allerdings kennen die Beamten dort so ihre Papenheimer, die zwar nicht immer für den Klau verantwortlich zu machen seien, aber oftmals eben doch lange Finger machten. Hin und wieder, so habe er die Erfahrung gemacht, sei auch Neid ein Triebfaktor, jemanden etwas zu entwenden. „Da gönnt der einem dem anderen die Butter auf dem Brot nicht und schon ist die Motorsäge des Nachbarn verschwunden“, sagt er.

Die Aufklärungsquote bei Diebstählen sei sehr hoch. „Mit 60 bis 70 Prozent stehen wir bundesweit sehr gut da“, sagt Hamann stolz.

Frage: Wenn Fremde klingeln und betteln – wie verhalte ich mich?

„Nicht darauf einlassen“, rät Hamann. Solche Personen sollten abgewiesen und die Polizei verständigt werden. Es könne durchaus sein, dass Banden unterwegs seien und mit der sogenannten Mitleidsnummer Trickbetrügereien einher gingen.

Frage: Was soll ich tun, wenn jemand anruft, um über einen angeblichen Gewinn zu informieren? Oder wenn unangemeldete Personen Zutritt zu meiner Wohnung verlangen?

„Vorsicht“, sagt Haman. Hier handele es sich meist um Trickbetrügereien. Kommt jemanden etwas merkwürdig vor, sollte immer die Polizei verständigt werden. Auf keinen Fall sollte Anweisungen, die per Telefon oder Email kommen, Folge geleistet werden. „Für alles, was öffentliche Stellen von Bürgern verlangen, werden offizielle Schreiben erstellt, die sich auch prüfen lassen“, so Hamann. Alles andere sei Betrug. „Wenn die Western Union Bank ins Spiel kommt, ist immer Vorsicht geboten“, gibt er einen Tipp.

Auch Strom- und Wasserablesern, Schornsteinfegern usw. sollte kein Zutritt zur Wohnung gewährt werden, waren sie nicht angekündigt. „Solche Besuche werden immer vorher angemeldet“, sagt Hamann.

Selbst Polizisten müsse man nicht in die Wohnung lassen, den auch hier gibt es schwarze Schafe, die sich als Beamte ausgeben und Trickbetrügereien im Sinn haben. „In einem solchen Fall immer die Polizei anrufen. Die kann sagen, ob tatsächlich ihre eigenen Leute handelt“, so Hamann.

Claudia Noatnick

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald
Im Jugendamt des Kreises treffen Jahr für Jahr mehr Meldungen über Kindeswohlgefährdungen ein. Ein bundesweites Phänomen.

Der Landkreis hat im vorigen Jahr 169 Mädchen und Jungen aus ihren Familien genommen / Tendenz weiter steigend

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Aktuelle Beiträge