Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Tod nach 23 Messerstichen: Angeklagter schweigt

Stralsund Tod nach 23 Messerstichen: Angeklagter schweigt

Ein 35-jähriger Russe soll an Heiligabend einen 42-jährigen Inder in Stralsund getötet haben. Der Angeklagte schweigt zu der Tat, ebenso dessen Frau und der älteste Sohn. Die Familie war 2013 aus Tschetschenien nach Deutschland geflohen.

Voriger Artikel
LKA: 2016 gab es erstmals mehr Kriminalität im Land
Nächster Artikel
Ermittlung nach Mahnwache

Der Angeklagte vor dem Landgericht Stralsund.

Quelle: Christian Rödel

Stralsund. Nach dem gewaltsamen Tod eines aus Indien stammenden Mannes in Stralsund hat am Donnerstag der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Der 35 Jahre alte Angeklagte machte nur wenige Angaben zu seiner Person. Zur ihm vorgeworfenen Tat wollte er sich nicht äußern, ließ er über eine Dolmetscherin mitteilen.

Der aus Tschetschenien stammende Russe soll am 24. Dezember vergangenen Jahres den 42-jährigen Inder nach einem Streit mit 23 Messerstichen in der Wohnung des Opfers getötet haben, wie der Staatsanwalt Christoph Schäfer am Donnerstag zu Prozessbeginn sagte. Erst sechs Tage später war die blutüberströmte Leiche mit aufgeschnittener Kehle und zahlreichen Messerstichen im Brustraum gefunden worden, nachdem dessen Bruder ihn als vermisst gemeldet hatte. Das Motiv der Tat ist bislang unklar. Möglicherweise waren die beiden bei einem Kaufgeschäft in Streit geraten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Totschlag vor.

Das Verfahren stützt sich weitgehend auf Indizien. So hatte die Polizei nach dem Tod des Inders bei der Frau des Angeklagten Handy und Laptop des Toten sichergestellt. Auch soll sich unter dem Fingernagel des Opfers DNA des Angeklagten befunden haben. Die Frau des Angeklagten und der älteste 13-jährige Sohn des Paares wollten auch nicht zur Aufklärung beitragen. Sie machten von ihrem umfassenden Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und schwiegen vor Gericht.  

Die Familie mit insgesamt sechs Kindern war 2013 nach Deutschland geflohen. In Russland saß der Mann wegen Mitgliedschaft in einer bewaffneten tschetschenischen Untergrundbewegung für ein Jahr im Gefängnis, wie die Richterin aus Akten der russischen Behörden verlas. Die Familie sollte bereits 2014 über Polen - ihrem Einreiseland in die EU - abgeschoben werden. Sie tauchte jedoch unter und bekam zwischenzeitlich in Berlin Kirchenasyl. 2016 wurde das Übernahmeersuchen von den deutschen Behörden zurückgenommen, bevor dann knapp einen Monat vor der Tat der Asylantrag der Familie in Deutschland ein zweites Mal abgelehnt wurde.

Wie der im bayrischen Kaufbeuren lebende Bruder des Toten berichtete, hatte er am 24. Dezember um 13.12 Uhr ein letztes Mal mit dem späteren Opfer telefoniert. Etwa eine Stunde später habe ein anderer Bruder aus Indien bei seinem in Stralsund lebenden Verwandten angerufen. Dabei soll dieser ihm berichtet haben, dass gerade Freunde aus anderen Ländern bei ihm seien. Man wolle gemeinsam essen und trinken. Um 17. 32 Uhr sei sein Bruder ein letztes Mal online gewesen, sagte der Kaufbeurener. Dies war offenbar das letzte Lebenszeichen des 42-jährigen Inders.

Der Prozess soll am nächsten Montag fortgesetzt werden. Unter anderem will das Gericht dann einen Mann hören, der am 24. Dezember zur Gruppe gehörte, die den Inder besucht hatte.

dpa/mv

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Neubrandenburg
Das Landgericht Neubrandenburg.

Gericht will Telefonmitschnitte von Handys anhören, um mögliche weitere Bandenmitglieder ausfindig zu machen.

mehr
Mehr aus Aktuelle Beiträge