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Toter auf Hiddensee: Polizei erst drei Stunden später vor Ort

Vitte Toter auf Hiddensee: Polizei erst drei Stunden später vor Ort

Am Dornbusch ist am Sonntag ein Mann ums Leben gekommen / Gemeinde kritisiert, dass die Polizeistation nicht ausreichend besetzt sei / Künftig soll nur noch ein Beamter Dienst tun

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Am Leuchtturm Dornbusch oberhalb von Kloster ist am Wochenende ein 68 Jahre alter Mann aus Lübeck leblos aufgefunden worden.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Vitte. Der Streit um die Polizeipräsenz auf Hiddensee ist entbrannt. Einen weiteren Anlass dafür lieferte der vergangene Sonntag. Am Vormittag war am Leuchtturm Dornbusch ein Toter gefunden worden. Der 68 Jahre alte Lübecker soll, so Polizeisprecherin Antje Unger, unter natürlichen Umständen ums Leben gekommen sein.

„Als ob das nicht schon tragisch genug wäre. Unser Notarzt, Rettungsdienst, Feuerwehr waren seit Stunden vor Ort. Nur keine Polizei. Die war gegen 10.30 Uhr alarmiert worden und kam gegen 13.30 Uhr mit dem Schlauchboot im Hafen Kloster an“, beschreibt Bürgermeister Thomas Gens das Problem. Das mit der Ankunft der Beamten noch nicht gelöst gewesen sein soll. Denn: „Das neue Polizeiauto stand aber leider im Stall, daher musste unsere Feuerwehr mit ihrem Auto die Beamten im Hafen abholen.“ Das E-Fahrzeug hatte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) 2015 an die Polizeistation übergeben.

Dass die seit dem Frühjahr in der Woche nur mit einem Polizisten besetzt ist und am Wochenende meist gar nicht, ist den Hiddenseern ein Dorn im Auge. „Vor Jahren hatten unsere Polizeibeamten auf der Insel noch zusätzliche Bäderpolizei als Unterstützung zur Hauptsaison. Alles Geschichte, obwohl derzeit täglich rund 10000 Menschen auf Hiddensee – soviel wie die Stadt Sassnitz Einwohner hat – unterwegs sind“, sagt Gens.

Aktuell gibt es auf Hiddensee zwei Polizisten. Der eine lebt auf der Insel in Neuendorf, soll aber aber für längere Zeit erkrankt sein und geht im Frühjahr 2017 in den Ruhestand. Der Lebensmittelpunkt des anderen ist nicht Hiddensee. Er ist nur in der Woche da und hatte zudem kürzlich in der OZ-Rubrik „Gesicht des Tages“ angekündigt, dass er darum gebeten habe, sich nach Grimmen versetzen zu lassen. Hiddensee ohne Polizei?

Das wollen die Insulaner vermeiden. „Es kann ja nicht sein, dass in dem E-Polizeifahrzeug kein Beamter mehr sitzt“, sagt Gens. Deshalb hatte er sich schriftlich an den Innenminister gewandt, um auf die Situation und die perspektivische Entwicklung der Polizei auf der Insel aufmerksam zu machen.

Für Ernüchterung sorgt nun Caffiers Antwort. „Vor den Landtagswahlen wurde von ihm mehr und besser ausgerüstete Polizei angekündigt und versprochen. Die Realität ist hier eine völlig andere“, hat Gens dem Brief aus Schwerin, der auf den 17. August datiert ist und erst nach der Landtagswahl bei ihm angekommen sei, entnommen. Der Inhalt: Die personelle Besetzung der Dienststelle soll auf nur einen Beamten zurückgefahren werden. Zudem sei die von der Gemeinde angebotene Wohnung abgelehnt worden. „Das ist eine von zwölf kommunalen Wohnungen, die wir in Vitte gebaut haben. Für die Polizei halten wir sie seit dieser Saison frei“, sagt Gens.

Das Quartier kann die Kommune ab sofort vermieten. So geht es aus einer Antwort des Innenministeriums gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG hervor. „Ein Mitarbeiter verrichtet künftig dort über das ganze Jahr hinweg seinen Dienst. Dieser Mitarbeiter soll auch dauerhaft auf der Insel wohnen. Dafür steht eine landeseigene Liegenschaft zur Verfügung“, teilt Pressesprecher Michael Teich mit. Und dieser eine Polizist solle während der Zeit des Bäderdienstes, also während der Saison, von einem zweiten Beamten unterstützt werden. „Für den wird in der Zeit seines Aufenthaltes auf der Insel eine Unterkunft angemietet“, sagt Teich und ergänzt: „Im Bedarfsfall kann kurzfristig und je nach Eilbedürftigkeit der Lage beziehungsweise der zu treffenden Maßnahmen eine Kräftenachführung mit polizeieigenen Booten oder mittels Wassertaxi erfolgen, so dass insgesamt stets ein ausreichender Kräfteansatz zur Bewältigung polizeilicher Anlässe gegeben ist. Diese Entscheidung ist vor dem Hintergrund einer kürzlich durchgeführten Analyse der Einsatzbelastung und Kriminalitätslage auf der Insel erfolgt.“

Thomas Gens befriedigt das nicht. „Das ist alles nur Gerede. Früher hatten wir zwei Beamte plus Bäderdienst“, sagt er und fragt: „Was ist denn, wenn der eine Beamte außerhalb der Saison Urlaub hat?“

Die Antwort gibt er selbst: „Dann können wir uns wieder selbst um alles kümmern – wie kürzlich bei einem Hundebiss. Den Gebissenen sollten wir zur Beweisaufnahme nach Bergen schicken.“

Fraglich ist, ob es für den vor der Pension stehenden Beamten einen Ersatz gibt. „Polizei mit Nachwuchssorgen – und keiner will nach Hiddensee“ titelte die OZ jedenfalls Mitte Juni nach einem Besuch von zwei CDU-Landtagsabgeordneten im für Hiddensee zuständigen Bergener Polizeirevier.

Polizei rückt nach Kutschenunfall an

Notarzt auf der Insel Hiddensee ist Dr. Ulf Müller und bei Unfällen auf der Insel als Erster zur Stelle. Wie auch bei einem Kutschenunfall am 30. August. Ein Pferd war durchgegangen, hatte sich verletzt und musste eingeschläfert werden.

Die Polizei , so Müller, kam von Rügen rüber und war nach zwei bis zweieinhalb Stunden in Vitte vor Ort. Und führte mit dem Arzt folgenden Dialog: „Wo sind die Zeugen?“ „Die sind alle schon weg.“ „Wo ist das Pferd?“ „Das wird gerade eingeschläfert.“ „Wo ist die Kutsche?“ „Ist längst untergestellt.“

Einzige Spur am Unfallort war ein Blutfleck. „Den hat die Polizei dann fotografiert – als Beweisstück“, sagt Müller.

Chris-Marco Herold

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