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Verdächtiger flüchtet mit Sprung aus Fenster vor der Polizei

Ribnitz-Damgarten Verdächtiger flüchtet mit Sprung aus Fenster vor der Polizei

Ein 27-Jähriger muss sich vor Gericht wegen Raubes verantworten / Die Beamten durchsuchten im Juni 2015 seine Wohnung / Der Fluchtversuch endete im Rollstuhl

Ribnitz-Damgarten. Der Angeklagte sitzt am Dienstag schweigend im Amtsgericht Ribnitz-Damgarten neben seinem Anwalt im Rollstuhl. Als der Staatsanwalt die Anklage verliest, schaut er teilnahmslos zur Seite, wirkt in sich gekehrt. Wegen Raubes muss sich der Stralsunder Daniel D.* verantworten. Am 13. April 2014 soll der 27-Jährige gegen 20 Uhr in Ribnitz-Damgarten in die Wohnung von Lukas B., den er aus Schulzeiten kannte, eingedrungen sein, ihn mit Quarzsand gefüllten Handschuhen mehrmals geschlagen haben und unter anderem einen Fernseher, zwei Handys, Kohlenhydratpulver, einen Rucksack, einen Wandbehang mit Goa-Symbol, zwei Jacken und CS-Gas-Spray gestohlen haben. Mit dem Tränengasspray soll er Lukas B. zudem ins Gesicht gesprüht haben, dieser konnte das Spray aber durch seinen Pullover abwehren. Und all diese Taten soll Daniel D. im Rollstuhl ausgeübt haben?

Als die Polizei vor meiner Tür stand, habe ich Panik bekommen.“Daniel D.*, Angeklagter

Heute aus dem Ribnitzer

Amtsgericht:

Raub und

Körperverletzung

Ein Fenster war geöffnet und ich sah den Angeklagten auf dem Rasen liegen.“Polizeibeamter

Serie

Gerichtsbericht

Der Angeklagte erklärt, dass er erst seit Juni vergangenen Jahres im Rollstuhl sitzt – und wie es zu dem tragischen Vorfall gekommen sei. Als die Polizei am 22. Juni vergangenen Jahres vor seiner Wohnungstür stand und ihn aufforderte, die Tür zu öffnen, sei er in Panik geraten und aus dem Fenster im dritten Stock gesprungen. „Seitdem bin ich querschnittsgelähmt“, sagt der Angeklagte, der damals vermutete, dass die Beamten wegen einer noch offenen Bewährungsstrafe vorbeikamen. „Ich hatte mich schon lange nicht bei meinem Bewährungshelfer gemeldet und hatte Angst, dass sie mich verhaften wollen“, sagt Daniel D. vor Gericht. Von dem Vorwurf des Raubes habe er überhaupt nichts gewusst.

Dabei waren die Stralsunder Polizisten gekommen, um die Wohnung des Angeklagten nach den gestohlenen Gegenständen zu durchsuchen. Genauere Gründe, warum die Durchsuchung allerdings erst über ein Jahr nach der Tat stattfand, wollte der Staatsanwalt gestern bei Gericht gegenüber der OZ nicht nennen.

Die beiden Polizeibeamten schilderten vor Gericht, dass sie am 22. Juni mehrmals klingelten und klopften, aber niemand die Tür öffnete. Allerdings hätten die Beamten Stimmen gehört. Die Beamten riefen die Feuerwehr, die die Tür öffnete.

„Im Wohnzimmer lief der Fernseher, ein Fenster war geöffnet und ich sah den Angeklagten auf dem Rasen liegen. Ich habe sofort den Notarzt gerufen“, sagte einer der Polizisten aus. Daniel D. stritt die Tat ab. Den bei der Durchsuchung gefundenen Wandbehang habe er bei einem Festival gekauft. Der gebürtige Ribnitzer kenne Lukas B. zwar, habe ihn aber schon jahrelang nicht mehr gesehen.

„Wir waren früher gemeinsam im Landschulheim und dann in der gleichen Schule. Da war ich so 13 oder 14“, erklärte der Angeklagte. „Seitdem ich vor vier oder fünf Jahren aus Ribnitz-Damgarten weggezogen bin, habe ich ihn nicht mehr gesehen. Befreundet waren wir nie. Er hat immer versucht, mir das Leben schwer zu machen und hat mich in der Schule verprügelt.“ Der wichtigste Zeuge, Lukas B., kam gestern nicht zur Verhandlung. Da die Polizei ihn auch nicht zu Hause antraf, musste die Verhandlung vertagt werden.

*alle Namen von der Redaktion geändert

Anika Wenning

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