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Vermissten-Fälle: Jeden Tag verschwinden zwei Rostocker

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Vermissten-Fälle: Jeden Tag verschwinden zwei Rostocker

Die Zahl der Vermissten hat sich seit 2010 verdoppelt / 619 Fälle allein im vergangenen Jahr

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Fast täglich verschwinden Menschen in der Hansestadt. Allein 2015 hat es im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um zehn Prozent gegeben. Vor allem Jugendliche aus Betreuungseinrichtungen werden vermisst gemeldet.

Quelle: Johanna Hegermann / Montage: Benjamin Barz

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Montagabend: Die Polizei meldet, dass ein Mann aus einem Pflegeheim in Toitenwinkel verschwunden ist. Der 78-Jährige ist demenzkrank. Die Beamten reagieren sofort. Nach wenigen Stunden wird der Rentner gefunden. Doch nicht immer geht die Suche so schnell und glimpflich aus. Denn fast täglich laufen bei der Polizei neue Anzeigen ein.

Vermisste haben Saison von Sommer bis Herbst

Die Anzeigen haben nach Angaben der Beamten des Sachgebiets Gesundheit und Leben saisonale Unterschiede. Die wenigsten Menschen werden im Winter als vermisst gemeldet. Hochsaison ist von Juni bis Oktober. Vor allem wenn Ferien sind, stellen die Polizisten einen Anstieg fest.

„Die Zahl der Vermissten steigt, besonders in der Hansestadt “, bestätigt Peter Range von der Rostocker Polizei. Er leitet das Sachgebiet Leben und Gesundheit. Seit 2010 haben sich die Fälle mehr als verdoppelt. „Allein im vergangenen Jahr wurden 619 Menschen vermisst gemeldet“, zieht er traurige Bilanz. Die Arbeit mit Vermissten ist für ihn und seine Kollegen Alltag — doch Routine ist sie nicht.

Den Anstieg erklären sich die Experten vor allem durch sogenannte Dauerausreißer. „70 Prozent der Vermissten sind aus Betreuungseinrichtungen — oft sind es Jugendliche, die nicht zum ersten Mal gesucht werden“, so Range. Mit vielen haben sie persönlich gesprochen, kennen deren Geschichte und Hintergründe. „Wenn jemand 50 Mal im Jahr verschwindet, behandelt man den Fall schon anders“, räumt der Sachgebietsleiter ein. Die Motivation lasse dennoch nicht nach. „Wir prüfen bei jedem Fall, ob eine Gefährdungslage vorliegt“, betont der Polizist.

Wie die Beamten genau vorgehen, sei davon abhängig, ob ein Erwachsener oder ein Jugendlicher vermisst werde. „Wenn ein Minderjähriger verschwindet, ist die Polizei verpflichtet, sofort etwas zu unternehmen“, erklärt der 49-Jährige. Erwachsene hätten jedoch das Recht, aus dem persönlichen Umfeld zu verschwinden. Es werde erst geprüft, ob ein Vermisstenstatus gegeben ist. „Es muss Anhaltspunkte dafür geben, dass ihnen etwas passiert sein kann“, sagt Vermissten-Sachbearbeiterin Gabriele Pietsch. Die Motive seien oft sehr persönlich, oder der Vermisste sei durch eine Krankheit für sich oder andere gefährlich. „Manchmal wird ein Suizid angekündigt, dann müssen wir schnell reagieren.“

Meist werden Gesuchte im sogenannten ersten Angriff gefunden, erklärt Range. Dabei sei besonders die Arbeit der Schutzpolizei wichtig. Sie beginnen die Suche und fragen nach Umständen. „Bei ihnen liegt die Hauptlast“, sagt der Sachgebietsleiter. Wenn die Polizisten nicht mehr weiterwissen, wird seine Abteilung aktiv. „Wir gehen mehr ins Detail.“ Es gehe dann darum, den Gesuchten durch gesammelte Informationen kennenzulernen. „Jeder Mensch ist anders, deswegen ist auch jeder Fall anders“, sagt Gabriele Pietsch. Zwar würden einige Arbeitsabläufe routiniert ablaufen, doch jeder Fall müsse genau betrachtet werden. „Der Blick muss offen bleiben“, erklärt Pietsch. Das Umfeld wird befragt, Soziale Netzwerke durchsucht und die Öffentlichkeit in Kenntnis gesetzt. „Es gilt das Prinzip der vielen Augen“, erklärt Range. Häufig kommen dadurch entscheidende Hinweise.

Nicht immer werden Vermisste unversehrt entdeckt. „Im vergangenen Jahr konnten vier Gesuchte nur tot aufgefunden werden“, so Range. Jeder dieser Fälle sei tragisch. „Man darf es nicht zu dicht an sich heranlassen, aber es ist schon belastend.“ Es sei eine Enttäuschung, da viel Kraft und Zeit in eine Suche investiert werden.

Aktuell gibt es zehn offene Fälle in der Hansestadt. Zwei wurden bereits 2014 gemeldet. „Es geht um eine Dame aus Bulgarien, die von einem Schiff verschwunden ist und eine ältere Frau aus Groß

Klein.“ Außerdem werden acht ausländische Jugendliche vermisst, die mit der Flüchtlingswelle in Rostock ankamen. „Momentan gehen wird davon aus, dass sie weitergereist sind“, sagt der Sachgebietsleiter. Doch ohne eine Bestätigung des Verdachts geht die Suche weiter. „Wir schließen erst die Akte, wenn der Fall geklärt ist.“ Range betont: „Ein ,Verjähren‘ gibt es bei uns nicht.“

Von Johanna Hegermann

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