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Vom Grenzjäger zum Revierleiter

Heringsdorf Vom Grenzjäger zum Revierleiter

Usedoms Polizei-Chef Bernd Nabert (60) scheidet Ende Dezember nach 41 Jahren aus dem Dienst

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Im Frühjahr 2017 soll das neue Polizeigebäude am Bahnhof fertig sein. Dort zieht auch die Kriminalpolizei aus Ahlbeck mit ein.

Heringsdorf. Nur noch vier Mal wird sich Heringsdorfs Revierleiter Bernd Nabert die Polizeiuniform überziehen und in seinem Dienstzimmer Platz nehmen. Am Freitag begrüßt er zum letzten Mal seine Kollegen im Revier in der Seestraßem, denn Ende des Jahres geht der 60-Jährige nach 41 Polizeidienstjahren in Pension. Die letzten drei Jahre seiner Laufbahn verbrachte er in Heringsdorf und leitete das Revier. Im neuen Jahr tritt sein Nachfolger an. Wer das sein wird, steht noch nicht fest.

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Usedoms Polizei-Chef Bernd Nabert (60) scheidet Ende Dezember nach 41 Jahren aus dem Dienst

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Zum Abschied wünsche ich der Insel, dass sie sich nicht von Swinemünde abhängen lässt. Die polnische Stadt zieht in vielen Dingen davon.“Bernd Nabert, Revierl.

Wenn man in seinem Dienstzimmer Platz nimmt, kommt es einem vor wie in einer Zeitkapsel. Stühle, Tische, Schränke – vieles hat den Charme der 1990er Jahre. Einzig sein Computer und der dazugehörige Flachbildschirm lassen einen Hauch von Moderne erahnen. Daneben stapeln sich die Akten, mittendrin steht die Kaffeetasse. „Hier wurde seit vielen Jahren nichts mehr richtig angepackt“, sagt er. Doch damit ist bald Schluss. Fast in Sichtweite wird am neuen Polizeigebäude am Bahnhof gearbeitet. „Wenn es gut läuft, ziehen die Kollegen von der Kriminalpolizei aus Ahlbeck und wir dort im März ein, die zweite Variante wäre der Herbst 2017. Ich bin aber optimistisch, dass es im Frühjahr klapp“, sagt Nabert, der den Umzug aber als aktiver Polizeibeamter nicht mehr erleben wird.

Nabert, dem der schleswig-holsteinische Dialekt heute noch anzumerken ist, kam 1992 zum ersten Mal nach Mecklenburg-Vorpommern, genauer gesagt nach Demmin. „Das war ein vierwöchiges Austauschprogramm von Kollegen. Wir sollten unsere Erfahrungen mitbringen und umgekehrt genauso“, erklärt er. Vorher arbeitete er in Lübeck, unter anderem als Grenzjäger beim Bundesgrenzschutz und später bei der Landespolizei. „Ich war von der Landschaft und der Umgebung positiv angetan und habe einen Antrag auf Versetzung nach MV gestellt. Es dauerte nicht lange und schon war ich hier.“ Er baute sich ein Haus, mittlerweile ist er seit 1992 vier Mal umgezogen. Derzeit wohnt er in einem Dorf bei Anklam mit 50 Bewohnern. „Ich mag es auf dem Dorf. Die Großstadt ist nicht meins.“

An viele kuriose, traurige und schwere Einsätze erinnert sich der heutige Erste Polizeihauptkommissar zurück. Zum Beispiel an eine Zeit auf der Nordseeinsel Helgoland. „Dort wohnen 800 Leute und im Sommer kommen 4000 Tagestouristen dazu“, sagt er. Die Insel war bei Fischern bei stürmischen Nächten sehr gefragt. „Eines nachts kamen dänische und niederländische Fischer gleichzeitig an Land. Beide Lager verstanden sich überhaupt nicht und es drohte eine große Schlägerei zu werden. Auf jeder Seite standen mindestens 20 Leute. Und ich als einziger Polizist mittendrin“, erinnert er sich. „Auf einmal fasste mir jemand von hintern auf die Schulter und meinte, dass sie es regeln. Das waren die einheimischen Fischer. Ich war erleichtert, denn alleine wäre ich dort wohl nie heil herausgekommen“, sagt er. Verletzte gab es damals nicht.

Die Zeit auf Usedom wird Bernd Nabert vermissen. „Vor allem den Kontakt zu den Kollegen, den Ämtern und Bürgermeistern. Das Verhältnis war immer sehr vertrauensvoll“, sagt er. Genauso seine Aufgaben.

„Ich habe vor meiner Zeit auf Usedom gerne größere Einsätze vorbereitet. Zum Beispiel beim G8-Gipfel in Heiligendamm oder Castor-Transporten“, sagt er. Auf der Insel standen eher Verkehrsunfälle und Fahrraddiebstähle auf der Tagesordnung. „Das Usedomer Revier hat zwei Gesichter – Sommer und Winter. In der Saison bekommen wir vom Bäderdienst Unterstützung aus der Bereitschaftspolizei. Jetzt ist es verhältnismäßig ruhig.“ Aber, so sagt er, spürt auch die Polizei, dass sich die Saison jedes Jahr nach hinten verlängert. Vor ein paar Jahren brach die Urlaubssaison nach den Sommerferien abrupt ab. Heute ist das nicht mehr so.“

Mit dem neuen Jahr widmet sich Bernd Nabert wieder vermehrt seinen Hobbys, der Familie und den Freunden. „Ich bin sehr gerne handwerklich aktiv. Das liegt daran, dass ich vor meinem Polizeidienst eine Ausbildung zum Werkzeugmacher absolvierte“, sagt er.

Und welchen letzten Wunsch hat der Revierleiter am Ende für die Insel Usedom? „Ich hoffe, dass sich die Insel nicht das Wasser von Swinemünde abgraben lässt. Die Stadt holt überall gewaltig auf und hat Usedom teilweise schon überholt.“

In der vergangenen Nacht war Nabert übrigens zum letzten Mal im Streifendienst dabei. „Wegen der zunehmenden Grusel- Clowns. Zu Halloween stelle ich mit einer Kollegin eine zusätzliche Streife.“

Usedoms Polizei

57 Männer und Frauen arbeiten derzeit im Polizeirevier Heringsdorf.

1600 Quadratmeter Grundfläche teilen sich die Beamten des Heringsdorfer Polizeireviers und der Außenstelle des Anklamer Kriminalkommissariats künftig im neuen Gebäude.

5,5 Millionen Euro soll der Neubau kosten. Was mit der Villa in der Seestraße passiert, ist nach Angaben von Bernd Nabert noch offen.

Mandy Collet übernimmt bis zum Jahreswechsel die Führung auf Usedom.

Hannes Ewert

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