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Rostock Vorsicht, Schwarzkittel!

Viele Wildunfälle im November / Gegen den Trend: In der Rostocker Heide ist die Zahl rückläufig

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Ein Wildschwein verlässt im Questiner Wald sein Versteck. Schwarzkittel sind derzeit an besonders vielen Verkehrsunfällen beteiligt.

Quelle: Foto: Karl-Ernst Schmidt

Rostock. Die Zahl der Wildunfälle in Mecklenburg nimmt zu. Die Region Bad Doberan macht da keine Ausnahme. Beispiele: Acht Wildunfälle ereigneten sich seit August auf der Landesstraße 122, Umfeld Westhofer Kreuzung. Sieben Wildunfälle geschahen auf der L 11 (vom Kreisel Satow Richtung Kröpelin bis etwa Altenhagen). Weitere Schwerpunkte waren seit August die Landesstraße 12 vom Kreisel Heiligendamm Richtung Kühlungsborn mit fünf Wildunfällen sowie die Bundesstraße 105 zwischen Neubukow und Bahnübergang Teschow, wo links und rechts der Straße Wald ist.

 

OZ-Bild

Alljährlich gibt es im November besonders viele Unfälle mit Wild(schweinen). Gründe dafür: „Zum einen sind jetzt die Felder abgeerntet, jetzt muss sich das Wild auf Futtersuche bewegen“, erklärt Ulf-Peter Schwarz, Sprecher des Landesjagdverbandes MV.

Zum anderen ist es die Zeitumstellung. Eine Stunde mache enorm viel aus, so Schwarz: „Die meisten Autofahrer begeben sich in der Dämmerungsstunde auf den Heimweg – und das ist nun einmal die Hauptwechselphase des Wildes.“ Andere Faktoren, so der Mann vom Landesjagdverband, kommen hinzu – rutschiges Laub, schlechte Sicht – und schon ist ein Unfall passiert.

Rückläufig ist übrigens die Zahl der Wildunfälle in der Rostocker Heide, wie Amtsleiter Jörg Harmuth mitteilt. Im vergangenen Jahr habe es hier neun Unfälle gegeben. 2017 seien es aktuell fünf.

„Früher waren die Zahlen viel höher“, sagt Jörg Harmuth. Gründe für den Rückgang seien, dass in gefährlichen Zonen Wildzäune aufgestellt oder auch Tempolimits für Autofahrer eingeführt wurden.

„Wichtig ist: Wenn etwas passiert, muss unbedingt die Polizei gerufen werden. Da darf man sich auch nicht abwimmeln lassen“, betont Harmuth. Nur die Beamten könnten feststellen, wer am Unfallort der Jagdausübungsberechtigte ist. „Wer einen Hasen überfährt und mitnimmt, betreibt Wilderei“, betont Rostocks oberster Förster. Solange ein Tier lebe, sei es herrenlos. Mit dem Tod bekomme es dann jedoch einen Besitzer. „Und das ist nicht immer derjenige, der das Tier erlegt hat“, sagt Harmuth. Besitzer sei der Jagdausübungsberechtigte.

Zahl der Wildschweine wächst

Eine Ursache für die hohe Zahl der Unfälle mit Wildschweinen: Seit Jahren wächst der Schwarzwildbestand in MV. Eine Folge der zu milden Winter und des überreichlichen Futterangebotes, zählt Ulf-Peter Schwarz auf. Bringt der Winter keine Minustemperaturen, überleben zum Beispiel fast alle Frischlinge eines Wurfes. Reichlich vorhandene Eicheln, Bucheckern und eine immer ertragreichere Landwirtschaft decken den Tisch in Wald und Flur nicht nur für Schwarzwild reichlich, und der Wildbestand wächst. Das Land hält jetzt dagegen – mit verstärktem Abschuss soll die Zahl der Schwarzkittel verringert werden. Die Strecke geschossener Wildschweine soll sich um 20 Prozent erhöhen – auf insgesamt 80000 Stück Wildbret landesweit. Das Land schafft Anreize: So erhalten Jäger ab dem 1. Dezember für das Erlegen von Frischlingen mit einem Gewicht bis 25 Kilogramm und für den Abschuss von älteren Bachen, deren Frischlinge keiner Führung mehr bedürfen, 25 Euro Aufwandsentschädigung je Tier.

Tempo verringern

Im Grunde gibt es keinen 100-prozentigen Schutz gegen einen Wildunfall. Doch es helfe ein wenig, sagt Ulf-Peter Schwarz, wenn man seine Geschwindigkeit reduziere. „Die Autofahrer müssen nicht mit 50 Kilometer je Stunde durch die Straßen, die durch Wald und Feld führen, schleichen“, sagt er und nennt dann eine Zahl: „Aber wer sein Tempo von 100 km/h auf nur 80 km/h verringert, hat bereits einen 25 Meter kürzeren Bremsweg. Das kann schon ausschlaggebend sein, um einen Zusammenstoß mit Wild zu vermeiden.“

Und noch andere Tipps hat, Schwarz: „Das Licht abblenden, kontrolliert bremsen und hupen.“ Wer aufblendet, blendet das Wild, es bleibt in den meisten Fällen komplett orientierungslos und wie angewurzelt auf der Straße stehen. Ist der Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden, gibt es neben dem Abblenden noch zwei Dinge, die ratsam sind. Kontrolliert bremsen und das Lenkrad festhalten nicht auf die Gegenfahrspur oder in den Straßengraben lenken. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan, gibt Schwarz zu. Die meisten Menschen haben einen natürlichen Reflex, nicht auf Lebendes zuzufahren. Doch die Gefahr, in den Gegenverkehr zu geraten oder mit dem Auto gegen einen Baum zu prallen und schweren Schaden zu nehmen, ist bei Ausweichmanövern einfach zu groß.

Möglichst nicht ausweichen

Noch eine andere Sache spielt dabei eine Rolle, wie Ilona Gläser vom Forstamt Bad Doberan erklärt: „Ein Unfall gilt nicht als Wildunfall, wenn man, weil man ausgewichen ist, zum Beispiel auf einen Baum aufgefahren ist. Wenn es keine Zeugen gibt und kein Wild verletzt wurde, wird die Polizei oder ein zur Hilfe gerufener Jäger keinen Wildunfall attestieren.“ Ilona Gläser erklärt auch, dass das Forstamt grundsätzlich nicht bei einem Wildschaden zuständig ist. „Wir sind für die Wälder zuständig, nicht für die Straßen. Wenn sich Jemand bei uns meldet, der einen Wildunfall hatte, dann wenden wir uns an die Untere Jagdbehörde des Landkreises Rostock. Die wissen, welcher Jäger in dem jeweiligen Abschnitt Jagdrecht hat und können den dann informieren.“

Zuerst die Polizei anrufen

Doch grundsätzlich, so Peter Rabe, vom Forstamt Grevesmühlen, ist es besser, bei einem Wildunfall immer die Polizei zu rufen. „Diese hat 24 Stunden Dienst.“ Die Polizei wendet sich oft auch an die örtlich jagdberechtigten Jäger, doch die Jäger sind nicht verpflichtet, sich um ein totes Tier zu kümmern, sagt Rabe: „Sie können, wenn sie Zeit haben, aber, sie müssen nicht.“

Treibjagden haben begonnen

Treib- und Drückjagden auf Schwarzwild finden vielerorts statt. Beginn ist meist am 3. November.

Die Straßen in den Waldgebieten, in denen solch eine Jagd stattfindet, werden mit Schildern gekennzeichnet. Autofahrer sollten dann noch achtsamer fahren. „Es kann aber auch passieren“, sagt Landesjagdverbandssprecher Ulf-Peter Schwarz, „dass das Wild ein paar Kilometer läuft, um den Jägern zu entkommen und plötzlich Straßen überkreuzt, die nicht im Treibjagdgebiet liegen.“ Das ist dann wieder „höhere Gewalt“.

In diesem Jahr wurde die Drückjagdsaison vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt MV übrigens eine Woche früher ausgerufen. Grund dafür ist die Sorge, dass bei den Wildschweinen die „Afrikanische Schweinepest“ ausbrechen könnte.

Annett Meinke, Michaela Krohn, Lutz Werner und And

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