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Wenn es im Dorf brennt: Wehren haben zu wenig Löschwasser

Notfälle Wenn es im Dorf brennt: Wehren haben zu wenig Löschwasser

In den Gemeinden gibt es zu wenig Hydranten / Wehrleitungen kritisieren Mangel / Zweckverband Kühlung untersagt eine Nutzung / Löschteiche sind oft zu weit entfernt

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Der stellvertretende Wehrleiter der Wehr Hohenfelde, Andreas Hexel, zeigt den Anschluss eines Standrohrs an einen Hydranten in Hohenfelde. Offiziell darf die Feuerwehr ihn nicht nutzen.

Quelle: Jens Wagner

Hohenfelde. Brennt es im Dorf, ist es nicht selbstverständlich, dass die Feuerwehr genügend Wasser zum Löschen anzapfen kann. Überall in den Gemeinden fehlen Hydranten, beklagen die Feuerwehren.

Doch der zuständige Zweckverband „Kühlung“ Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung untersagt eine Nutzung. Eigentlich.

Schon oft sind sie das Szenario im Kopf durchgegangen. Joachim Hexel, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Hohenfelde, und sein Bruder und Stellvertreter Andreas Hexel mögen gar nicht daran denken, was passiert, wenn es in Höhe der Tischlerei in Hohenfelde brennen sollte. „Der nächste Hydrant ist zu weit weg. Wir haben nur 300 Meter Schlauch auf dem Wagen“, sagt Andreas Hexel. Normalerweise müssten dann mehrere Wehren angefordert werden, um mit den Schläuchen eine Kette zu bilden. Am Waldweg im Ortsteil Ivendorf haben die Kameraden durchgesetzt, dass dort noch in diesem Jahr ein Hydrant installiert wird. Dort gebe es viele Einfamilienhäuser. Der Feuerlöschteich ist weit weg.

„Zu wenig Hydranten“ — das bemängelt auch Reddelichs Wehrleiter Mathias Elmer. „Entlang der B 105 bis nach Bad Doberan steht so gut wie keiner.“ Einzig ein Feuerlöschteich im Gewerbegebiet käme in Frage. Die Gemeinden sind in der Pflicht für die Löschwasserversorgung zu sorgen und legen deshalb Teiche an. In den stetig wachsenden Gemeinden reichen diese aber oft nicht mehr aus. Die Wehren nutzen deshalb auch die Hydranten. Sehr zum Ärgernis des zuständigen Zweckverbandes „Kühlung“ (ZVK). Die Hydranten dienen einzig der Wartung der Rohrleitungen. „Wir sind ausschließlich für die Trinkwasserversorgung zuständig. Die Löschwasserversorgung muss jede Gemeinde gewährleisten“, stellt ZVK-Geschäftsführer Klaus Rhode klar. „Wir müssen der Bevölkerung hygienisch einwandfreies Wasser zur Verfügung stellen.“ Die Feuerwehren würden wissen, dass es nicht erlaubt ist. Rhode spricht aber von einer „Grauzone“. Das Verbot ist den Wehren bewusst. Im Notfall wird es aber umgangen. Denn oft sind die wenigen Feuerlöschteiche zu weit entfernt. „Dann müssen wir die Hydranten anzapfen. Und ehrlich gesagt, spielen Menschenleben eine größere Rolle“, sagt Andreas Hexel.

Michael Zesch, Chef der Freiwilligen Wehr in der Gemeinde Steffenshagen, sieht ein Problem vor allem in der Wassermenge unterhalb der Hydranten. Die reiche nicht überall zum Löschen aus. Wenn ein Gebäude Feuer fängt und in den umliegenden Häusern der Wasserhahn aufgedreht würde, könne es zu Engpässen kommen. „Dann hat niemand ausreichend Wasser“, sagt Zesch. Damit kein Unterdruck beim Abpumpen entsteht, wird das Trinkwasser zunächst in einen Tank gepumpt und von da aus in die Schläuche verteilt. Dort, wo genügend Wasser gewährleistet werden kann, hat der ZVK Verträge mit Kommunen abgeschlossen. Das sind Bad Doberan mit Heiligendamm, Rerik, Kühlungsborn, Neubukow, Teterow, Schwaan, Kröpelin und Satow sowie die Gemeinde Wittenbeck. „Dort gibt es Hydranten, an die die Feuerwehr offiziell ran darf“, sagt Rhode. Für alle anderen Hydranten bleibt die Nutzung ein zweischneidiges Schwert.

 



Katarina Sass

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Die Feuerwehren in der Region um Bad Doberan kritisieren einen Mangel an Löschwasser. Der Zweckverband untersagt die Nutzung der Anschlüsse – die Löschteiche sind häufig zu weit vom Einsatzort entfernt.

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