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Zahl der Waffenbesitzer steigt drastisch

Wismar Zahl der Waffenbesitzer steigt drastisch

Nordwestmecklenburg: Immer mehr Menschen legen sich Pistolen zu

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Täuschend echt: Zwei Schreckschusspistolen auf dem Ladentisch im Geschäft in Neukloster. Links eine Pistole vom Typ Walther, rechts eine vergoldete Browning.

Quelle: Foto: Heiko Hoffmann

Wismar. Nordwestmecklenburg rüstet auf: Immer mehr Menschen im Landkreis legen sich eine Waffe zu. Beantragten 2015 noch 456 Personen den Kleinen Waffenschein, waren es im Vorjahr bereits 768. Die Lizenz berechtigt zum Tragen von Signal- und Schreckschusspistolen, die Nachbildungen von echten Pistolen oder Revolvern sind, aber keine echte Munition, sondern zum Beispiel Reizgas verschießen. Auch Messer gehören dazu.

OZ-Bild

Nordwestmecklenburg: Immer mehr Menschen legen sich Pistolen zu

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768 Kleine Waffenscheine wurden im vorigen Jahr im Landkreis Nordwestmecklenburg vergeben. Das waren 312 mehr als im Jahr 2015 und bedeutete einen sprunghaften Anstieg. Im Jahr 2014 wurden 437 Kleine Waffenscheine vergeben.

Sebastian Boll, Inhaber eines Geschäftes für Jagd- und Sportwaffen in Neukloster, hat im vergangenen Jahr mehr Schreckschusswaffen verkauft. Der gelernte Büchsenmachermeister sagt: „Es gibt eine allgemeine Verunsicherung und Angst, überfallen zu werden. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht sagen. Ich denke aber, dass dieses Gefühl wieder etwas rückläufig ist.“

Kreis mit Erklärungsversuch

Der Landkreis als zuständige Behörde für die Erteilung des Kleinen Waffenscheins hat eine Vermutung für die gestiegene Nachfrage. Sprecherin Petra Rappen: „Eine Zunahme bei der Antragstellung und Erteilung von Kleinen Waffenscheinen ist erfolgt, nachdem der Kleine Waffenschein Thema in den Medien wurde und den Bürgern die Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen zu Selbstverteidigungszwecken ,schmackhaft’ gemacht wurden.“

Die Polizei in Wismar sieht das Aufrüsten kritisch. „Aus Polizeisicht ist von einer privaten Bewaffnung abzuraten. Die eigene Sicherheit wird nicht durch das Mitführen einer Schreckschusswaffe oder anderer Waffen erhöht, da es letztlich keinen Schutz vor einem Angriff bietet“, so Nancy Schönenberg, Sprecherin der Polizeiinspektion Wismar.

Polizei befürchtet Missbrauch

Außerdem gibt die Polizei zu bedenken, dass sich „der vermeintlich Angegriffene durch eine Verteidigung mittels einer Waffe gegebenenfalls selbst strafbar“ machen könne. Bei konfliktträchtigen Situationen könnte eher zu „Verteidigungsmitteln“ wie Pfefferspray und Schreckschusswaffe gegriffen werden. Das könnte erst recht zur Eskalation führen. Nancy Schönenberg: „Die Gefahr von Missbrauch und Selbstjustiz würde bestehende Unsicherheiten eher fördern als verringern.“

Verunsicherung bei Bürgern Thomas Lenz, Landesvorsitzender der Opferschutz-Organisation Weißer Ring, hat eine zunehmende Verunsicherung der Bürger registriert. Doch aus seiner Sicht gibt es dafür keinen objektiven Grund. „Die Gewaltkriminalität geht zurück in Deutschland und MV.“ Der Kleine Waffenschein, sagt Lenz, schaffe keine Sicherheit. „Er führt eher zu Selbstjustiz, mehr Unsicherheit und Gefahren durch Missbrauch der Waffen.“

Für Thomas Lenz, den Chef des Weißen Rings und zugleich Staatssekretär im Schweriner Innenministerium, gibt es angesichts der zunehmenden Bewaffnung im ganzen Land nur eine Lösung: „Wir brauchen mehr Polizei und einen starken Verfassungsschutz.“

60 Kontrollen hat die Kreisbehörde im letzten Jahr durchgeführt.

Für den Erwerb von echten, also Sport- und Jagdwaffen, gibt es sehr strenge Vorschriften. Voraussetzung dafür ist eine Waffenbesitzkarte. Davon wurden im letzten Jahr im Landkreis 75 erteilt, im Jahr davor 52. Laut Gesetz dürfen Jäger und Sportschützen diese beantragen.

8900 Lang- und Kurzwaffen

Nach Angaben des Landkreises sind in Nordwestmecklenburg 8902 Lang- und Kurzwaffen registriert.

Die Polizei hat im Jahr 2015 insgesamt 76 Verstöße gegen das Sprengstoff-, Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz in Nordwestmecklenburg festgestellt, darunter fallen 64 Straftaten des Waffengesetzes. Für 2016 fehlt noch die Statistik. „Tendenziell befinden wir uns jedoch auf einem ähnlichen Niveau“, so Nancy Schönenberg. Verstöße gegen das Waffengesetz sind zum Beispiel das Mitführen von Schlagringen,Teleskopschlagstöcken, Stahlruten, Schreckschusspistolen, „Butterfly-Messern“ oder Elektroschockern, Pfefferspray ohne Prüfzeichen / ohne Kennzeichnung als Tierabwehrspray.

Ähnliche Tendenz

In anderen Teilen von Mecklenburg-Vorpommern gibt es ähnliche Tendenzen:

Vorpommern-Greifswald: Beantragten 2015 noch 53 Personen den Kleinen Waffenschein, waren es im

Vorjahr bereits 408.

Damit stieg die Anzahl der Besitzer auf aktuell 1102 Einwohner an.

Kreis Vorpommern-

Rügen: 2016 wurden 449 Kleine Waffenscheine vergeben. Im Jahr zuvor waren es nur 39.

Insgesamt zählt der Kreis nun 3400 Inhaber von waffenrechtlichen Erlaubnissen.

In Nordwestmecklenburg gibt es 2667 Inhaber waffenrechtlicher Erlaubnisse. Darin enthalten sind der Kleine Waffenschein, Jagd- und Sportwaffen und Schützenvereine.

Heiko Hoffmann

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