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Ein gefährlicher Arbeitsplatz: Mitten auf der Autobahn

Straßenwärter/in Ein gefährlicher Arbeitsplatz: Mitten auf der Autobahn

Straßenwärter räumen die Fahrbahn frei und sichern Unfallstellen ab. In speziellen Kursen trainieren sie Routinesituationen. Nötig sind gute Nerven und ein dickes Fell.

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Müll vom Mittelstreifen aufsammeln - auch das gehört zu den Aufgaben von Straßenwärter Brian Zutz.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Ehringshausen. Autos und Lastwagen rauschen vorbei. Mit anscheinend unverminderter Geschwindigkeit. Ein nebliger Vormittag auf der A 485 in Mittelhessen - Straßenwärter Brian Zutz und seine Kollegen arbeiten am Grünstreifen in der Mitte der Fahrbahnen.

Erst wenige Tage zuvor war in Hessen beim Absperren einer Unfallstelle ein ADAC-Mitarbeiter lebensgefährlich verletzt worden. Das ist an diesem Tag auch Thema bei den Mitarbeitern der Verkehrsbehörde Hessen Mobil. „Dass es riskant ist, das war mir klar“, sagt Zutz über seine Anfangszeit vor zehn Jahren, als er die Ausbildung zum Straßenwärter begonnen hatte. Mittlerweile habe er sich daran gewöhnt, auch wenn ihn immer mal wieder rücksichtslose Verkehrsteilnehmer ins Schwitzen bringen. Denn manche Aktion genervter Auto- oder Lastwagenfahrer kann für die Straßenwärter schnell lebensgefährlich werden.

Zutz mag seine Arbeit dennoch, sie sei abwechslungsreich und die Zusammenarbeit mit den Kollegen mache Spaß, berichtet der 26-Jährige. Gerade sind sie mit dem „Herbst-Putz“ beschäftigt. Die Straßenwärter in ihrer orangenen Sicherheitskleidung schneiden die Pflanzen am Fahrbahnrand zurück und lesen Müll auf. Zehntausende Fahrzeuge brausen hier Tag für Tag vorbei. Im Gestrüpp des Mittelstreifens liegen zerknautschte Zigarettenpackungen und Flaschen, Papierfetzen und Stücke von Plastikfolien.

Der 26-Jährige hebt eine Tüte mit leeren Styroporschachteln für Fastfood auf. „Wir haben hier schon alles möglich gefunden“, sagt er. Neben kaputten Reifen und anderen Fahrzeugteilen auch Auto-Kennzeichen, Geldbeutel, Schuhe, Führerscheine und sogar Sex-Spielzeug. Ein Kühlschrank habe schon auf dem Seitenstreifen gelegen, häufiger sind Fahrräder oder tote Tiere. Besonders gefährlich: Wenn mitten auf die Fahrbahn Fahrzeug- oder Ladungsteile fallen.

Drei tödliche Unfälle gab es in den vergangenen zwölf Jahren unter hessischen Straßenwärtern auf Autobahnen. Als Konsequenz führte das Land vor zwei Jahren den sogenannten Risikoparcours als Schulungsmaßnahme ein, den es bereits in anderen Bundesländern gab. Dabei geht es ganz praktisch um lebensrettende Fähigkeiten: Wie kann man sich am schnellsten hinter der Leitplanke in Sicherheit bringen? Wie viel Zeit bleibt zum Aussteigen oder Überqueren der Fahrbahn, wenn ein Lastwagen mit 80 Stundenkilometern naht oder ein Auto mit 180? Die Arbeiter sollen gleichzeitig auf sich selbst, auf ihre Umgebung und ihre Arbeit achten.

Zutz erinnert sich an eine brenzlige Situation aus dem Sommer. Eine Autobahn habe nach einem Unfall vollgesperrt werden müssen. Da hätten einige besonders Ungeduldige kurzerhand die Absperrung umfahren - während die Aufräumarbeiten noch liefen. Situationen, in denen es für die Verkehrsteilnehmer nicht so laufe, wie sie erwarteten, seien immer schwierig. Dann gebe es Beschimpfungen, Kollegen seien auch schon mit Getränkedosen beworfen und einer gar absichtlich angefahren worden, sagt Zutz.

Hessen Mobil plane die Einsätze sorgfältig und mithilfe einer Computersoftware, die errechne, wann die Verkehrslage günstig sei, sagt Michael Hoffmann, der Vorgesetzte des 26-Jährigen und Leiter der Autobahnmeisterei Ehringshausen. Auch sonntags werde dann gearbeitet. Die Meinung vieler Verkehrsteilnehmer sei zwar eine andere. „Doch unsere Hauptaufgabe sehen wir darin, den Verkehr am Rollen zu halten.“

Insgesamt rund 1220 Straßenwärter sind bei der hessischen Verkehrsbehörde beschäftigt, sie betreuen 17 000 Kilometer Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Um die Unfallgefahr für ihre Mitarbeiter auf den Autobahnen zu senken, beteiligt sich Hessen Mobil an einem Forschungsprojekt. Anstelle eines Lastwagens mit Fahrer soll dabei ein automatisch fahrendes Fahrzeug die Arbeiten absichern. Denn die Lkws, die mit der entsprechenden Beschilderung auf die Wanderbaustellen hinweisen und ihr in einigem Abstand folgen, würden immer wieder in schwerwiegende Auffahrunfälle verwickelt. Nach Angaben des hessischen Verkehrsministeriums soll ein Prototyp entwickelt und auf den Seitenstreifen erprobt werden.

dpa

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