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Studie hinterfragt „Schönheitsprämien“ im Job

Bessere Bezahlung Studie hinterfragt „Schönheitsprämien“ im Job

Seit Jahren erforschen Ökonomen, ob das Aussehen die Höhe des Gehalts beeinflusst - positiv oder negativ. Eine neue Studie hinterfragt jetzt die Existenz einer solchen „Schönheitsprämie“. Und stößt auf massive Kritik.

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Schönheit wirkt sich finanziell doch nicht so stark aus wie gedacht.

Quelle: Andrea Warnecke/dpa-Tmn

London/Boston. Zahlt sich gutes Aussehen mit barer Münze im Job aus? Eine neue Studie stellt die seit Jahren vorherrschende These einer „Schönheitsprämie“ zumindest für den US-Arbeitsmarkt in Frage.

Oft verdienten die am wenigsten attraktiven Menschen sogar mehr als besser aussehende, schreiben Satoshi Kanazawa von der London School of Economics und Mary Still von der University of Massachusetts im „Journal of Business and Psychology“. Statt Schönheit seien Merkmale wie Gesundheit, Intelligenz und günstige Persönlichkeitsfaktoren ausschlaggebend für bessere Bezahlung. Andere Experten widersprechen: Die Studie habe gravierende Schwächen.

Kanazawa und Still legten ihrer Auswertung die Langzeitstudie „Add Health“ zugrunde. Junge US-Amerikaner waren dafür zwischen 1994 und 2008 in fünf Wellen zu zahlreichen Aspekten befragt worden. Zu Beginn waren die über 20 000 Teilnehmer, die auch im Aussehen bewertet wurden, durchschnittlich 16 Jahre alt, am Ende 29 Jahre.

Anhand ihrer Daten untersuchte das Team drei Punkte, die nach Ansicht vieler Kollegen zu einer Gehaltskluft zwischen attraktiven und weniger gut aussehenden Menschen führen: Diskriminierung durch Arbeitgeber, Kollegen oder Kunden, Selbstbeschränkung der Betroffenen auf bestimmte Berufsfelder und individuelle Unterschiede.

Dass sehr unattraktive Menschen vergleichsweise viel Geld verdienten, widerspricht nach Auffassung der Autoren der These, dass sie eher diskriminiert werden. Auch für finanzielle Nachteile durch Selbstbeschränkung fanden die Forscher keine Bestätigung.

Bei letztem Punkt versuchten sie, statt Attraktivität die Merkmale Gesundheit, Intelligenz und positive Persönlichkeitsaspekte in ihrer finanziellen Auswirkung zu berechnen. Hier fanden sie ihrer Auffassung nach deutliche Belege. Sprich: Jemand werde zwar möglicherweise als „schön“ eingestuft, bekomme aber de facto deshalb mehr Geld, weil er intelligenter, gesünder und in seiner Persönlichkeit offener und positiver sei.

Für den Pionier der Attraktivitätsforschung, den US-Ökonomen Daniel Hamermesh („ Beauty Pays“) von der University of London, lässt die Studie einige strukturelle Fragen offen. Andere Arbeiten seien ebenfalls auf Basis der „Add Health“-Daten zu Ergebnissen gekommen, die die These der „Schönheitsprämie“ voll stützten. „Das einzige „ungewöhnliche“ Ergebnis ist ein Blick auf die winzige Fraktion der jungen Leute, die als sehr unattraktiv eingeschätzt werden - eine viel zu kleine Gruppe“, erläutert Hamermesh.

In der Tat werden dieser Gruppe höchstens 280 Teilnehmer zugeordnet, während in anderen mehr als 4500 zu finden sind. Auch Arbeitsökonom Thomas Bauer vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen hält die allgemeine Aussage, dass sehr unattraktive Menschen mehr verdienen als viele besser aussehende, auf dieser geringen Datenbasis für schwer haltbar.

Zudem habe das angeführte mittlere Einkommen der einzelnen Gruppen keine wirkliche Aussagekraft. „Es berücksichtigt zum Beispiel nicht, wie viele unattraktive Menschen gar keinen Job finden“, sagt Bauer. Auf Deutschland übertragbar seien US-Ergebnisse ohnehin nicht. „Die Situation ist hier eine andere.“ Es gebe Tarifverträge, Gleichstellungsbeauftragte und in vielen Fällen auch Betriebsräte, die bei Einstellungsgesprächen dabei seien.

Eva Sierminska hat die Frage 2015 in Deutschland untersucht. Die Ökonomin, die unter anderem am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) tätig ist, bilanziert darin: „Für Frauen haben wir eine durchschnittliche "Schönheitsprämie" von zwei bis vier Prozent am unteren Ende der Gehaltsverteilung gefunden.“ Für Männer liegt das Einkommensplus für gutes Aussehen demnach sogar bei fünf bis sieben Prozent und zieht sich durch alle Gehaltsstufen.

dpa

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