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Maserati Levante: Rein ins Gewühl

Berlin Maserati Levante: Rein ins Gewühl

Maserati ist die Rolle des edlen Exoten leid. Nun versucht der einstige Rennstall, mit seinem ersten SUV auch Familien zu ködern. Seine Wurzeln hat der Hersteller dabei allerdings nicht vergessen.

Berlin. Die Flotte vornehmer Geländewagen wächst weiter: Was Porsche mit dem Cayenne vor bald 20 Jahren vorgemacht hat, kopiert nun nach Bentley und Jaguar auch Maserati. Denn Ende Mai bringen die Italiener zu Preisen von zunächst 88 000 Euro aufwärts ihr erstes SUV in Stellung.

Dabei flirtet der Sportwagenhersteller auch mit Familien, wirbt zum ersten Mal mit viel Platz auf der Rückbank oder einem großen Kofferraum. Und er bietet sogar eine Anhängerkupplung an. Dabei ist ihm der Sprintwert allemal wichtiger als die Bodenfreiheit.

Abkehr von Amerika

Obwohl Maserati über den Mutterkonzern Fiat auch mit Jeep verschwistert ist, hat der Levante keine amerikanischen Wurzeln. Das fünf Meter lange Prunkschiff hat die aggressivste Frontpartie aller moderner Geländewagen, eine schnittige Seitenlinie und ein eher einfallsloses Heck. Die Basis kommt von Ghibli und Quattroporte - Luftfederung, Allradantrieb, Skyhook-Fahrwerk mit variablen Dämpfern und V6-Motoren inklusive.

Bollerwagen auf der Opernbühne

Was für die Plattform gilt, gilt auch für die Philosophie: Wie es sich für ein Modell aus Modena gehört, hat der Levante auf der Straße die gleiche Präsenz wie eine italienische Diva auf der Bühne: Er brüllt laut und leidenschaftlich, hat den tiefsten Schwerpunkt im Segment und einen Allradantrieb, der die Vorderachse die meiste Zeit geflissentlich ignoriert.

Selbst der Diesel ist ein Dramatiker

Die Grandezza beim Gasgeben und die Ambitionen beim Anfahren spürt man nicht nur beim Benziner mit 316 kW/430 PS und einem Spitzentempo vom 264 km/h, mit dem die Italiener die Auslieferung beginnen. Auch der ebenfalls drei Liter große Diesel, der im Juli folgt, macht mit seinen 202 KW/275 PS und 580 Nm mächtig Programm.

Wenn sich das knochentrockene Fahrwerk im Sportmodus um bis zu sechs Zentimeter absenkt, fühlen sich die 6,9 Sekunden von 0 auf 100 und das Spitzentempo von 230 km/h viel imposanter an als bei der Konkurrenz. Und ganz nebenbei spart man mit dem Diesel knapp 18 000 Euro und auf 100 Kilometer bei einem Normverbrauch von 7,2 Litern (CO2-Ausstoß 189 g/km) immerhin 3,7 Liter Sprit.

Flirt mit der Familie

Obwohl das Fahren - so viel sind die Italiener ihrer Tradition als Sportwagenhersteller schon schuldig - absolut im Vordergrund stand, ist der Levante zugleich der praktischste Maserati in der bisherigen Geschichte. Natürlich kostet die coupéhafte Dachlinie im Fond ein bisschen Kopfraum und die Rückbank ist nur zwei- und nicht dreigeteilt.

Doch mit 580 bis 1600 Litern Kofferraum, einer elektrische Hecklappe mit Gestensteuerung und praktischen Extras vom Kindersitz bis zur Hundebox meistert das SUV die Tücken des Alltags ziemlich zuverlässig. Es steht Konkurrenten wie dem Cayenne oder dem BMW X5 kaum nach. Das gilt auch für Fahrten abseits des Asphalts: Auch ohne Untersetzung oder Offroad-Assistenzen schafft der Levante im Matsch mehr, als ein Kunde dem Luxusliner je vielleicht zumuten wird.

Abzug für Ambiente und Ausstattung

Den Unterschied zu den noblen Alternativen diesseits der Alpen machen deshalb neben Auftritt und Antritt vor allem Ambiente und Ausstattung. Wo die Italiener in den ersten beiden Disziplinen kräftig Punkte sammeln, kassieren sie in den beiden anderen ein wenig Abzug. Denn auch wenn sie die Kabine mit Samt und Seide auskleiden, wirkt das Cockpit lange nicht so wertig wie etwa in einem Audi Q7.

Und auch mit einer neuen Touchscreen-Navigation oder einer Abstandsregel-Automatik klaffen bei Infotainment und Assistenz ein paar Lücken. Da merkt man, dass der große Fiat-Konzern bei Hightech-Themen hinterher hinkt und eine kleine Marke wie Maserati den Rückstand alleine nicht wettmachen kann.

Fazit: Die italienische Alternative

SUV gibt es zwar mittlerweile wie Sand am Meer und auch in der Oberklasse wird es langsam voll auf der Buckelpiste. Doch mit seinem polarisierenden Auftritt, seinem ambitionierten Fahrstil und vor allem mit seinem markerschütternden Sound verschafft sich der Levante reichlich Gehör und wird so zu einer Alternative.

Datenblatt: Maserati Levante Diesel

Motor und Antrieb

V6-Commonrail-Diesel Hubraum: 2987 ccm
Max. Leistung: 202 kW/275 PS bei 4000 U/min
Max. Drehmoment: 580 Nm bei 2000 - 2600 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: Achtgang-Automatik

Maße und Gewichte

Länge: 5,00 m
Breite: 1,96 m
Höhe: 1,68 m
Radstand: 3,00 m
Leergewicht: 2205 kg
Zuladung: k.A.
Kofferraumvolumen: 580-1600 Liter

Fahrdaten

Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 6,9 s
Durchschnittsverbrauch: 7,2 Liter/100 km
Reichweite: 1110 km
CO2-Emission: 189 g/km
Kraftstoff: Diesel
Schadstoffklasse: Eu6
Energieeffizienzklasse: k.A.

Kosten

Basispreis des Maserati Levante: 70 500 Euro
Grundpreis des Maserati Levante Diesel: 70 500 Euro
Typklassen: k.a Kfz-Steuer: 473 Euro/Jahr

Wichtige Serienausstattung

Sicherheit: Sechs Airbags, automatische Abstandsregelung mit Notbremsassistent, 360-Grad-Kamera
Komfort: Lederausstattung, Klimaanlage, Zentralverriegelung, elektrische Parkbremse

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

dpa-infocom

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