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Normalos mit Nutzwert: Kombis und Vans in Genf

Genf Normalos mit Nutzwert: Kombis und Vans in Genf

Von wegen SUV und Crossover: Im Windschatten der aufgebockten Allwege-Autos rollen auch viele ganz normale Familienkutschen an. Bis vor kurzem schon fast abgeschrieben, sind Kombis und Vans auf dem Genfer Salon die stillen Stars.

Genf. Laderaum statt Lifestyle, Platz statt Prestige: Während zahlreiche neue Geländewagen und Crossover-Modelle auf dem Genfer Salon dem immer gleichen Trend zum SUV hinterherjagen, feiern auf der PS-Bühne in diesem Jahr auch auffällig viele konventionelle Konzepte Premiere.

Weil vor allem Familien und Vielfahrer ihre Kaufentscheidung oft nach sehr viel rationaleren Kriterien treffen, stehen auch zahlreiche neue Kombis und Vans im Rampenlicht.

„SUV- und Crossover-Modelle bieten zwar eine erhöhte Sitzposition und somit oft ein erhöhtes Sicherheitsgefühl“, sagt Jonas Wagner von der Strategieberatung Berylls. „Aber beim Nutzwert müssen oft erhebliche Abstriche gemacht werden, vor allem bei den so angesagten SUV-Coupés.“ Wenn die Kaufentscheidung einem klaren Zweck wie dem Transport der Familie samt Gepäck oder der Sportausrüstung untergeordnet werde, habe das SUV deshalb oft die schlechteren Karten, so der Experte.

Platz ist bei Messeneuheiten wie dem Toyota Proace kein Thema. Denn mit seinen baugleichen Schwestermodellen Peugeot Traveller und Citroën Spacetourer gehört der ab Sommer lieferbare Maxivan mit bis zu neun Sitzplätzen oder maximal 4900 Litern Ladevolumen in der längsten Version zu den geräumigsten Premieren in Genf. Allerdings fühlt man sich am Steuer dieser drei Modelle nicht zuletzt wegen der eigentlich komfortablen hohen Sitzposition auch schnell mal wie ein Kurierfahrer oder Paketbote.

Wer lieber etwas flacher sitzt und schneller fährt, wird sich eher für eine Reihe neuer Kombis interessieren, die in Genf an den Start rollen - etwa für den neuen Fiat Tipo Station Wagon, der schon bei voller Bestuhlung über 500 Liter Laderaum bietet und nach Informationen aus Unternehmenskreisen kaum mehr als 15 000 Euro kosten soll. Das macht ihn zu einem der günstigsten Kombis in der Kompaktklasse.

In der gleichen Liga tritt für deutlich mehr Geld und mit deutlich mehr Ausstattung der ebenfalls neue Renault Mégane Grandtour an, der bei aufrechter Rückbank schon 580 Liter fasst. Eine Klasse darüber rangiert der Kia Optima, der nach Angaben der Koreaner jetzt zum ersten mal als Kombi angeboten wird und als Sportswagon mit mindestens 553 Litern Kofferraum gegen Platzhirsche wie den VW Passat Variant oder Ford Mondeo Turnier antritt.

Und mit dem neuen V90 beweist Volvo, dass sich selbst ein Oberklassemodell für Kind und Kegel nicht zu schade sein muss. Denn so vornehm wie der über fünf Meter lange Kombi aus Schweden, der nach Angaben des Herstellers im Herbst zu Preisen ab 45 800 Euro in den Handel kommt, ist kein anderer Lastenträger in Genf. Nicht umsonst nennt Firmenchef Hakan Samuelsson das Modell mit der großen Heckklappe „einen der edelsten Volvos aller Zeiten“.

Doch auch die Klassiker unter den Familienautos können sich dem allgegenwärtigen SUV-Trend nicht vollständig verwehren. So werden nicht nur immer mehr Kombis aufgebockt und im Stil des Audi Allroad zum Lastenträger für schlechte Wege. Auch die Vans verschmelzen zusehends mit den Geländewagen und werden so am Ende doch noch zu Crossover-Modellen. Kaum eine Genfer Neuheit zeigt das besser als der Scénic, mit dem Renault jetzt wieder um Familien wirbt. Denn genau wie der große Bruder Espace hat er eine bulligere Front bekommen, weiter ausgestellte Kotflügel und etwas mehr Bodenfreiheit.

Eine zweifarbige Lackierung lässt den Scénic dabei etwas flacher erscheinen, als er eigentlich ist. Vom äußeren, auf Geländewagen getrimmten Erscheinungsbild sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Der Scénic bietet trotzdem deutlich mehr Stauraum als bisher und mit verschiebbaren Konsolen in der beweglichen Sitzlandschaft auch mehr Variabilität, sagt Renault-Designchef Laurens van den Acker. „Wichtig bei einem Van ist doch, dass die inneren Werte stimmen.“

dpa/tmn

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